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Verborgene Immunzellen könnten Grippeimpfungen verbessern
Übersehene Helfer im Lungengewebe: Nach einer Grippeinfektion bleiben bestimmte, von Monozyten abstammende Immunzellen monatelang erhalten und stützen lokale Gedächtnis-T-Zellen. In Mäusen verstärkte ihr Signalprotein Galectin-1 zudem die Immunantwort eines experimentellen Nasenimpfstoffs. Der Ansatz könnte neue Wege zu stärkerem Schutz direkt in den Atemwegen eröffnen, ist aber noch präklinisch.
Rochester (U.S.A.). Eine Grippeimpfung kann schwere Krankheitsverläufe verhindern, doch die Abwehr direkt in Nase und Lunge ist schwieriger dauerhaft zu verankern. Besonders wichtig dafür sind gewebsständige Gedächtnis-T-Zellen, kurz TRM-Zellen. Sie verbleiben nach einer Infektion im Gewebe und können bei erneutem Viruskontakt rasch reagieren.
Ein Team der University of Rochester Medicine um Minsoo Kim hat nun in Mausmodellen eine bisher wenig beachtete Zellpopulation untersucht, die diese lokale Immunerinnerung stützt. Die Forscher fanden langlebige Zellen, die aus Monozyten hervorgehen und nach einer Influenza-Infektion noch monatelang in der Lunge verbleiben können.
Statt nach der akuten Abwehr wieder zu verschwinden, unterstützen diese von Monozyten abstammenden Zellen offenbar die Bildung und Erhaltung der TRM-Zellen. Damit erweitert die Arbeit das klassische Bild des Immungedächtnisses, das vor allem mit T- und B-Zellen verbunden wird. Die angeborene Immunabwehr könnte demnach länger an der Erinnerung an einen Erreger beteiligt sein als gedacht.
„Unsere Arbeit hat eine langlebige, von Monozyten abstammende Zellpopulation in der Lunge identifiziert, die die dauerhafte T-Zell-Immunität entscheidend unterstützt. Das stellt die traditionelle Vorstellung infrage, dass das Immungedächtnis nur von T- und B-Zellen getragen wird, und zeigt, dass auch Zellen des angeborenen Immunsystems langfristig mitwirken“, sagt Minsoo Kim.
Die Forscher identifizierten außerdem ein Signal, über das die Helferzellen mit den Gedächtnis-T-Zellen zusammenwirken. Sie produzieren besonders viel Galectin-1, ein Protein, das die Aktivierung und den Erhalt der gewebsständigen Gedächtnis-T-Zellen unterstützt. In einem weiteren Mausversuch setzte das Team Galectin-1 einem experimentellen Nasenimpfstoff gegen Influenza zu.
Die Immunantwort in der Lunge fiel dadurch stärker aus als ohne diesen Zusatz. Das macht Galectin-1 zu einem möglichen Adjuvans, also einem Wirkverstärker für Impfstoffe. Ob daraus tatsächlich ein besserer Schutz vor Infektion oder Übertragung entsteht, ist damit allerdings noch nicht gezeigt.
„Wir haben Galectin-1 als starkes Immunsignal identifiziert, das sich als Impfstoff-Adjuvans nutzen lässt, um die Schleimhautimmunität zu verstärken. Das ist ein völlig neuer Ansatz, um die Wirkung von Impfstoffen in den Atemwegen zu verbessern“, sagt Minsoo Kim.
Die meisten Grippeimpfstoffe werden in den Muskel gespritzt. Sie schützen wirksam vor schweren Krankheitsverläufen, erzeugen aber nicht immer ein starkes und dauerhaftes Immungedächtnis in Nase und Lunge. Nasale Impfstoffe sollen die Abwehr dagegen direkt am Eintrittsort der Viren aufbauen, ihre Wirkung ist bislang jedoch nicht immer gleich zuverlässig.
„Bestehende Nasenimpfstoffe erzeugen häufig keinen starken oder dauerhaften Schutz. Das zeigt uns, dass wir neue Strategien brauchen, die das Immungedächtnis in den Atemwegen besser aktivieren können“, sagt Minsoo Kim.