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Prime Video: KI passt Lippenbewegungen an die Synchronfassung an
Prime Video lässt die Lippen von Schauspielern per KI an die Synchronfassung anpassen. Den Anfang macht die deutsche Serie „Maxton Hall“ auf Englisch.
Prime Video passt die Lippenbewegungen von Schauspielern per KI an die Synchronfassung an. Zuerst wird das in der deutschen Serie „Maxton Hall“ umgesetzt, teilte Amazon am Mittwoch mit. Demnach ist die englische Synchronfassung der ersten beiden Staffeln weltweit mit angepassten Mundbewegungen abrufbar. Zum Auftakt der dritten und letzten Staffel am 9. Dezember soll die Funktion ebenfalls bereitstehen. Die Tonspur selbst stammt weiterhin von menschlichen Sprechern, verändert wird ausschließlich das Bild.
Amazon spricht von „visual dubbing“ und kombiniert dafür KI mit klassischen VFX-Verfahren. Solche Systeme rechnen die Lippen- und Gesichtsbewegungen der Darsteller so um, dass sie zu den Lauten der fremdsprachigen Tonspur passen. Bisher betrifft die Funktion nur die englische Tonspur.
„Für Kreative machen wir es einfacher, dass ihre Geschichten ein noch breiteres, globales Publikum erreichen – alles unter kreativer Aufsicht, damit die Integrität ihrer künstlerischen Vision gewahrt bleibt“, sagt Raf Soltanovich, Vizepräsident für Technologie bei Prime Video und Amazon MGM Studios.
Amazon experimentiert schon länger mit KI-Funktionen in der Vertonung von Filmen und Serien. Anfang 2025 begann bei Prime Video ein Pilotprogramm mit KI-Synchronstimmen, das lizenzierte Filme und Serien umfasst, die andernfalls keine Synchronfassung erhalten hätten. Die neue Lippensynchronisation ersetzt dagegen keine Sprecher: Sie setzt eine von Menschen eingesprochene Tonspur voraus. Weitere Titel sollen folgen, konkrete nennt Amazon nicht.
Reibungslos lief das bisher nicht immer. Im Juli nahm Amazon den Thriller „Deadly Patient – Tödlicher Patient“ wegen einer missratenen KI-Synchronfassung aus dem Angebot, nachdem sich Nutzer tagelang über monotone Computerstimmen und schiefe Übersetzungen lustig gemacht hatten. Die Tonspur sei nicht im Auftrag von Prime Video entstanden, erklärte das Unternehmen damals.
In der deutschen Synchronbranche ist das Thema ohnehin aufgeladen. Seit Januar weigern sich zahlreiche Sprecher, für Netflix zu arbeiten. Der Streamingdienst will sich per Vertragsklausel das Recht sichern, Synchronaufnahmen für das Training von KI-Systemen zu nutzen. Der Sprecherverband VDS ruft deshalb zum Streik auf, während die Schauspielergewerkschaft BFFS den Boykott kritisiert.
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