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EU-Cloudverband: Broadcom greift nach Kontrolle über die KI-Zukunft in Firmen
Die geplante Ausweitung der VMware-Dominanz auf Enterprise-KI alarmiert die europäische Cloudbranche. Die Wahlfreiheit drohe weiter eingeschränkt zu werden.
Ankündigungen auf dem diesjährigen VMware-Event in Las Vegas verdeutlichen nach Einschätzung des europäischen Cloudverbandes CISPE, dass Broadcom seine bisherige Dominanz auf dem Markt für Virtualisierung gezielt auf die Steuerung von Enterprise-KI ausweiten will. In der IT-Branche setze sich die Erkenntnis durch, dass nicht diejenigen die künftige KI-Ökonomie beherrschten, die bloß die Modelle oder die Daten besitzen. Vielmehr profitierten vor allem Drahtzieher, die die Kontrolle über die Steuerungsebene von Computernetzwerken innehaben.
Der jüngste Vorstoß von Broadcom, sich genau diese Schicht mithilfe einer „VMware-KI-Fabrik“ zu sichern, stößt dem CISPE daher übel auf. Was den Kunden vordergründig als eleganter Weg zu mehr Kontrolle und Vertrauen über KI-Agenten präsentiert wird, kommt nach Auffassung des Verbandes weiter verschärften Einschränkungen der Wahlfreiheit gleich.
Diese Praktiken sind bereits Gegenstand formeller Beschwerden bei der EU-Kommission. IT-Verantwortliche in Unternehmen sollten sich laut dem Verband daher sehr genau die Frage stellen, ob sie Broadcom die Kontrolle über ihren gesamten KI-Stack anvertrauen wollen.
Die aktuelle Warnung fügt sich in einen Dauerstreit ein: Der Zusammenschluss europäischer Cloudanbieter zog bereits vor das EU-Gericht, weil die Kommission die milliardenschwere VMware-Übernahme durch Broadcom genehmigte. Die bisherige Bilanz des US-Konzerns spricht nach Ansicht von CISPE eine deutliche Sprache. Broadcom habe sein Partnernetzwerk in den meisten europäischen Ländern drastisch auf einen niedrigen einstelligen Prozentbereich zusammengestrichen. Ferner habe der Software-Anbieter erhebliche Preiserhöhungen durchgesetzt, die nach Einschätzung unabhängiger Branchenanalysten ein Vielfaches der ursprünglichen Lizenzkosten betragen würden.
Die Ausweitung dieses Geschäftsmodells auf die lokale KI-Infrastruktur verstärkt die Bedenken beim CISPE: Damit werde eine neue Klasse von Arbeitslasten in eine bestehende Abhängigkeit getrieben.
Auch beim Thema Preisgestaltung mahnt der Verband zur Vorsicht. Derzeit würden die neuen KI-Funktionen gebündelt und ohne Aufpreis in die Plattform integriert. Das dahinterstehende Muster sei aus der Branche aber bestens bekannt: Funktionen würden solange mitgeliefert, bis die Kundenbasis unumkehrbar an das System gebunden sei. Anschließend erfolge die Abrechnung. Unternehmen, die heute auf die hauseigenen KI-Tools setzen, müssen dem CISPE zufolge fest damit rechnen, dass künftig auch für ihre KI-Workloads deutliche Preissteigerungen folgten.
Ebenso wenig hält das Versprechen einer angeblich „souveränen“ Lösung aus CISPE-Sicht einer Überprüfung stand. Wahre digitale Hoheitsgewalt bemesse sich daran, wer die Kontrolle über Lizenzen, Geschäftsbedingungen und Roadmap ausübe. Weniger entscheidend sei, an welchem Standort eine Serverinfrastruktur quasi zufällig betrieben werde. Eine Plattform, deren Anbieter seine Vertragsbedingungen wiederholt einseitig umgeschrieben habe, könne nicht als verlässliches Fundament für eine europäische souveräne KI-Infrastruktur dienen.
Die Botschaft des CISPE an europäische Firmen lautet: Wer bei seiner bestehenden Infrastruktur bereits in einer Abhängigkeitsfalle sitzt, sollte zumindest neue Systeme konsequent auf souveränen europäischen Cloudplattformen aufbauen. Für den KI-Bereich gelte erst recht: Unternehmen sollten sich nicht in eine neue Abhängigkeit manövrieren. Die Risiken und enormen Kosten plötzlicher Lizenzänderungen seien den Anwendern bekannt. Diesen Fehler sollten sie bei künstlicher Intelligenz keinesfalls wiederholen.
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