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150.000 US-Dollar pro Song: Sony und Warner verklagen Anthropic wegen KI-Training
Sony Music Publishing und Warner Chappell Music haben Anthropic vor einem Bundesgericht in Nordkalifornien verklagt. Die Musikverlage werfen dem KI-Unternehmen vor, urheberrechtlich geschützte Werke illegal über Torrents, Scraping und Downloads für die Entwicklung und den Betrieb der Claude-Modelle beschafft zu haben.
Die Klage richtet sich laut einem Bericht von Digital Trends zugleich gegen die Mitgründer Dario Amodei und Benjamin Mann. Darin sprechen die beiden Musikgrößen von einer „dreisten Kampagne“, bei der Anthropic und seine Gründer massenhaft geschützte Inhalte illegal heruntergeladen hätten, um das KI-Modell Claude zu trainieren und damit hohe Gewinne zu erzielen. Nach Darstellung von Sony und Warner habe Anthropic „Abertausende“ urheberrechtlich geschützte Songs gesammelt, darunter beispielsweise „Eye of the Tiger“ von Survivor, Marvin Gayes „Ain't No Mountain High Enough“, Mariah Careys „All I Want for Christmas is You“ und Taylor Swifts „Paper Rings“.
Bei der Beschaffung der Inhalte soll sich Anthropic laut Klage unter anderem auf die digitalen Schattenbibliotheken Library Genesis und Pirate Library Mirror gestützt haben. Dabei seien auch Bücher heruntergeladen worden, die Liedtexte und Noten von Hunderten oder mehr geschützten Kompositionen enthielten. Darüber hinaus knüpfen die Kläger an einen früheren Rechtsstreit vom Juni 2025 an, bei dem Anthropic mehr als sieben Millionen illegal beschaffte Bücher heruntergeladen hatte, um Claude zu trainieren. In dem Verfahren urteilte Richter William Alsup seinerzeit, das KI-Training „transformativ“ und dadurch von den „Fair-Use“-Regeln gedeckt sei: Werden geschützte Werke für das Training eines Large Language Models (LLM) verwendet, entsteht etwas Neues. Verurteilt wird Anthropic jedoch, weil sich das Unternehmen urheberrechtlich geschützte Werke aus illegalen Quellen beschafft und diese behalten hat. Copyright-Piraterie ist durch Fair Use nicht abgedeckt.
An diesem Punkt wollen Sony Music Publishing und Warner Chappell nun ansetzen. Sie argumentieren, dass sich unter diesen Millionen Büchern auch Werke mit geschützten Liedtexten und Noten befunden hätten. Durch das mit diesen Inhalten durchgeführte Training sei Claude nun in der Lage, identische oder nahezu identische Kopien geschützter Werke in Antworten auszugeben. Darüber hinaus soll das Training mit urheberrechtlich geschützter Musik der KI ermöglichen, neue Texte zu erzeugen, die letztlich mit von Menschen geschriebenen Songs konkurrieren könnten. Damit richtet sich die Klage nicht nur gegen die mutmaßlich rechtswidrige Beschaffung des Trainingsmaterials, sondern ebenso gegen mögliche wirtschaftliche Folgen der damit entwickelten generativen KI. Aus diesem Grund fordern die Kläger ein Geschworenenverfahren sowie gesetzliche Schadenersatzzahlungen von bis zu 150.000 Dollar für jede der betroffenen Kompositionen. „Selbst die revolutionärsten Technologien müssen sich innerhalb der Grenzen des Gesetzes entwickeln und die Claude-Modelle von Anthropic bilden dabei keine Ausnahme“, erklären die Verlage hierzu.
Anthropic bestreitet die Anschuldigungen und beabsichtigt, sich vor Gericht „entschieden zu verteidigen“. Ob dies Anthropic gelingen wird, bleibt allerdings fraglich. Ähnlich hatte das Unternehmen bereits im September des vergangenen Jahres argumentiert, erklärte sich anschließend jedoch bereit, mehr als 1,5 Milliarden Dollar an Autoren zu zahlen, um eine Sammelklage im Zusammenhang mit illegal beschafften urheberrechtlich geschützten Werken beizulegen.