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Zahlen, bitte! – Saturn-Hexagon: 29.000 Kilometer breites mysteriöses Sechseck
Seit den Voyager-Missionen fasziniert ein riesiger, hexagonförmiger Wirbelsturm auf Saturn die Forscher. Doch was ist die Ursache?
In der Forschung rund um den Saturn hat sich jüngst einiges getan. Nicht nur, dass im Ozean unter der Eiskruste des Saturnmond Enceladus mögliches Leben leichter nachweisbar wäre, als die Wissenschaft bisher vermutete, sondern auch zum Saturn gabs neue Schlagzeilen: Auf dessen Südpol wurde ein neuer zehneckartiger Wirbelsturm entdeckt. Grund genug für uns, ein älteres „Zahlen, bitte“ um das mysteriöse Nordpol-Sechseck auf dem Saturn auf den neuesten Stand der Forschung zu bringen und als „Zahlen, bitte classic“ zu veröffentlichen.
Die Daten und Bilder der Voyager-Sonden liefern bis heute viele Erkenntnisse, aber sie warfen gerade zur Anfangszeit noch mehr Fragen auf. Eine davon enthüllte Voyager 2 beim Vorbeiflug am Saturn im Jahr 1981: Als der Astronom David Godfrey von den National Optical Astronomy Observatories 1988 die Fotos auswertete, fiel ihm am Nordpol des Planeten ein riesiger Polarwirbel auf – mit einer gleichmäßigen sechseckigen Struktur.
Polarwirbel sind im Sonnensystem eigentlich keine Seltenheit – ein Wirbel mit symmetrischer, sechseckiger Struktur hingegen schon. War das etwa eine Postkarte der Aliens, wie Verschwörungstheoretiker frohlockten, oder steckt doch nur ein natürliches Phänomen dahinter? Das Rätsel des Saturn-Hexagons war geboren.
In dieser Rubrik stellen wir immer dienstags verblüffende, beeindruckende, informative und witzige Zahlen aus den Bereichen IT, Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft, Politik und natürlich der Mathematik vor.
Der Polarwirbel bildet ein ziemlich gleichmäßiges Sechseck mit etwa 14.500 Kilometer langen Seiten. Mit einem Durchmesser von 29.000 Kilometern ist er mehr als doppelt so groß wie der Erddurchmesser. Das Wolkenmuster hat es in sich: Die Winde im Jetstream erreichen etwa 320 km/h, das Sechseck selbst vollendet in rund 10 Stunden, 39 Minuten und 23 Sekunden eine Drehung.
Die zusammengesetzte Voyager-Aufnahme von 1981 verblüffte die Wissenschaftler. Deutlich ist der sechseckige Wirbel zu sehen.
In der Mitte ist eine Art Auge des Sturms, das etwa 50-mal größer ist als im Schnitt die ebenfalls bereits nicht gerade kleinen Erdwirbelstürme, die ansonsten nur optisch vergleichbar sind. Die Ursache für diese geometrische Form war zunächst völlig unklar und faszinierte die Wissenschaftler. Da die Voyager-Sonden allerdings nur auf der Durchreise waren, ließ sich das Phänomen nicht näher untersuchen.
Im Jahr 1997 startete die Saturn-Raumsonde Cassini-Huygens, die den Saturn und unter anderem das Nordpol-Sechseck weiter erforschen sollte. Im Jahr 2004 schwenkte die NASA-Sonde in die Umlaufbahn des Saturn ein und begann mit ihrer Arbeit, konnte das Hexagon aber zunächst nur eingeschränkt untersuchen: Es lag wegen des Winters auf der Nordhalbkugel im Schatten, nur das Infrarotinstrument VIMS konnte es 2006 beobachten.
Da der Saturn viel weiter von der Sonne entfernt ist als die Erde, dauert ein Saturnjahr 29 Erdenjahre. Ein Saturn-Winter, in dem sich das Hexagon befand, dauert somit etwa sieben Jahre. Im August 2009 war es so weit: Mit Beginn des Frühlings auf der Nordseite konnte Cassini nun endlich auch den Nordpol optisch untersuchen.