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Frühmenschen: Südwestchina war ein „Zentrum“ der Denisovaner
Fossilien aus der Bianfu-Höhle in Südwestchina belegen Denisovaner dort vor etwa 167.000 bis 134.000 Jahren. Eine der längsten Kulturfolgen, die sich dieser Menschengruppe plausibel zuordnen lässt, reicht von rund 190.000 bis 70.000 Jahren zurück und zeigt Jagd auf größere Tiere, einfache Steintechnik sowie eine intensive Nutzung von Knochen.
Beijing (China). Von den Denisovanern sind bisher nur wenige fossile Reste bekannt. Nachweise reichen von Sibirien über das tibetische Hochland bis nach Südostasien, wo ein rund 150.000 Jahre alter Zahn aus Laos bereits auf ihre weite Verbreitung hinwies. Die Bianfu-Höhle in der chinesischen Provinz Yunnan schließt nun eine wichtige Lücke zwischen diesen Fundregionen.
Besonders aufschlussreich ist die Verbindung mehrerer Belegarten. In den Schichten liegen Homininenfossilien, Steinwerkzeuge, Tierknochen und Pollen so eng zusammen, dass sich nicht nur die Anwesenheit der Frühmenschen, sondern auch ihre Umwelt und ihr Umgang mit Beute rekonstruieren lassen.
Forscher des Institute of Tibetan Plateau Research (ITP) der Chinese Academy of Sciences (CAS) um Hao Li haben die Funde gemeinsam mit zahlreichen Partnern untersucht. Vier Zähne, zwei Schädelfragmente und ein Teil einer Speiche stammen aus der Höhle. Proteomanalysen bestätigten für zwei Zähne, die beiden Scheitelbeinfragmente und die Speiche die Zugehörigkeit zu Denisovanern.
Die sicher zugeordneten Fossilien liegen in Schichten aus der Zeit vor etwa 167.000 bis 134.000 Jahren. Damit stammen Denisovaner-Reste aus mehr als einer Fundschicht, was gegen einen einzelnen zufälligen Eintrag in die Höhle spricht. Der Teil der Speiche ist zudem der erste sicher identifizierte Denisovaner-Fund dieses Unterarmknochens.
„Das ist nicht nur ein vereinzeltes Fossil“, sagt Qiaomei Fu vom Institute of Vertebrate Paleontology and Paleoanthropology (IVPP) der CAS.
Die archäologische Abfolge der Bianfu-Höhle reicht deutlich weiter als die sicher bestimmten Denisovaner-Fossilien. Ihre Kulturschichten decken ungefähr die Zeit von 190.000 bis 70.000 Jahren ab. Die Autoren ordnen diese lange Folge den Denisovanern am plausibelsten zu, doch nicht jede einzelne Schicht ist durch molekular bestimmte Menschenreste abgesichert.
Pollen und Tierfossilien zeigen für große Teile dieser Zeit einen von Nadelbäumen geprägten Wald oder eine Waldsteppe. In dieser Umgebung konzentrierten sich die Höhlenbewohner auf mittelgroße bis große Beutetiere. Die Verbindung aus Tierknochen und Werkzeugspuren spricht dafür, dass erlegte Tiere in der Höhle zerlegt und ihre verwertbaren Bestandteile systematisch genutzt wurden.
Die 1.366 Steinartefakte der Fundstelle zeigen keine aufwendige Serienproduktion stark standardisierter Geräte. Stattdessen schlugen die Höhlenbewohner Kerne offenbar nach Bedarf ab und nutzten geeignete Stücke rasch weiter. Daneben verwendeten sie Knochen in großer Zahl auch ohne intensive Formgebung.
Für die Autoren spricht dieses Muster für eine flexible Strategie, bei der die unmittelbar verfügbaren Eigenschaften eines Materials wichtiger waren als eine arbeitsintensive Werkzeugherstellung. Die vergleichsweise einfache Steintechnik ging dabei mit einer spezialisierten Jagd auf mittelgroße bis große Tiere einher.