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Gaming-Strom: Der Steckdose ist die RTX 5090 herzlich egal
Gaming-Mäuse, Gaming-Stühle, Gaming-Tische – und nun Gaming-Strom: meinGAMING richtet einen gewöhnlichen Stromtarif mit viel Branchenvokabular an Spieler. Die Elektronen interessiert das erwartungsgemäß wenig. Hinter der etwas skurrilen Verpackung steckt allerdings ein durchaus nachvollziehbares Preismodell.
An Zubehör mit Gaming-Aufschlag mangelt es mittlerweile nicht. Schreibtische, Stühle, Brillen oder gar Getränke wurden längst mit RGB-Beleuchtung oder einschlägigem Marketing für Spieler entdeckt. meinGAMING geht noch einen Schritt weiter und nimmt sich ausgerechnet das vor, was all diese Produkte am Ende irgendwie am Laufen hält: den Strom.
Auf der Webseite ist entsprechend von „Casual Gamer“, „Pro Gamer“ und dem „Gaming Haushalt“ die Rede. High-End-PCs, Streaming, mehrere Systeme und mehr als 30 Stunden Spielzeit pro Woche sollen Beispiele dafür sein, warum der Stromzähler ordentlich zu tun bekommt. Selbst die Zuverlässigkeit des Versorgers wird mit einem Lieblingsserver verglichen.
Was aus der Steckdose kommt, weiß von dieser Zielgruppenansprache allerdings nichts. Ob am anderen Ende eine GeForce RTX 5090 unter Volllast rendert, der Wasserkocher arbeitet oder die Waschmaschine ihre Runden dreht, macht für das Stromnetz keinen Unterschied.
Das Umweltbundesamt formuliert den zugrunde liegenden Sachverhalt ähnlich nüchtern: Strom ist physikalisch nach seiner Erzeugungsart nicht unterscheidbar. Bei einem öffentlichen Stromnetz lässt sich auch nicht gezielt festlegen, aus welchem Kraftwerk der Strom zu einer bestimmten Steckdose fließt. Ein spezielles Elektron mit Gaming-Zertifizierung gibt es also nicht.
Das gilt im Übrigen auch für den beworbenen Ökostrom. meinGAMING gibt an, Strom aus europäischen Wasserkraftanlagen zu beschaffen und die entsprechende Menge über Herkunftsnachweise abzudecken. Solche Nachweise belegen bilanziell, dass die verkaufte Strommenge aus erneuerbaren Quellen erzeugt und nicht mehrfach als Ökostrom vermarktet wurde. Sie bedeuten nicht, dass genau dieser Strom anschließend durch das Kabel zum Gaming-PC fließt.
Damit wäre die Geschichte allerdings nur halb erzählt. Denn hinter der etwas bemühten Gaming-Verpackung steckt kein technisch zweifelhafter Spezialstrom, sondern ein gewöhnlicher Tarif mit einer nachvollziehbaren Kalkulation.
Der Anbieter setzt auf einen vergleichsweise niedrigen Arbeitspreis und nimmt dafür einen höheren Grundpreis. Je mehr Strom ein Haushalt verbraucht, desto weniger stark fällt der fixe Grundpreis pro Kilowattstunde ins Gewicht. Nach Angaben von meinGAMING soll das Modell ab rund 2.500 kWh Jahresverbrauch interessant werden.
Ob diese Kilowattstunden mit einem Gaming-PC verbraten werden, ist wiederum egal. Das räumt der Anbieter in seinen FAQ selbst ein: Auch eine Wärmepumpe oder ein Elektroauto können über denselben Haushaltszähler laufen. Entscheidend ist letztlich nur der Verbrauch. Für separate Heizstromzähler mit Hoch- und Niedertarif eignet sich das Angebot hingegen nicht.
Insofern ist „Gaming-Strom“ weniger eine neue Form der Energieversorgung als eine ungewöhnlich zugeschnittene Zielgruppenwerbung für einen Vielverbrauchertarif. Ob er tatsächlich günstiger ist, hängt wie bei jedem Stromangebot von Wohnort, Jahresverbrauch, Grund- und Arbeitspreis sowie möglichen Boni ab.