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Wie Dateiformate digitale Abhängigkeiten schaffen
Italo Vignoli von der Document Foundation erklärt, warum digitale Souveränität bei Dateiformaten beginnt und ODF proprietären Formaten überlegen ist.
Wer kontrolliert unsere Dokumente – und wer entscheidet darüber, ob sie auch in zehn oder zwanzig Jahren noch lesbar, bearbeitbar und unabhängig von einem einzelnen Anbieter nutzbar sind? Für Italo Vignoli von der Document Foundation ist die Antwort klar: Die Debatte um digitale Souveränität beginnt nicht bei der Wahl einer Office-Suite, sondern beim Dateiformat. Im Gespräch erklärt er, warum er DOCX, XLSX und PPTX als strategisches Lock-in betrachtet, weshalb ODF aus seiner Sicht weit mehr ist als eine technische Alternative – und warum Behörden, Unternehmen und private Nutzer ihre Dokumentstrategie grundlegend überdenken sollten.
Der TDF-Blog war lange vor allem für Nachrichten rund um LibreOffice bekannt. Warum habt ihr gerade jetzt eine Reihe über offene Formate, Standards und digitale Souveränität gestartet?
Der TDF-Blog wurde eingerichtet, um über sämtliche Aktivitäten des Projekts zu berichten – nicht nur über LibreOffice, sondern auch über das Dokumentformat ODF, die von Document Liberation entwickelten Filter für ältere Formate, die Unterstützung politischer Initiativen zugunsten von FOSS sowie groß angelegte Migrationsprojekte. Die Liste ist tatsächlich sehr lang.
Die Idee für die aktuelle Artikelserie entstand im Vorfeld des zwanzigsten Jahrestags der Verabschiedung von ODF als OASIS-Standard im Mai 2025 – als Würdigung dieses außerordentlich wichtigen Meilensteins für FOSS. Das äußerst positive Feedback auf die ersten Artikel, die von verschiedenen Medien kommentiert und aufgegriffen wurden, ermutigte uns, die Reihe fortzusetzen und zudem auf weitere Themen auszuweiten, etwa auf digitale Souveränität – die eng mit ODF verbunden ist – und proprietäre Formate.
Die Anzahl der auf den Inhalten dieser Beitragsreihe beruhenden Artikel sowie das Interesse zahlreicher Journalisten an den behandelten Themen haben uns dazu bewogen, weiterzumachen – ursprünglich hatten wir eine Reihe von etwa zwanzig Artikeln vorgesehen – und uns an Diskussionen über digitale Souveränität zu beteiligen, nicht zuletzt, weil dieses Thema zu einem gemeinsamen Anliegen geworden ist.
Warum beginnt die Debatte über freie und unabhängige Bürosoftware bei Dateiformaten und nicht bei der Wahl der Anwendung?
In einer idealen Welt gäbe es ausschließlich Open-Source-Softwarelösungen, die sowohl bei Komponenten als auch bei Dokumentformaten nur offene Standards nutzen. Leider ist die Welt, in der wir leben, alles andere als ideal. Denn seit Jahrzehnten wurde die Kontrolle über Technologie völlig unkritisch in die Hände von Big Tech gelegt – mit den Folgen, die wir alle kennen.
Zu diesen Folgen zählt genau jenes proprietäre Format, das sich als offener Standard ausgibt und uns dazu zwingt, die Diskussion bei den Formaten statt bei den Anwendungen zu beginnen. Tatsächlich verwenden selbst die meisten Open-Source-Office-Suiten – oder jene, die sich als solche bezeichnen – dieses proprietäre Format nativ. Damit vergrößern sie Microsofts Kontrolle über Dokumente, denn Microsoft definiert das Format und entscheidet somit über dessen Interoperabilität.
„Open Source“, „offenes Format“ und „offener Standard“ werden häufig gleichbedeutend verwendet. Worin liegt der Unterschied – und warum sollte er nichttechnische Nutzer interessieren?