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Steinzeitlandschaft unter der heutigen Adria rekonstruiert
Unter der nördlichen Adria liegen große Flächen, die in der Steinzeit noch Festland oder küstennahes Feuchtgebiet waren. Neue Rekonstruktionen zeigen, wie sich dort zwischen 9000 und 4000 vor Christus Küstenbarrieren, Lagunen, Sümpfe und Deltas entwickelten und wieder verschwanden. Die Modelle liefern damit einen räumlichen Rahmen für mesolithische Jäger und Sammler und die spätere Ausbreitung bäuerlicher Gemeinschaften.
Triest (Italien). Während des frühen Holozäns stieg der Meeresspiegel und überflutete große Teile der flachen nördlichen Adria, die heute zu den ausgedehntesten versunkenen Landflächen Europas zählt. Mit den früheren Küstenlinien verschwanden auch Landschaften unter Wasser, in denen Menschen des Mesolithikums und Neolithikums lebten und Ressourcen nutzten. Heute bleibt deshalb ein wichtiger Teil ihrer damaligen Umwelt für die Archäologie schwer zugänglich.
Für die neue Studie haben Erstautor Samuele Ongaro von der University of Southampton und seine Kollegen veröffentlichte Daten aus Sedimentkernen mit bislang unveröffentlichten hochauflösenden geophysikalischen Messdaten kombiniert. Ein Teil dieser Messungen stammt vom Istituto Nazionale di Oceanografia e di Geofisica Sperimentale (OGS), das an der Untersuchung beteiligt war. Aus den geologischen Schichten und Untergrundprofilen identifizierte das Team verschiedene Ablagerungsräume und erstellte Überflutungsmodelle für die Zeit zwischen 9000 und 4000 vor Christus.
Die Rekonstruktionen zeigen, dass die Küstenlandschaft keineswegs gleichmäßig und kontinuierlich im Meer verschwand. In Phasen mit langsamem oder zeitweise nahezu stagnierendem Meeresspiegelanstieg bildeten sich wiederholt Küstenbarrieren und dahinter liegende Feuchtgebiete, während zugleich Lagunen, Sümpfe und Deltas entstanden. Diese Landschaftselemente konnten über längere Zeit bestehen, bevor sich die Bedingungen erneut änderten.
Auf solche vergleichsweise stabilen Abschnitte folgten Phasen stärkerer Überflutung, in denen zuvor entstandene Küstenkomplexe rasch unter Wasser gerieten. Dadurch entstanden mehrere Generationen von Barrieren und rückwärtigen Feuchtgebieten, deren Lage und Ausdehnung sich im Verlauf der Jahrtausende deutlich verschoben. Die Modelle verbinden diese Formen mit ihrer zeitlichen Entwicklung und machen sichtbar, wann bestimmte Küstenräume bestanden oder wieder verschwanden.
Für das Mesolithikum sind besonders die damaligen Küstenfeuchtgebiete wichtig, weil sie unterschiedliche Ressourcen auf engem Raum geboten haben dürften. Lagunen, Sümpfe und Deltabereiche könnten deshalb attraktive Aufenthaltsräume für Jäger und Sammler gewesen sein. Gleichzeitig mussten sich diese Gemeinschaften mit einer Küste arrangieren, deren Verlauf und nutzbare Flächen sich durch den steigenden Meeresspiegel fortlaufend veränderten.
Die Rekonstruktionen weisen allerdings keine konkreten Siedlungsplätze nach und belegen auch nicht, wie einzelne Gruppen auf diese Veränderungen reagierten. Sie liefern vielmehr den landschaftlichen Rahmen, in dem bekannte archäologische Funde eingeordnet und künftige Untersuchungsgebiete unter Wasser gezielter bewertet werden können. Das ist für die nördliche Adria besonders wichtig, weil die heute überfluteten Flächen einen erheblichen Teil des damals verfügbaren Tieflands ausmachten.
Auch die Ausbreitung bäuerlicher Gemeinschaften im Neolithikum fiel in eine Phase tiefgreifender Veränderungen der nördlichen Adriaküste. Während sich Landwirtschaft in der Region verbreitete, verschoben sich Küstenlinien, Lagunen und Feuchtgebiete weiter und veränderten damit die verfügbaren Landschaftsräume. Die Forscher ordnen den Übergang zur bäuerlichen Lebensweise deshalb in eine Umwelt ein, die weder räumlich noch ökologisch konstant war.
Die Modelle liefern damit keine einfache Erklärung dafür, wie und auf welchen Wegen sich Landwirtschaft in der Region ausbreitete. Sie zeigen aber, welche Umweltbedingungen bei der Interpretation von Wanderungen, Ressourcennutzung und mö