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Klimawandel verschiebt das Malaria-Risiko in Afrika
Verschobene Gefahr: Der menschengemachte Klimawandel hat das Malaria-Risiko für Kinder in Afrika bisher nur gering verändert, aber regional in entgegengesetzte Richtungen. Ein neues Attributionsmodell deutet auf mehr Malaria in Ost- und Südafrika und weniger in Westafrika. Künftige Erwärmung könnte diese Verlagerung weiter verstärken.
Berkeley (U.S.A.). Malaria reagiert empfindlich auf Temperatur. In den analysierten Daten erreicht die Prävalenz von Plasmodium falciparum bei Kindern ihr Maximum bei knapp 25 Grad Celsius. Deutlich kühlere oder heißere Bedingungen sind mit geringerer Prävalenz verbunden. Deshalb kann Erwärmung in kühlen Gebieten neue Risiken schaffen und sehr heiße Regionen zugleich weniger geeignet machen.
Forscher der Yale School of Public Health (YSPH) um Colin J. Carlson haben nun untersucht, wie stark dieser gegenläufige Temperatureffekt die Malaria-Verbreitung bei afrikanischen Kindern bereits verändert hat. Dafür verband das Team mehr als 50.000 Erhebungen aus den Jahren 1900 bis 2016 mit Klimadaten und einem Attributionsmodell. Dieses vergleicht die beobachtete Klimaentwicklung mit einer hypothetischen Welt ohne menschlichen Einfluss auf das Klima.
Für den Zeitraum 2010 bis 2014 ergibt das Modell im Mittel über Afrika nur einen kleinen Nettoeffekt. Der geschätzte menschengemachte Klimabeitrag entspricht etwa einem zusätzlichen Malariafall pro 1.000 Kinder. Das Unsicherheitsintervall reicht allerdings von vier vermiedenen bis sechs zusätzlichen Fällen pro 1.000 Kinder. Ein eindeutiger kontinentaler Anstieg lässt sich daraus nicht ableiten.
Regional fällt das Bild klarer aus. Für Ostafrika errechnet das Team eine Wahrscheinlichkeit von 84 Prozent, dass der Klimawandel die Malaria-Prävalenz erhöht hat, für das südliche Afrika sind es 91 Prozent. In den höher gelegenen Gebieten Ostafrikas steigt diese Wahrscheinlichkeit auf 94 Prozent. Für Westafrika spricht das Modell dagegen mit 96 Prozent Wahrscheinlichkeit für eine Abnahme.
„Unsere Studie zeigt, dass der Einfluss des Klimawandels auf das Malaria-Risiko im Kindesalter in Afrika nicht einheitlich ist und unterstreicht damit die Schwierigkeit und Komplexität von Anpassung und Gesundheitsplanung auf dem gesamten Kontinent“, sagt Romaric C. Odoulami von der University of Cape Town (UCT).
Die Projektionen bis 2100 setzen dieses Muster fort, allerdings mit großen regionalen Unterschieden. In West- und Teilen Zentralafrikas könnten steigende Temperaturen viele heute stark belastete Gebiete zunehmend über das thermische Optimum der Übertragung hinaus erwärmen. In Ost- und Südafrika könnten dagegen bislang kühlere Regionen zunächst geeigneter für die Übertragung werden.
Im kontinentalen Mittel könnte die Zahl der Fälle deshalb selbst bei starker Erwärmung sinken. Unter einem hohen Emissionspfad projiziert das Modell bis zum Ende des Jahrhunderts bis zu rund 20 vermiedene Fälle pro 1.000 Kinder gegenüber dem Zeitraum 2015 bis 2020. Dieser Durchschnitt verdeckt jedoch neue regionale Hotspots, in denen die Prävalenz um fünf Prozentpunkte oder mehr steigen könnte.
„Der Klimawandel macht Malaria nicht einfach schlimmer oder besser, er verlagert sie. Ob ein Ort unter dem Klimawandel ein höheres Malaria-Risiko oder eine geringere Belastung erlebt, hängt davon ab, wie heiß es dort heute ist. Wir sehen Entlastung in den derzeitigen Hotspots und neue Risiken fast überall sonst“, sagt Tamma Carleton von der University of California, Berkeley (UC Berkeley).
Wie groß die künftigen Verschiebungen ausfallen, hängt auch von den Emissionen ab. Würde die Erwärmung unter zwei Grad Celsius gehalten statt auf etwa drei Grad bis 2100 zu steigen, könnten im südlichen Afrika und in den höher gelegenen Teilen Ostafrikas jeweils ungefähr fünf zusätzliche Fälle pro 1.000 Kinder vermieden werden. Die Unsicherheit dieser Projektion ist jedoch groß.