// SCINEXX — SPAZIO & SCIENZA
Subtile Nagelveränderung kann auf eine verborgene Krankheit hindeuten
Die normalerweise weißen Halbmonde am Nagelansatz können sich bei verschiedenen Erkrankungen rot färben. Eine neue Übersicht verbindet solche roten Lunulae mit Herz-Kreislauf-, Leber-, Blut-, Haut- und rheumatischen Leiden, zeigt aber auch klare Grenzen dieses Zeichens. Besonders aussagekräftig ist demnach, ob mehrere Nägel symmetrisch betroffen sind oder nur ein einzelner Nagel verändert ist.
Newark (U.S.A.). Fingernägel können Veränderungen des Körpers sichtbar machen, ohne für sich allein eine Diagnose zu liefern. Ein Beispiel ist die Lunula, der meist weiß erscheinende Halbmond am Nagelansatz. Sie gehört zur sichtbaren Nagelmatrix und fällt besonders an den Daumen auf. Eine Rotfärbung dieser Zone ist selten und wird als rote Lunula bezeichnet.
Solche Farbveränderungen wurden über Jahrzehnte bei sehr unterschiedlichen Erkrankungen beschrieben. Dazu gehören Herzinsuffizienz und Leberzirrhose ebenso wie rheumatoide Arthritis, Lupus, Schuppenflechte oder kreisrunder Haarausfall. Die zugrunde liegenden Befunde stammen jedoch überwiegend aus Fallberichten, Fallserien und kleineren klinischen Untersuchungen. Das macht die rote Lunula zu einem möglichen Hinweis, aber nicht zu einem verlässlichen Krankheitstest.
Forscher der Rutgers New Jersey Medical School (NJMS) um Robert A. Schwartz haben die publizierten Befunde zu roten Lunulae nun in einer Übersicht zusammengeführt. Die Literatur reicht bis 1954 zurück. Damals beschrieb Richard Terry 23 Patienten mit roten Nagelhalbmonden, von denen 14 an Herzinsuffizienz litten. Das entsprach 61 Prozent. Bei 150 offenbar gesunden jungen Frauen fand Terry dagegen keine roten Lunulae.
Spätere Arbeiten erweiterten das Bild. In einer Untersuchung von 56 Patienten mit systemischem oder kutanem Lupus hatten elf Personen rote Lunulae, entsprechend 19,6 Prozent. Bei zehn von ihnen waren alle Fingernägel betroffen. Eine Fall-Kontroll-Studie mit 190 Patienten mit verschiedenen Bindegewebserkrankungen fand rote Lunulae unter anderem bei rheumatoider Arthritis häufiger als in Kontrollgruppen. Die Autoren dieser Untersuchung betonten zugleich, dass die untersuchten Nagelzeichen insgesamt nur eine sehr geringe Sensitivität hatten.
Entscheidend ist deshalb das Muster der Verfärbung. Bei einem Zusammenhang mit einer systemischen Erkrankung treten rote Lunulae nach der Übersicht häufig an mehreren Nägeln auf, oft beidseitig und symmetrisch. Besonders deutlich können sie an den Daumen sein. Eine solche Verteilung kann für Ärzte ein Anlass sein, nach weiteren körperlichen Zeichen und möglichen Grunderkrankungen zu suchen.
Ein einzelner roter Nagelhalbmond spricht dagegen eher für eine lokale Ursache. Dazu zählen eine Infektion des Nagelbetts, eine Blutung oder ein Tumor unter dem Nagel. Auch wenn sich die Rötung über die Grenzen der Lunula hinaus auf die übrige Nagelplatte erstreckt, passt der Befund nicht unbedingt zu einer echten roten Lunula. Die Autoren empfehlen deshalb, immer den gesamten Nagel und die übrigen Nägel mit zu beurteilen.
Warum sich die Lunula überhaupt rot färbt, ist noch nicht abschließend geklärt. Als wahrscheinlich gilt eine Erweiterung kleiner Blutgefäße unter dem Nagel, durch die mehr Blut in der Region sichtbar wird. Für eine gefäßbedingte Rötung spricht, wenn sie bei Druck vorübergehend erblasst. Eine ältere histologische Untersuchung fand allerdings keine neu gebildeten Gefäße und lässt damit auch andere Erklärungen offen.
Zu diesen Möglichkeiten gehören ein gesteigerter arterieller Blutfluss oder optische Veränderungen des darüberliegenden Nagelgewebes, durch die vorhandene Gefäße stärker hervortreten. Die rote Farbe sagt deshalb nichts Eindeutiges über den Mechanismus oder eine bestimmte Erkrankung aus. Auch die aktuelle Übersicht zeigt einen 77-jährigen Mann mit roten Lunulae, der augenscheinlich gesund war.
Wenn mehrere Nägel eine neu aufgetretene rote Lunula zeigen und keine offensichtliche lokale Ursache vorliegt, kann eine ärztliche Untersuchung sinnvoll sein. Die A