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Metallanalysen enthüllen Botswanas Fernhandel der Eisenzeit
Metallische Spuren über Hunderte Kilometer: Archäologen haben Kupfer- und Bronzeobjekte aus drei eisenzeitlichen Siedlungen in Ostbotswana chemisch und isotopisch untersucht. Das Kupfer stammte aus zahlreichen Lagerstätten im südlichen Afrika, teils mehr als 950 Kilometer entfernt. Das Zinn der analysierten Bronzen kam dagegen, soweit zuordenbar, offenbar durchweg aus dem südafrikanischen Rooiberg.
New York (U.S.A.). Die eisenzeitlichen Siedlungen Bosutswe, Khubu la Dintša und Lose lagen am Rand der Kalahari, aber keineswegs am Rand großer Austauschsysteme. Glasperlen und Kaurischnecken belegen schon länger Verbindungen bis zum Indischen Ozean, doch der innerafrikanische Austausch von Metallen war deutlich schwerer zu rekonstruieren.
Forscher der New York University (NYU) um Jay Stephens haben deshalb die Herkunft von Kupfer und Zinn aus den drei Fundorten neu bestimmt. Sie kombinierten Spurenelementchemie mit Blei- und Zinnisotopen, die wie geologische Fingerabdrücke auf verschiedene Erzvorkommen verweisen. Neue Radiokarbondaten halfen zudem, die Metallfunde den wechselnden Siedlungsphasen zwischen dem späten ersten Jahrtausend und dem 17. Jahrhundert zuzuordnen.
Die Analysen enthüllten ein ungewöhnlich breites Muster: Das Kupfer kam unter anderem aus dem zentralafrikanischen Copperbelt und Kipushi, aus Copper Queen in Simbabwe, aus Musina, Phalaborwa und Rooiberg in Südafrika sowie aus Selebi Phikwe und Dukwe in Botswana. Einige Lieferwege reichten mehr als 950 Kilometer, einen dominanten Kupferlieferanten konnten die Forscher für die Lose-Siedlungen jedoch nicht erkennen.
Auch die zeitliche Verschiebung fällt auf. In den frühen Phasen taucht Kupfer aus Botswana nur selten auf, obwohl im Land zahlreiche vorkoloniale Kupferminen bekannt sind. Dukwe wird in den untersuchten Fundschichten erst ab der mittleren Lose-Periode nach etwa 1300 sichtbar. Das könnte darauf hindeuten, dass manche nahe gelegenen Minen zu Beginn der Handelsnetze noch gar nicht genutzt wurden, statt von Händlern bewusst gemieden zu werden.
Beim Zinn zeigt sich das Gegenbild: Alle Bronzen, deren Zinnherkunft bestimmt werden konnte, passen zur Bushveld-Gesteinsprovinz und dort nach Einschätzung des Teams fast sicher zum Rooiberg-Gebiet. Dieses Zinn wurde jedoch mit Kupfer aus ganz unterschiedlichen Lagerstätten kombiniert. Für die Forscher spricht das dafür, dass die Bronze in Bosutswe oder in unmittelbarer Nähe hergestellt wurde, statt bereits fertig legiert einzutreffen.
Auch Funde von Gussresten und die stark wechselnden Zinnanteile stützen dieses Bild. Bei den untersuchten Bosutswe-Bronzen lagen die gemessenen Zinngehalte zwischen 2,2 und 9,9 Gewichtsprozent, ältere Analysen reichen bis 15 Prozent. Dadurch konnten Schmuckstücke je nach Mischung kupferrot, lachsfarben oder gelblich erscheinen. Die Autoren deuten diese Vielfalt eher als bewusst erweitertes Farbspektrum für Schmuck und Statuszeichen denn als Versuch, Gold nachzuahmen.
Bronze erscheint in Bosutswe bereits im 13. Jahrhundert und damit ungefähr zeitgleich mit den frühesten Bronzeobjekten in Mapungubwe weiter südlich. Die Kupferquellen beider Zentren unterschieden sich jedoch deutlich: Während Mapungubwe nach den Vergleichsdaten fast ausschließlich Phalaborwa-Kupfer nutzte, bezog Bosutswe Kupfer aus vielen Richtungen. Das spricht gegen die Vorstellung, Mapungubwe habe diese Metallströme nach Botswana kontrolliert.
Die Fernkontakte begannen außerdem schon vor der Einführung von Bronze, denn Kupfer aus Selebi Phikwe, Rooiberg und dem Copperbelt gelangte bereits in früheren Phasen nach Ostbotswana. Später wurde Bronze zum wichtigsten Nichteisenmetall in Bosutswe: 22 von 32 untersuchten Objekten aus den frühen, mittleren und späten Lose-Phasen bestehen daraus.
Offen bleibt, wie die Handelsketten konkret organisiert waren und welche Waren im Gegenzug nach Norden gelangten. Für spätere Perioden halten die Autoren Salz für einen wichtigen Tauschwert, doch das bleibt eine begründete Hypothese