// SCINEXX — SPAZIO & SCIENZA
Unplanbare Arbeitszeiten führen oft zu Trennungen
Schichtpläne auf Abruf, kurzfristige Änderungen und wenig Vorlauf können auch Partnerschaften treffen: Unter US-Beschäftigten im Servicebereich gingen besonders instabile Arbeitszeiten häufiger mit dem Ende von Ehen und Lebensgemeinschaften einher. Bei verheirateten Männern war der Zusammenhang zwischen extrem unberechenbaren Arbeitszeiten und einer Trennung besonders ausgeprägt.
Cambridge (U.S.A.). Wer im Einzelhandel, in der Gastronomie oder in anderen Servicejobs stundenweise arbeitet, kann private Termine oft nur schwer planen. Unregelmäßige Schichten, kurzfristige Änderungen oder Arbeit auf Abruf greifen in genau die Zeit ein, in der Paare Alltag, Kinderbetreuung und gemeinsame Freizeit koordinieren. Ob diese Planungsunsicherheit auch mit der Stabilität von Partnerschaften zusammenhängt, war bislang kaum systematisch untersucht.
Forscher der University of California, Berkeley (UC Berkeley) um Prof. Kristen Harknett haben nun Längsschnittdaten von 6.918 stundenweise beschäftigten Arbeitnehmern im US-Dienstleistungssektor ausgewertet. Die Daten wurden zwischen 2019 und 2024 im Rahmen des Forschungsprojekts The Shift Project erhoben. Für die Beziehungsanalyse betrachtete das Team verheiratete oder mit einem Partner zusammenlebende Befragte über mehrere Erhebungszeitpunkte hinweg. Zwischen zwei Befragungen lagen im Mittel gut neun Monate. Die nicht repräsentative Stichprobe umfasst Beschäftigte großer Serviceunternehmen, die ursprünglich über gezielte Anzeigen auf Facebook und Instagram rekrutiert wurden.
Um die Instabilität der Arbeitszeiten zu erfassen, berücksichtigten die Forscher fünf typische Belastungen des Schichtalltags. Dazu gehörten Arbeit auf Abruf, abgesagte Schichten, kurzfristig geänderte Arbeitszeiten, weniger als zwei Wochen Vorlauf bei der Dienstplanung sowie sogenannte Clopening-Schichten, bei denen eine späte Schicht unmittelbar vor einer frühen Schicht am Folgetag liegt.
Aus diesen Merkmalen bildete das Team eine Skala. Nur rund 15 Prozent der Befragten hatten im Monat vor der jeweiligen Erhebung keines dieser Probleme erlebt. Etwas mehr als die Hälfte berichtete ein oder zwei Formen instabiler Arbeitszeiten, 19 Prozent drei Formen. Weitere elf Prozent waren vier oder allen fünf Arten der Planungsunsicherheit ausgesetzt.
Die Analysen zeigten einen deutlichen Zusammenhang am oberen Ende dieser Skala. Unter Beschäftigten mit besonders stabilen Arbeitszeiten waren den statistischen Modellen zufolge bei der Nachbefragung rund 94 Prozent der Ehen noch intakt. Bei Arbeitnehmern mit vier oder fünf Formen von Schichtinstabilität waren es nur etwa 82 Prozent. Die Modelle berücksichtigten unter anderem Alter, Elternschaft, Bildung, Stundenlohn, Beschäftigung des Partners und Einflussmöglichkeiten auf den eigenen Dienstplan.
Ein ähnliches Muster zeigte sich bei unverheirateten Paaren, die zusammenlebten. Hier sank der modellierte Anteil fortbestehender Beziehungen von rund 87 Prozent bei stabilen Arbeitszeiten auf etwa 75 Prozent bei vier oder fünf Formen der Schichtinstabilität. Schon bei drei Arten unberechenbarer Arbeitszeiten war die Wahrscheinlichkeit einer Trennung erhöht.
Besonders auffällig war ein Geschlechterunterschied bei Ehen. Verheiratete Männer mit den instabilsten Arbeitszeiten waren zwölf Prozentpunkte seltener noch verheiratet als Männer mit den stabilsten Dienstplänen. Bei Frauen betrug diese Differenz nur vier Prozentpunkte. Für unverheiratet zusammenlebende Paare fanden die Forscher dagegen keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen Männern und Frauen.
Als mögliche Erklärung verweisen die Autoren auf Konflikte zwischen Beruf und Familie. Wer erst kurzfristig weiß, wann er arbeiten muss, kann gemeinsame Aktivitäten, Betreuungspflichten oder Erholungszeiten schlechter koordinieren. Belastungen aus dem Arbeitsleben könnten dadurch in die Partnerschaft hineinwirken. Diesen Mechanismus hat die Studie allerdings nicht direkt getestet.
Auch einen ursächlichen Nachweis liefert die Un