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Warum verschweigen Menschen ihre Erfolge, wenn andere gerade scheitern?
Wer einem Menschen von einem Misserfolg erzählt, hört besonders häufig einen ähnlichen Rückschlag zurück, der als Zeichen von Anteilnahme dienen kann. Eigene Erfolge werden dagegen oft zurückgehalten, wenn das Gegenüber gerade gescheitert ist und gute Nachrichten zusätzlichen Schmerz auslösen könnten. Neun Studien mit insgesamt 8.229 Teilnehmern deuten darauf hin, dass diese Asymmetrie vor allem der Rücksicht auf die Gefühle des anderen dient.
London (England). Gespräche über Erfolge und Rückschläge sind selten einseitig. Sobald eine Person von einer Beförderung, einer Absage oder einem anderen Ergebnis berichtet, entscheidet ihr Gegenüber nicht nur, wie es reagiert, sondern auch, ob es eine eigene vergleichbare Erfahrung preisgibt.
Frühere Ansätze erklären solche Entscheidungen oft über Selbstdarstellung oder einfache Gegenseitigkeit, während die neue Untersuchung den Blick auf die zweite Person im Gespräch richtet und darauf, wie stark deren eigene Mitteilung davon abhängt, was sie unmittelbar zuvor gehört hat.
Forscher der City St George’s, University of London um Prof. Irene Scopelliti haben dazu neun Studien mit insgesamt 8.229 Teilnehmern durchgeführt und ausgewertet. Sie kombinierten sieben vorab registrierte Experimente mit 2.216 frei formulierten Antworten und 473 Gesprächspaaren, die tatsächlich miteinander kommunizierten. Die Szenarien reichten von Gesundheitstests über Bewerbungen bis zu finanziellen Ergebnissen.
Über die Versuchsreihe hinweg teilten Menschen eigene Ergebnisse besonders häufig dann mit, wenn diese zum Ergebnis des Gegenübers passten, doch die Gegenseitigkeit war nicht symmetrisch. Ein eigener Misserfolg wurde nach einem fremden Misserfolg deutlich bereitwilliger offengelegt als ein eigener Erfolg nach dem Erfolg des anderen.
„Wenn jemand Ihnen erzählt, dass er zu kämpfen hatte, greifen Sie auf Ihre eigenen Schwierigkeiten zurück, nicht um zu konkurrieren, sondern um zu trösten. Wenn es bei Ihnen gut lief, bei der anderen Person aber nicht, sagen Sie oft lieber nichts, als zu riskieren, dass sie sich noch schlechter fühlt“, erklärt Prof. Irene Scopelliti.
Besonders deutlich wird die Zurückhaltung bei einem eigenen Erfolg nach einer Niederlage des Gegenübers. In einer vorab registrierten Studie mit frei formulierten Antworten nannten 34,0 Prozent ihren Erfolg, nachdem die andere Person von einem Misserfolg berichtet hatte, während der entsprechende Anteil ohne vorangehende Ergebnismitteilung bei 59,0 Prozent lag. Umgekehrt nannten 85,0 Prozent einen eigenen Misserfolg nach dem Misserfolg des Gegenübers, gegenüber 54,5 Prozent ohne vorherige Ergebnismitteilung.
Die Forscher prüften gezielt, ob hinter dem Muster tatsächlich die erwarteten Gefühle des Gegenübers stehen. In einem Experiment fiel die charakteristische Asymmetrie schwächer aus, wenn die Teilnehmer die andere Person wenig mochten, und in einer weiteren Studie spielte die inhaltliche Nähe der Erfahrungen eine entscheidende Rolle. Ein Rückschlag wirkte als passende Antwort vor allem dann naheliegend, wenn beide Ergebnisse aus demselben Lebensbereich stammten.
Damit passt das Muster besser zu einer auf die andere Person gerichteten Motivation als zu einer allgemeinen Vorliebe, schlechte Nachrichten zu erzählen. Zugleich zeigt die Studie, dass Menschen nicht nur entscheiden, ob sie etwas preisgeben, sondern auch Ton, Umfang und Zeitpunkt ihrer Antwort verändern.
„Die meiste Forschung konzentriert sich auf die Person, die ein Ergebnis zuerst mitteilt. Den Fokus auf die Person zu verschieben, die darauf reagiert, ist jedoch faszinierend, weil die Entscheidung, unsere eigenen Geschichten zu teilen oder zu verbergen, einen besonders aussagekräftigen Kontext dafür bietet, wie Menschen in alltäglicher Kommunikation mit Emotionen und Beziehungen umgehen“, sagt Emily Prinsloo von der Rice University.