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Klimawandel beschert 560Millionen Kindern einen zusätzlichen Hitzemonat
Klimatische Schieflage: Bis zu 560 Millionen Kinder im Alter von null bis neun Jahren erleben heute mindestens 30 Hitzestresstage mehr pro Jahr, die auf den menschengemachten Klimawandel zurückgehen. Damit trifft die zusätzliche feuchte Hitze die Jüngsten stärker als jede andere Altersgruppe. Bei zwei Grad Erwärmung könnten bis zu 650 Millionen Kinder betroffen sein.
Brüssel (Belgien). Große Hitze gilt vor allem für ältere Menschen als Gesundheitsrisiko. Doch eine neue globale Analyse zeigt, dass die zusätzliche Belastung durch den menschengemachten Klimawandel besonders stark bei kleinen Kindern ankommt. Weltweit ist die Altersgruppe bis neun Jahre stärker als jede andere zusätzlichem, klimabedingtem Hitzestress ausgesetzt.
Ein internationales Team unter Leitung der Vrije Universiteit Brussel (VUB) hat dafür altersaufgelöste Bevölkerungsdaten mit Klimamodellen und Methoden der Attributionsforschung kombiniert. Erstautorin Rosa Pietroiusti und ihre Kollegen vergleichen damit die heutige Wärmebelastung mit einer hypothetischen Welt ohne den menschlichen Einfluss auf die Erwärmung. So lässt sich abschätzen, wie viele Hitzestresstage auf den Klimawandel zurückgehen.
Als Hitzestress-Tag wertet die Untersuchung einen Tag, an dem der Wet Bulb Globe Temperature Index (WBGT) im Schatten über 28 Grad Celsius liegt. Der Index dient als Maß für die Belastung durch feuchte Hitze. Ab diesem Schwellenwert werden Schutzmaßnahmen wie verringerte Aktivität oder regelmäßige Ruhepausen empfohlen, um hitzebedingte Erkrankungen zu vermeiden.
Für die Gegenwart nutzten die Forscher Bevölkerungsdaten von 2023. Ihre Modellrechnungen ergeben, dass bis zu 560 Millionen Kinder zwischen null und neun Jahren mindestens 30 zusätzliche Hitzestresstage pro Jahr erleben. Das entspricht 43 Prozent dieser Altersgruppe. Bei den 60- bis 69-Jährigen sind es 190 Millionen Menschen oder 30 Prozent, also deutlich weniger.
„Der Klimawandel setzt schon heute Hunderte Millionen Kinder weltweit gefährlicher Hitze aus und birgt ernsthafte Gesundheitsrisiken“, sagt Rosa Pietroiusti.
Besonders groß ist der Unterschied bei langer Gesamtbelastung. Ohne den menschengemachten Klimawandel wären den Modellrechnungen zufolge rund 120 Millionen Kinder, neun Prozent der Altersgruppe, an mindestens 150 Tagen pro Jahr Hitzestress ausgesetzt. Heute sind es etwa 350 Millionen oder 27 Prozent. Der Klimawandel hat die Zahl in dieser Modellbetrachtung damit fast verdreifacht.
Die größten zusätzlichen Belastungen treten in tropischen Regionen und in einkommensärmeren Ländern mit jüngerer Bevölkerung auf. Besonders viele betroffene Kinder leben in Südasien, Südostasien und Westafrika. Dort kommen starke klimabedingte Zunahmen feuchter Hitze und ein hoher Anteil junger Menschen zusammen.
Bei einer globalen Erwärmung von 1,5 Grad Celsius könnten demnach 620 Millionen Kinder oder 49 Prozent mindestens 30 zusätzliche Hitzestresstage pro Jahr erleben. Rund 390 Millionen Kinder oder 31 Prozent wären dann an mindestens 150 Tagen im Jahr Hitzestress ausgesetzt. Bei zwei Grad steigen die entsprechenden Werte auf 650 Millionen beziehungsweise 420 Millionen Kinder, also 59 und 37 Prozent.
Die Projektionen berücksichtigen neben den Klimaveränderungen auch demografische Veränderungen unter einem mittleren sozioökonomischen Entwicklungspfad. Die Zahlen beschreiben modellierte Exposition und keine Zählung tatsächlicher Erkrankungen. Zudem beziehen sich die hier berichteten Hauptwerte auf globale Klimamodelldaten. Nach Angaben der VUB enthält die Studie zusätzlich Auswertungen mit Reanalysedaten und anderen Hitzeindikatoren, die das Muster einer überproportionalen Belastung von Kindern bestätigen.