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Kehrt die Odden-Eiszunge in der Grönlandsee vor Jan Mayen zurück?
Vor Jan Mayen hat sich das Meereis in den Wintern 2023 und 2024 deutlich weiter ausgedehnt als in den Jahren zuvor. Satellitendaten zeigen dabei erneut die charakteristische Form der lange selten gewordenen Odden-Eiszunge. Die regionale Zunahme dokumentiert starke kurzfristige Schwankungen in einer Grönlandsee, deren Eisgrenze sich über das vergangene Jahrhundert insgesamt zurückgezogen hat.
Prag (Tschechien). In der Grönlandsee ist die winterliche Meereisbedeckung von Jahr zu Jahr stark veränderlich, während sich ihre Eisgrenze über das vergangene Jahrhundert insgesamt deutlich zurückgezogen hat. Mit diesem langfristigen Rückzug verschwand auch weitgehend die charakteristische Odden-Eiszunge, die sich früher wiederholt nahe dem West-Jan-Mayen-Rücken bildete. Ihre zeitweise langgestreckte Form machte sie zu einem auffälligen regionalen Muster im ansonsten stark schwankenden Wintereis.
Forscher der Czech University of Life Sciences Prague (CZU) um Furkan Yilgan haben nun untersucht, wie sich die regionale Eisfläche in jüngerer Zeit entwickelt hat. Dafür wertete das Team hochaufgelöste Radardaten des Satelliten Sentinel-1 für die Jahre 2017 bis 2024 aus und verfolgte die Ausdehnung des Meereises im Untersuchungsgebiet. Nach mehreren Jahren mit vergleichsweise wenig Eis zeigen die Daten zum Ende dieser Reihe einen deutlichen Ausschlag.
Am größten war die erfasste Meereisfläche im Januar 2024 mit 20.308,5 Quadratkilometern, was 39,5 Prozent des untersuchten Gebietes entsprach. Auch das Jahresmittel hob sich am Ende der Messreihe ab, denn 2023 erreichte es mit 2.403,6 Quadratkilometern den höchsten Wert der acht untersuchten Jahre. Zum Vergleich lag das Jahresmittel 2019 bei nur 287,6 Quadratkilometern und markierte damit den niedrigsten Wert der Reihe.
Nicht nur die größere Fläche fiel auf, sondern auch die räumliche Verteilung des Eises, die erneut an die charakteristische Odden-Eiszunge erinnerte. Die Autoren beschreiben das Muster von 2023 und 2024 deshalb als starke Annäherung an eine Struktur, die mit dem langfristigen Rückzug der Eisgrenze weitgehend verschwunden war. Aus zwei auffälligen Wintern lässt sich allerdings noch nicht ableiten, dass die Odden-Eiszunge dauerhaft zurückkehrt.
Die Forscher haben zusätzlich atmosphärische Bedingungen und die Temperatur der Meeresoberfläche untersucht, um mögliche Gründe für die ungewöhnliche Entwicklung einzugrenzen. In der Region zeigten die Oberflächentemperaturen bis 2024 eine abnehmende Tendenz, während zugleich die atmosphärischen Bedingungen von Jahr zu Jahr wechselten. Die Auswertung spricht dafür, dass mehrere Einflüsse zusammenwirken und sich der Eiszuwachs nicht mit einem einzigen Auslöser erklären lässt.
Temperatur, Wind und Eigenschaften des Oberflächenwassers können die Entstehung und Verteilung des Meereises auf unterschiedliche Weise beeinflussen und sich gegenseitig verstärken oder abschwächen. Hinzu kommt, dass Eis in der Grönlandsee sowohl lokal entstehen als auch durch die regionale Zirkulation in das Untersuchungsgebiet transportiert werden kann. Deshalb kann eine bestimmte Kombination kurzfristiger Bedingungen ein deutlich anderes Winterbild erzeugen, ohne den langfristigen Entwicklungstrend der gesamten Arktis umzukehren.
Der Befund beschreibt einen begrenzten Teil der Grönlandsee und eine Satellitenreihe von acht Jahren, weshalb er nicht als Erholung des arktischen Meereises insgesamt verstanden werden kann. Die Studie macht vielmehr sichtbar, wie stark regionale Eisbedingungen innerhalb eines langfristigen Rückzugs schwanken und zeitweise frühere räumliche Muster wieder hervorbringen können. Gerade diese regionale Dynamik erschwert es, aus wenigen ungewöhnlichen Wintern bereits einen neuen dauerhaften Trend abzuleiten.
Für die Klimaforschung ist die Region dennoch bedeutsam, weil Meereis den Wärme- und Süßwasseraustausch zwischen Ozean und Atmosphäre beeinflusst und zur Bildung dichter Wassermassen beitragen kann. Ob die Odden-Eiszunge in kommenden Wint