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AfD-Spitzenkandidat Siegmund: Der charismatische Verkäufer der AfD
Ulrich Siegmund will AfD-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt werden. Er punktet mit Inszenierung und einfachen Botschaften. Dabei will er charismatisch wirken - und nicht wie ein strategischer Hardliner.
Seit 2016 sitzt Ulrich Siegmund (AfD) im Landtag von Sachsen-Anhalt. Nun will der Mann, der einen vom dortigen Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuften Landesverband im Wahlkampf anführt, der erste AfD-Ministerpräsident Deutschlands werden.
Die Umfragen sehen seine Partei in dem Bundesland weit vorn. Er ist das klare Gegenmodell zum amtierenden CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze: Während dieser sich gern bodenständig gibt, tritt Siegmund als perfekt inszenierter Verkäufer auf. In Interviews sitzt jede Formulierung, sein Stil ist präzise, seine Botschaften sind wiederholt und eingängig.
In der letzten ARD-Umfrage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD deutlich vorn.
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Siegmunds Heimat ist Tangermünde, eine Kleinstadt an der Elbe im Norden Sachsen-Anhalts. Diese ländlich geprägte Region in der Altmark ist für ihn politisches Programm: Er beschreibt in einem Interview mit dem mdr Sachsen-Anhalt die Kleinstadt als "heile Welt", in der man sich helfe und zusammenstehe. Genau so, sagt er, solle es bald überall im Land aussehen. Seine Kindheit schildert er als behütet und voller Freiheit, so sagt er, "eine Zeit, in der man abends noch unbeschwert auf den Straßen spielen konnte", lässt er sich in Interviews zitieren. Er präsentiert seinen Wählern einen Verlust an Sicherheit, die er zurückholen will.
Wie er diesen Zustand wiederherstellen will, verrät das Programm seiner Partei. Die AfD Sachsen-Anhalt fordert darin unter anderem eine" unverkrampfte" und "auf gesunde Weise selbstbewusste deutsche Identität" und schreibt wörtlich, die "Einleitung einer Abschiebe- und Remigrationsoffensive" sei "zwingend notwendig", dafür sind allein 100 Millionen Euro im eigenen Alternativhaushalt vorgesehen.
Zwei Migrationsrechtler der Universität Halle-Wittenberg kommen in einer Einordnung des Programms auf dem Fachportal Verfassungsblog zu dem Schluss, dass zentrale Vorhaben rechtswidrig wären, darunter die geplante Abschiebehaft in regulären Gefängnissen, die angestrebten Rückführungsabkommen mit anderen Staaten, die durch das Lindauer Abkommen untersagt sind, sowie die vorgesehenen Leistungskürzungen für Asylbewerber, die Gerichte schon jetzt als verfassungswidrig einstufen.
Familie wird bei Siegmund großgeschrieben, auch politisch: Sein älterer Bruder sitzt parteilos im Tangermünder Stadtrat, der Vater arbeitet heute für einen AfD-Bundestagsabgeordneten. Letzteres unter medialem Aufsehen, als Teil der sogenannten Vetternwirtschaftsaffäre der AfD.
Siegmunds Weg in die Politik verlief nicht über die klassischen Parteikader, sondern über die Wirtschaft. Das Gymnasium verließ er nach der 11. Klasse mit der Fachhochschulreife. Er wollte arbeiten, "Wertschöpfung betreiben", und schloss eine verkürzte kaufmännische Ausbildung in einem Elektrogroßhandel ab. Es folgten Jahre im Außendienst quer durchs Bundesland. Später landete er in einer Berliner Augenklinik und wurde dort vom Chef bei einer Behandlung angeworben.
Neben dem Vollzeitjob ein Studium: Ein Fernstudium in BWL und Wirtschaftspsychologie. Die Bachelorarbeit schrieb er 2016, im direkten Übergang zu seinem ersten Landtagsmandat. Doch auf Wahlkampfbühnen beruft sich Siegmund heute weitaus lieber auf das "Lagerfegen" und den direkten Kundenkontakt als auf seine theoretischen Abschlüsse.