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Lula vor Wahl in Brasilien: 80 Jahre und noch nicht müde
In Brasilien will Präsident Lula am Sonntag die Wahl gegen den Sohn seines Vorgängers Bolsonaro gewinnen. Es wäre die vierte Amtszeit für den früheren Gewerkschaftsführer, der auch für Europa ein wichtiger Partner ist.
Ein Eckrestaurant in São Bernardo do Campo, einst das Detroit Brasiliens im Industriegürtel rund um São Paulo: gefliester Boden, Fotos an den Wänden, Holztische. Es ist das Reich von Júno Rodrigues, "Gijo" genannt, Kugelbäuchlein, feuerrotes T-Shirt, die Finger krumm wie Rohrzangen. Er war einst Metallarbeiter bei einem der vielen Autofabrikanten hier, dann wechselte er das Metier. Seine Spezialität heute: Chuletas Paulistas - dick geschnittene, ein Kilo schwere Schweine-Koteletts mit Pommes und Sauce.
"Diesen Koteletts hat Brasilien viel zu verdanken", sagt er und serviert. Seine Koteletts nämlich machten den Mann satt und glücklich, der Arbeitern wie ihm Rechte und Freiheit gab und Brasiliens Weg in die Demokratie ebnete - so jedenfalls sieht es Gijo. Es geht um seinen alten Gewerkschaftsfreund Lula, Stammgast in Gijos Restaurant und außerdem zum dritten Mal Präsident Brasiliens.
Gijo zeigt auf ein schwarz-weißes Foto: Ein bärtiger Mann steht da inmitten eines Stadions auf einem Tisch, ohne Mikrofon, vor Tausenden Arbeitern, beim großen Generalstreik im Jahr 1979 - noch inmitten der Militärdiktatur. "Lula stand auf einem Tisch, die Arbeiter riefen seine Worte nach hinten weiter, damit man ihn verstand", erzählt Gijo. "Um das Stadion standen Soldaten mit Schlagstöcken und Gewehren. Ich sage immer: Genau dieses Foto hat Lula zum Präsidenten der Republik gemacht."
Flávio Bolsonaro will nächster Präsident Brasiliens werden - mit einem Versprechen von Recht und Ordnung.
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Der Gewerkschaftsführer, der es in den Präsidentenpalast schaffte - volksnah und populistisch im Auftreten, pragmatisch im Handeln. 47 Jahre nach dem historischen Foto steht Lula im selben Stadion Vila Euclides von São Bernardo do Campo. Es ist erneut Wahlkampf. Inzwischen ist er 80 Jahre alt, der Bart ist weiß, die Stimme noch rauer. Er zieht Bilanz.
"Wir haben 27 Millionen Menschen, die wie im 17. Jahrhundert in Dunkelheit und Finsternis lebten, in die Zukunft geführt", ruft er. Und erzählt davon, wie er in seinen ersten zwei Amtszeiten Wasser und elektrisches Licht in den armen Nordosten des Landes brachte, mit Sozialprogrammen Millionen Menschen aus Hunger und Armut holte, "damit die Kinder lernen und essen können".
Der 80-Jährige wurde von seiner Partei erneut nominiert. Sein wichtigster Konkurrent steht bereits fest.
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Selbst Kind einer Landarbeiterfamilie, kombinierte Lula bahnbrechende Sozialprogramme mit einer marktfreundlichen Wirtschaftspolitik. Brasilien erlebte Anfang der 2000er goldene Jahre, getragen auch vom weltweiten Hunger nach Rohstoffen. Es war Brasiliens "Yes, we can"-Moment.
Auf diese Vergangenheit setzt Lula, aber auch auf eine Gegenwart mit niedriger Arbeitslosigkeit, wachsenden Exporten und deutlich weniger Entwaldung am Amazonas. Doch reicht das aus, um ihm eine historische vierte Amtszeit zu sichern?