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Volkswagen in der Krise: Sparmaßnahmen als Befreiungsschlag
Nach den Betriebsversammlungen bei VW sollte der Aufsichtsrat zügig Sparmaßnahmen einleiten, um sich auf neue Modelle und Technologie konzentrieren zu können.
Volkswagen muss nach Ansicht der Branchenexpertin Helena Wisbert rasch handeln, um die aktuelle Krise zu überwinden. „Die Sparprogramme, die wir jetzt bei allen Autobauern sehen, sind unvermeidbar“. Für die Professorin der Ostfalia Hochschule Wolfsburg ist es umso wichtiger, die Sparmaßnahmen schnell umzusetzen, um sich wieder auf die Weiterentwicklung von neuen Modellen und Technologien zu konzentrieren. Nachdem für den chinesischen Markt alles Mögliche getan worden sei, um die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen, dürfe nicht der europäische Automobilmarkt aus dem Blick geraten.
Die deutschen Autohersteller dominieren den Wettbewerb in Europa laut Wisbert zwar noch. Ihr zufolge schwinden aber bei den Elektroautos auch hier die Marktanteile. Die Kritik des Betriebsrats und aus der Politik seien zwar nachvollziehbar, es gelte jetzt aber innerhalb der nächsten Monate eine Einigung über die weiteren Kosteneinsparungen zu erzielen. Die Zeit dränge. An vielen Volkswagen-Standorten hatte es in den vergangenen Tagen außerordentliche Betriebsversammlungen gegeben, bei denen die Belegschaft Antworten zum angekündigten verschärften Sparkurs forderte. Unter den Beschäftigten wird um Zehntausende zusätzliche Stellen und vier ganze Standorte gebangt: Konkret genannt werden dabei Emden, Zwickau, das Audi-Werk in Neckarsulm und Hannover, wo Nutzfahrzeuge gebaut werden.
Die Volkswagen-Führung betonte, dass der laufende Arbeitsplatzabbau – 50.000 Stellen bis 2030 – und die bisher erreichten Kostenreduzierungen in den Fabriken aus ihrer Sicht nicht ausreichen. Das Management um Konzernchef Oliver Blume arbeite daher an einem neuen „Zielbild 2030“. „Die Lage ist mehr als kritisch“, sagte Blume zum Auftakt in die Betriebsversammlungen. Das Unternehmen mache zwar Gewinn, verdiene aber zu wenig, um damit die Zukunft finanzieren zu können. Nach Einschätzung der Professorin für Automobilwirtschaft war es wichtig, dass der Vorstand persönlich vor Ort gesprochen hat, nachdem Informationen bis dahin nur über Dritte verbreitet worden waren. „Für die Belegschaft der gefährdeten Werke muss es aber ernüchternd gewesen sein, dass die bisher erreichten Kosteneinsparungen von 20 Prozent nicht ausreichen“, sagte Wisbert. Jetzt folge erneut eine unsichere Zeit von sechs bis zwölf Monaten, in denen nach Lösungen gesucht werde.
Die persönlichen Auftritte des Vorstands sieht Wisbert positiv. Aber der um Jobs bangenden Belegschaft zu sagen, dass alle gemeinsam anpacken müssten und es eine gemeinsame Kraftanstrengung sei, halte sie für schwierig. „Das sind eher Worte, um das Management darauf einzustimmen, Einschnitte beim Bonus hinzunehmen“, sagte die Professorin.
Bei der nach Medienberichten für Freitag (4. September) geplanten Aufsichtsratssitzung dürfte der Vorstand nach Einschätzung der Branchenexpertin einen überarbeiteten Sparplan präsentieren. Das Kontrollgremium dürfte demnach auch einzelne Sparmaßnahmen verabschieden. „Von konkreten Lösungen für einzelne Werke gehe ich aufgrund der neuen Sechs- bis Zwölf-Monatsfrist nicht aus“, sagte Wisbert.
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