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Wie groß waren Häfen in der Antike wirklich?
Unterschätzte Hafenräume: Die untersuchten antiken Häfen umfassten mehr nutzbare Wasserflächen, als ihre sichtbaren Kais, Molen und Becken vermuten lassen. Eine neue archäologische Untersuchung zeigt, dass Buchten, offene Küsten und weitere Ankerzonen außerhalb der gebauten Anlagen entscheidend zur Kapazität beitrugen. Das verändert, wie Archäologen antike Handelsplätze vergleichen und ihre wirtschaftliche Rolle einschätzen.
Haifa (Israel). Wer einen antiken Hafen nur an Kais, Molen und steinernen Becken misst, sieht womöglich nur einen Teil seiner tatsächlichen Arbeitsfläche. Schiffe lagen auch in geschützten Buchten, vor offenen Küstenabschnitten oder in tieferem Wasser außerhalb der gebauten Anlagen, wo sie ankern oder an Land gezogen werden konnten. Solche Wasserflächen blieben bei früheren Vergleichen der Hafenkapazität häufig außen vor.
Das kann die Einschätzung eines Hafens erheblich verschieben, denn sichtbare Mauern verraten nicht automatisch, wie viele Schiffe dort tatsächlich Platz fanden. Ein früherer Vergleichsansatz stützte sich beispielsweise auf erhaltene Strukturen oder die Größe des Hafenbeckens. Die neue Untersuchung setzt dagegen beim gesamten Hafensystem an und nimmt auch die Flächen jenseits der Molen in den Blick.
Forscher der University of Haifa um Emmanuel Nantet haben dafür im Projekt Ships Harbouring In Ports (SHIPs) einen standardisierten Ansatz für unterschiedliche Hafenlandschaften entwickelt. Die Untersuchung verbindet Befunde aus überfluteten, versandeten, maritimen und lakustrischen Umgebungen, damit sich sehr verschiedene Häfen nach denselben Grundgrößen vergleichen lassen. Dabei verstehen die Autoren Hafenbecken, Buchten und zusätzliche Ankerplätze als Teile eines zusammenhängenden Systems.
Der Ansatz folgt vier Analyseachsen, die verschiedene Seiten des Hafenbetriebs erfassen. Für Anlegepraktiken kombiniert das Team archäologische Funde wie erhaltene Taue, Festmachringe und Poller mit historischen Fotografien griechischer Segelschiffe aus dem späten 19. Jahrhundert. Dadurch lassen sich mögliche Anlegeanordnungen rekonstruieren und Eigenschaften der Hafenanlagen besser beurteilen.
Eine zweite Achse betrifft Tiefgang und Wassertiefe, die darüber entscheiden, welche Schiffe bestimmte Bereiche überhaupt nutzen konnten. Sedimentkerne helfen dabei, frühere Hafenböden und die einstige Wassersäule zu rekonstruieren, während Veränderungen durch Versandung oder Ausbaggerung mitbedacht werden. So können die rekonstruierten Wassertiefen mit dem Tiefgang zeitgenössischer Handelsschiffe verglichen werden.
Außerdem vermessen die Forscher Form und Ausdehnung von Becken und Buchten sowie die Wasserflächen selbst. Lidar liefert großräumige Oberflächendaten, kann aber keine verborgenen Strukturen im Untergrund erkennen. Für vollständig überflutete Bereiche nutzt das Team unter anderem Side-Scan-Sonar, Sub-Bottom-Profiler und Magnetometer, um Schiffsreste und Fundstreuungen aufzuspüren. Bei Port-Vendres ließ sich so die genaue Lage des Wracks Port-Vendres 5 bestimmen, dessen Erhaltung sich als schlecht erwies.
Die Fallstudien zeigen, warum dieser breitere Blick die bisherigen Kapazitätsschätzungen verändert. In Caesarea reicht das rekonstruierte Hafensystem deutlich über das herodianische Becken hinaus und vergrößert damit die geschätzte nutzbare Kapazität. In Port-Vendres weist die Verteilung von Wracks auf eine dichte Ankerzone außerhalb des eigentlichen Hafens hin.
Terracina macht zugleich deutlich, dass Hafenlandschaften nicht statisch waren, weil Sedimentation die nutzbaren Ankerzonen im Laufe der Zeit verschob. Eine heutige Küstenlinie oder ein erhaltenes Steinbecken kann deshalb nur einen bestimmten Zustand einer längerfristig veränderten Hafenlandschaft zeigen. Am See Genezareth wiederum legen schwankende Wasserstände Anlagen frei, die Schätzungen der tatsächlich nutzbaren Hafenfläche ergänzen.
Bei Tiberias hat das Team 2025 außerdem einen byzantinischen Landungssteg untersucht. Die Ausgrabung