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Selbstkontrolle: Elefanten können ihre spontanen Impulse unterdrücken
Statt stur nach sichtbarem Futter zu greifen, fanden Asiatische Elefanten im Experiment den erfolgreichen Umweg. Drehten Forscher die Öffnung einer Box an eine neue Position, folgten die Tiere zunächst der alten Gewohnheit, passten sich dann aber rasch an. Das spricht für Impulskontrolle, wobei ein Teilversuch auch eine vorsichtigere Deutung zulässt.
New York (U.S.A.). Wer eine sichtbare Belohnung direkt vor sich hat, greift leicht zum naheliegenden Weg. Inhibitorische Kontrolle bezeichnet die Fähigkeit, einen spontanen oder eingeübten Impuls zu unterdrücken, wenn eine andere Handlung erfolgreicher ist. Bei Elefanten war bislang kaum experimentell untersucht, wie gut sie das schaffen.
Forscher des Hunter College um Sydney Hope haben diese Fähigkeit nun an 16 Asiatischen Elefanten im Alter von vier bis 60 Jahren untersucht. Die acht männlichen und acht weiblichen Tiere lebten am National Elephant Institute in Thailand. Das Team nutzte einen klassischen Umwegversuch, bei dem die Tiere an einer Barriere vorbei zu einer Futterbelohnung gelangen mussten.
Zunächst lernten die Elefanten, ihren Rüssel um eine undurchsichtige Box herum zu einer einzigen Öffnung zu führen. Anschließend ersetzten die Forscher die Box durch eine durchsichtige Variante mit kleinen Löchern an der Vorderseite. Dadurch konnten die Tiere das Futter sehen und riechen, sollten aber weiterhin den erlernten Umweg zur Öffnung nehmen.
Die Elefanten bewältigten den Umweg an der undurchsichtigen und an der transparenten Box ähnlich. Das lässt sich als gute Hemmung des direkten Griffs zum sichtbaren Futter deuten. Allerdings nennen die Autoren selbst eine zweite Möglichkeit: Die transparente Vorderseite könnte keinen ausreichend starken spontanen Greifimpuls ausgelöst haben. Dieser Teil des Versuchs allein belegt daher keine besonders starke Selbstkontrolle.
Aussagekräftiger fiel ein zweiter Test aus. Dabei blieb die Ausrichtung der Box zunächst über mehrere Versuche gleich, bevor das Team die Öffnung an eine andere Seite drehte. Direkt nach diesem Wechsel brauchten die Elefanten deutlich länger für den Umweg. Sie steuerten zunächst die zuvor erfolgreiche Position an, obwohl sie dort nun nicht mehr ans Futter kamen.
Schon in den folgenden Versuchen mit unveränderter neuer Ausrichtung verbesserte sich die Leistung wieder. Die Tiere konnten also eine gerade erst eingeübte Reaktion unterdrücken und ihr Verhalten an die veränderte Situation anpassen. Gerade dieser Wechsel liefert nach Ansicht der Autoren einen klareren Hinweis auf inhibitorische Kontrolle als der transparente Kasten allein.
„Diese Fähigkeit könnte für die sozialen Interaktionen der Elefanten oder für andere Aspekte ihrer Kognition, etwa beim Problemlösen, wichtig sein“, sagt Sydney Hope.
Im Test mit der gedrehten Box nahm die Leistung außerdem mit dem Alter ab. Ältere Elefanten brauchten länger, um auf die neue Öffnungsposition umzuschalten. Die Forscher sehen darin einen möglichen Hinweis auf altersbedingte Veränderungen der kognitiven Flexibilität. Ein Nachweis für kognitiven Abbau ist das Ergebnis aber nicht, dafür ist weitere Forschung nötig.
Auch darüber hinaus bleibt die Reichweite der Studie begrenzt. Untersucht wurde eine kleine Gruppe von 16 Tieren aus einer gehaltenen Population. Der Versuch erfasst zudem eine eng definierte Form der Verhaltenshemmung und nicht allgemein Vernunft, Geduld oder Persönlichkeit. Trotzdem zeigt er, dass Asiatische Elefanten eine zuvor erfolgreiche Handlung rasch aufgeben können, wenn sie nicht mehr zum Ziel führt.