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Junge Sturmtaucher tragen plötzlich deutlich mehr Plastik im Körper
Plastik im Magen ist für viele Blassfuß-Sturmtaucher nichts Neues, doch auf Lord Howe Island hat die Menge verschluckter Kunststoffteile seit 2022 abrupt zugenommen. 2025 fanden Forscher in einem Jungvogel 894 Teile, 2026 trug ein anderer 67,4 Gramm Plastik. Zugleich blieb der Anteil betroffener Jungvögel über 16 Jahre meist bei 75 bis 85 Prozent.
London (England). Plastik in den Mägen junger Blassfuß-Sturmtaucher ist auf der abgelegenen Lord Howe Island seit Jahren ein bekanntes Problem. Entscheidend ist jedoch nicht nur, wie viele Vögel überhaupt Kunststoff verschlucken, denn neue Langzeitdaten zeigen, dass vor allem die am stärksten belasteten Jungvögel in den vergangenen Jahren deutlich größere Mengen in sich tragen.
Forscher des Natural History Museum um Jennifer L. Lavers haben Daten aus den Jahren 2010 bis 2026 ausgewertet, wobei Lavers in der Fachpublikation als Corresponding Author ausgewiesen ist. Das Team untersuchte auf Lord Howe Island lebende Jungvögel per Magenspülung und nahm zusätzlich gestrandete, frisch verendete Tiere bei Sektionen auf. Für die Trendanalyse betrachteten die Wissenschaftler in jeder Saison die zehn am stärksten mit Plastik belasteten Jungvögel.
Über viele Jahre schwankten die Extremwerte stark, wobei ein 2011 untersuchter Jungvogel 276 Plastikteile mit 64,10 Gramm enthielt. 2023 stieg der Rekord bei der Stückzahl auf 403, 2024 auf 407 und 2025 auf 894 Teile. 2026 lag die höchste Stückzahl bei 644, dafür erreichte die Masse mit 67,4 Gramm einen neuen Höchstwert.
Die höchste Stückzahl und die höchste Masse stammen damit nicht vom selben Tier oder Jahr, während auch Flaschendeckel und Kunststoffgranulat, sogenannte Nurdles, unter den stark belasteten Tieren zunahmen, besonders von 2024 bis 2026. Die Ursache einzelner Spitzen bleibt nach Angaben der Autoren unklar.
Besonders deutlich zeigt sich der Wert der langen Datenreihe bei der Statistik. Je nachdem, welche drei Jahre man herausgriff, ergaben die Modelle einen Anstieg, einen Rückgang oder gar keinen signifikanten Trend. Bei Zehnjahresfenstern verschwanden dagegen die scheinbaren Abnahmen, und alle Fenster mit Mittelpunkt 2018 oder später zeigten eine signifikante Zunahme.
Das ist wichtig, weil die reine Häufigkeit ein deutlich ruhigeres Bild vermittelt. Der Anteil der untersuchten Jungvögel mit verschlucktem Plastik lag über den gesamten Zeitraum typischerweise bei 75 bis 85 Prozent. Wer nur diese Kennzahl verfolgt, könnte deshalb übersehen, wie stark die Plastikmenge bei den am stärksten betroffenen Tieren gewachsen ist.
Die Auswertung hat aber klare Grenzen, denn sie konzentriert sich bewusst auf die zehn extremsten Fälle jeder Saison und beschreibt damit nicht den Durchschnitt der gesamten Population. Im Pandemiejahr 2020 standen nur zwei Vögel zur Verfügung, und zudem erfasst eine Magenspülung bei sehr stark belasteten lebenden Tieren laut Methodenteil nur einen Teil der vorhandenen Kunststoffteile.
Gerade dieser Gegensatz ist die zentrale Botschaft: Nicht unbedingt mehr Jungvögel verschlucken Plastik, aber die schlimmsten Fälle werden extremer. Die Studie zeigt damit auch, warum langfristige Beobachtungen und mehrere Kennzahlen nötig sind, um Veränderungen der Meeresverschmutzung zu erkennen. Ein einzelnes gutes oder schlechtes Jahr kann den Trend leicht verdecken.
Für den Schutz der Vögel ist zugleich entscheidend, dass die Studie keine direkte Ursache für die abrupten Spitzen nachweist. Sie dokumentiert eine starke Zunahme der aufgenommenen Menge, nicht aber, welcher Eintragspfad einzelne Rekordjahre ausgelöst hat. Flaschendeckel und Nurdles liefern jedoch konkrete Hinweise darauf, welche Abfalltypen in den Mägen der Jungvögel zunehmend sichtbar werden.