// EUROGAMER.DE — GAMING
The Last Caretaker: 400.000 Early-Access-Spieler, null Überstunden und der Weg zur Version 1.0
Antti Ilvessuo über den Ausbau des finnischen Survival-Geheimtipps und wie sein Indie-Team ganz ohne Crunch auf den Release im Frühling 2027 zusteuert.
The Last Caretaker nähert sich der Fertigstellung. Der Survival-Titel aus Finnland verlässt im Frühling 2027 als Version 1.0 den Early Access und wird dann für PC und Xbox erhältlich sein – er ist sogar zum Start im Game Pass enthalten.
Wenn man Antti Ilvessuo trifft, begegnet man einem Finnen, der sich so betont stoisch gibt, dass es schon wieder lustig ist. Ilvessuo weiß das, übersteigert es für komödiantischen Effekt. So seien die Finnen nun mal, sagt er. Ich plauderte mit dem Entwickler, der einst mit RedLynx die Trials-Reihe zu einer Sensation machte, kurz über die diew Arbeit an The Last Caretaker und muss sagen, seither hat das Spiel in mir einen neuen Fan.
Vor der Gründung des Indie-Studios Channel 37 feierte Antti Ilvessuo mit seinem früheren Team RedLynx große Erfolge durch die physikbasierte Motorrad-Reihe Trials. Das Studio wurde 2011 von Ubisoft übernommen.
Ilvessuo schwärmte, soweit das einem Finnen möglich ist, insbesondere über die Arbeit als unabhängiger Entwickler. In seinen fünf Jahren als Indie hätten er und sein insgesamt 11-köpfiges Team noch nicht eine Überstunde machen müssen. Wie er es sagt, klingt es, als hätte er auch eine ganz andere Zeit erlebt. 2011 hatte Ubisoft sich seine Firma wegen der überaus attraktiven Trials-Marke einverleibt, woraufhin das Studio viele Sequels dazu machen durfte oder vermutlich eher musste.
Zuletzt produzierte RedLynx Mobile-Spiele und das letzte Mal, dass ich von dem Studio las, ging es um Umstrukturierungsmaßnahmen, die einen guten Teil der Belegschaft ihren Job kosten sollten.
Channel 37s The Last Caretaker auf der anderen Seite wollten bisher 400.000 Menschen kaufen. Laut Entwicklerangaben spielten diese es im Durchschnitt etwa 50 Stunden. Auch ohne Überstunden hätte man von sechs versprochenen Updates im ersten Jahr sieben geliefert. Und nein, das ist kein Zahlendreher. Sie haben einfach eines mehr rausgehauen, als sie wollten, und das merkt man dem Spiel an. Spielwelt und Feature-Umfang wuchsen drastisch an. Das geheimnisvolle Survival-Game zeigt immer mehr interessante Facetten von sich und ist mittlerweile ein richtig rundes, poliertes Erlebnis, dem nur noch die letzten Inhalte fehlen.
Falls ihr noch nicht von The Last Caretaker gehört habt: Es handelt sich um das Survival-Spiel, das Ahmet im Januar als möglichen Kandidaten für sein Spiel des Jahres ausgerufen hatte. Das Spiel schickt euch als Roboter in eine abgesoffene Postapokalypse, in der ihr Menschen heranzüchtet und sie mit Raketen in ein (hoffentlich) besseres Leben im Weltraum schießt.
Viel in diesem Spiel dreht sich darum, Energieversorgungen zu skalieren und balancieren. Dazu errichtet ihr Solar- und Windanlagen, verbindet diese mit wunderbar taktil simulierten Kabeln und bestimmt sogar die Flussrichtung der Energie oder von Treibstoffen. Weil sogar der Roboter, den man selbst spielt, natürlich mit einer inneren Batterie läuft, hängt auch ihr öfter an der Strippe. Nicht nur zum Laden, sondern auch als Not-Energieversorgung.
Das hat alles eine anfassbare Qualität, die man nicht von selbst erzeugt. Sie hat Methode, ist inhärenter Hook dieses Spiels. Nur die besten Crafting- und Überlebensspiele bekommen ihre grundlegenden Aufbaumechanismen so nachvollziehbar und plastisch hin. Das wiederum verleiht auch der Welt ein gewisses Gewicht, was im Umkehrschluss beim Weg dem Horizont entgegen unfassbar neugierig macht. Der Erkundungsfaktor ist hoch, entlohnt mit Ausblicken in die Zeit vor der Katastrophe und lässt euch hinter die Kulisse des Weltuntergangs blicken. Nicht einmal die Action kommt zu kurz, wenn ihr euch mit gecrafteten Waffen gegen biomechanische Feinde zur Wehr setzen müsst.