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Zweifel wegen des KI-Booms: SAP-Aktie tief im Minus
Der Softwareriese SAP gilt als eines der wenigen deutschen Tech-Unternehmen mit überregionaler Bedeutung. Aber der KI-Hype setzt der gesamten Branche zu und sorgt für viel Volatilität. Was kann Künstliche Intelligenz wirklich?
SAP-Aktien stehen zur Wochenmitte am DAX-Ende und verlieren in der Spitze etwas über vier Prozent. Anleger nehmen Gewinne mit, nachdem die Aktie zuletzt gut gelaufen war. Den Leitindex hatte das gestützt, denn das Papier des Walldorfer Softwarekonzerns liegt hinter Siemens mit einer Indexgewichtung von rund 10,6 Prozent an zweiter Stelle.
Unmittelbarer Auslöser für die heutige Schwäche war ein Analystenkommentar der UBS: Die Analysten der Schweizer Großbank haben nach einem Zwischenspurt der Aktie um fast 50 Prozent seit Juli ihr Votum von "Kaufen" auf "Neutral" zurückgesetzt.
UBS-Experte Michael Briest schrieb, die Bewertung sei vernünftig, die Anlegerstimmung bleibe allerdings fragil. Ein Vorgang, der an der Börse an sich völlig normal ist. Bei SAP aber ist man geneigt, genauer hinzuschauen.
Fragil ist die Stimmung der Anleger nämlich schon länger. Denn SAP, wie auch der gesamten Softwarebranche, macht der Boom rund um das Thema Künstliche Intelligenz (KI) zu schaffen.
Denn eine KI, so die Sorge der Investoren, kann womöglich direkt in die Wertschöpfung eines Softwarekonzerns eingreifen. So etwa in das Schreiben, Testen, Dokumentieren oder die Wartung von Software. Diese könnte womöglich schneller und billiger entwickelt werden - was die angestammten Geschäftsmodelle unter Druck setzen kann.
SAP-Chef Christian Klein jedenfalls spürt die Konkurrenz aus Asien oder den USA. "Sie wollen uns alle schlagen", so Klein - weshalb er bei der Entwicklung eigener KI-Agenten aufs Tempo drückt.
Denn wenn das eigene KI-Werkzeug Geschäftsprozesse nicht besser verstehe als ein KI-Agent, den man mit Anthropic - einem der großen US-KI-Unternehmen - baut, dann habe SAP ein Problem, so Klein weiter. Als KI-Agenten werden eigenständige Programme bezeichnet, die nicht nur einfache Fragen beantworten, sondern selbstständig Aufgaben erfüllen können. Für SAP bedeutet dies nach Kleins Worten eine große Transformation. Die KI-Transformation sei noch größer als die Cloud-Transformation - also die Auslagerung von Daten in großen Rechenzentren.
Einen Vorteil aber hat SAP: Die Anwendungen des Konzerns laufen auf hunderttausenden Kundenrechnern, die man einfach so schnell nicht ersetzen kann. Laut UBS-Experte Briest liefert SAP immer noch eine Kernarchitektur in Unternehmenssoftware, die Integration agentischer KI verlaufe jedoch schleppend.
Dies begrenze nicht nur die Monetarisierung, sondern erhöhe auch das Risiko, dass Unternehmen nach anderen KI-Lösungen suchen, so Briest weiter. Zudem hält er eine Verlangsamung bei den vertraglich abgesicherten Cloud-Umsätzen im zweiten Halbjahr für das wahrscheinlichste Szenario. Neben den KI-Sorgen konnte SAP zuletzt auch beim angestammten Cloud-Geschäft nicht wirklich überzeugen.