// HEISE ONLINE — MODA & SOCIETÀ
Das deutsche „Star Trek“: 60 Jahre „Raumpatrouille Orion“
Am 17. September 1966 startete die erste deutsche Science-Fiction-Serie. „Raumpatrouille Orion“ hat nur sieben Folgen, ist in Schwarz-weiß – und wird doch Kult.
Vor 60 Jahren: Nur eine Woche nach der ersten Folge von „Raumschiff Enterprise“ antwortet die ARD mit „Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion“. Das ist freilich ein Zufall. Nach dem Start des Sputnik (1957) und dem ersten bemannten Flug ins All durch Juri Gagarin (1961) liegt das Thema buchstäblich in der Luft.
Erstaunlich sind jedoch die vielen Gemeinsamkeiten der beiden voneinander unabhängig erdachten Produktionen. Beide Serien sind teuer – bei „Orion“ so teuer, dass die Bavaria einen Co-Produzenten sucht und ihn im französischen Gegenstück der ARD findet. Für „Commando Spatial“ werden einige Szenen mit französischen Darstellern wiederholt.
Beide Serien heißen nach einem Raumschiff. Mittelpunkt beider Serien ist eine großzügige runde Brücke. Besonders rund: Der putzige Bordcomputer der Orion, der einem Fabergé-Ei gleicht. Die Schiffe werden durch eine internationale Crew gesteuert, der auch Frauen angehören. Selbst die Kapitäne der Raumschiffe ähneln sich: Cliff Allister McLane und James T. Kirk sind zupackende, charismatische Anführer, die Regeln nicht sklavisch befolgen, sondern sie notfalls beugen – und den Kopf hinhalten, wenn es darauf ankommt. Für Dietmar Schönherr und William Shatner wird es ihre populärste Rolle.
Doch es gibt auch Unterschiede bei den Serien. Der augenscheinlichste: „Star Trek“ strahlt bereits in Farbe, während „Raumpatrouille“ in Schwarz-weiß gedreht wird. Das Farbfernsehen in Deutschland startet erst ein knappes Jahr später. Das tut dem Erfolg keinen Abbruch. Während „Star Trek“ von Anfang an mit schwachen Quoten zu kämpfen hat, ist „Raumpatrouille“, das alle zwei Wochen Samstagabend nach der Tagesschau läuft, ein „Straßenfeger“ mit bis zu 56 Prozent Marktanteil. Na ja, 1966 gibt es in der Bundesrepublik gerade mal zwei Fernsehsender (plus DFF in der DDR). Die Serie wird unzählige Male wiederholt und läuft auch hin und wieder auf der großen Leinwand – 2003 erscheint sogar mit „Rücksturz ins Kino“ ein Kinofilm, der aus Zusammenschnitten der Serienfolgen besteht.
Beide Serien beginnen mit gesprochenen Einleitungen, die sich auf den ersten Blick ähneln. Bei „Raumschiff Enterprise“ weicht die deutsche Version vom Original ab, das unter anderem gar kein Jahr nennt. „Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das mit seiner 400 Mann starken Besatzung fünf Jahre lang unterwegs ist, um neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt, dringt die Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.“
„Final Frontier“ wird mit „unendliche Weiten“ übersetzt. Tatsächlich sind unbekannte Weiten gemeint. „Star Trek“ führt die Eroberung des Wilden Westens im All fort. Die Orion hat ein anderes Ziel: „Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen Wirklichkeit sein. Hier ist ein Märchen von übermorgen: Es gibt keine Nationalstaaten mehr. Es gibt nur noch die Menschheit und ihre Kolonien im Weltraum. Man siedelt auf fernen Sternen. Der Meeresboden ist als Wohnraum erschlossen. Mit heute noch unvorstellbaren Geschwindigkeiten durcheilen Raumschiffe unser Milchstraßensystem. Eins dieser Raumschiffe ist die Orion, winziger Teil eines gigantischen Sicherheitssystems, das die Erde vor Bedrohungen aus dem All schützt. Begleiten wir die Orion und ihre Besatzung bei ihrem Patrouillendienst am Rande der Unendlichkeit.“
Das Expeditionsschiff Enterprise fliegt über die Grenzen – das Patrouillenschiff Orion fliegt entlang der Grenzen.
Der Schöpfer der Serie, Rolf Honold, reicht bereits 1962 ein Konzept bei der Bavaria Film ein. Bis zum Drehstart 1965 dauert es noch drei Jahre, um die Drehbücher zu schreiben und die Sets und Modelle zu bauen. „Orion“ ist von vornherein als Miniserie mit abgesc