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KI-Strategie: Europa soll den Wettlauf um Frontier-Modelle aufgeben
Statt aussichtsloser Rennen um Frontier-Modelle will die EU-Kommission den Einsatz von KI in der Industrie und im öffentlichen Sektor drastisch beschleunigen.
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Die EU steht vor einer Neuausrichtung ihrer Digital- und Wirtschaftspolitik bei Künstlicher Intelligenz. Der KI-Berater der EU-Kommission, Jim Hagemann Snabe, fordert einen pragmatischen Kurswechsel, wie Politico unter Berufung auf interne Dokumente berichtet: Europa müsse aufhören, den USA und China bei führenden Basis- und Frontier-Modellen nachzujagen. Stattdessen müsse KI möglichst schnell in der europäischen Wirtschaft zum Einsatz kommen, um die Produktivität in Europa nachhaltig anzukurbeln.
Diese Strategie präsentierte Snabe laut dem Bericht Anfang September vor den 27 EU-Kommissaren. Präsidentin Ursula von der Leyen ernannte den Ex-SAP-CEO im Juli zum Sonderbeauftragten der EU für industrielle KI, was aufgrund seines Stallgeruchs für Kritik sorgte. Sein Mandat reicht von Rechenzentren über Chips bis zu Branchenmodellen und Industrieanwendungen. KI sieht er vor allem als Chance, um das Wachstum in Gesundheit, Landwirtschaft, Verkehr und Industrie zu beschleunigen.
Von der Leyen stützt diesen Kurs. In ihrer jüngsten Rede zur Lage der Union betonte sie, Europa müsse sich weniger darauf konzentrieren, die mächtigsten KI-Modelle zu entwickeln. Entscheidend sei, den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen der Technologie zu steigern sowie ihre Risiken zu beherrschen.
Für den angepeilten Kurs sollen konkrete Anwendungsfälle identifiziert und Hürden abgebaut werden. Die Rede ist von Erleichterungen für Tests autonomer Fahrzeuge, sicheren Datenräumen für personalisierte Medizin sowie digitalen Assistenten für die Landwirtschaft.
Auf der Agenda steht in Brüssel auch die Frage, welche Entwicklungen durch KI möglich werden könnten, die bislang als unbezahlbar oder gar nicht machbar gelten. Sinkende Kosten für kognitive Arbeit könnten weitreichende Veränderungen auslösen. Zugleich soll KI helfen, die von Mario Draghi angemahnten Reformen angesichts des demografischen Wandels, schwächerer Handelsbeziehungen und veralteter Infrastruktur voranzutreiben.
Trotz des neuen Fokus warnt Snabe vor einer Abhängigkeit von ausländischen Anbietern. Europa müsse sicherstellen, dass heimische Firmen eigene Ideen hervorbringen, erproben und skalieren könnten. Ein erheblicher Teil der Wertschöpfung müsse in Europa verbleiben.
Bis Dezember will die Kommission den KI-Einsatz in Wirtschaftszweigen erfassen. Snabes Team prüft Pilotprojekte und die Infrastruktur, um bis Jahresende ein Maßnahmenpaket vorzulegen. Ein endgültiger Strategieplan soll Anfang 2027 folgen. Der EU-Abgeordnete Axel Voss (CDU) warf der Kommission derweil vor, nicht schnell genug auf die technologische Entwicklung zu reagieren und den AI Act nicht energisch genug durchzusetzen. Er fordert klare Haftungsregeln für KI-Schäden.
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