// TAGESSCHAU WIRTSCHAFT — FINANZA
Fachkräfte fehlen - doch es gibt auch Chancen in Ostdeutschland
Ostdeutschland bietet viel Platz für neue Fabriken. Doch ausgerechnet dort, wo neue Industriearbeitsplätze entstehen könnten, fehlen zunehmend Fachkräfte. Ökonomen sehen dennoch Chancen.
Der Ökonom Stephan Kemper von der französischen Großbank BNP Paribas muss nicht lange überlegen: "Vieles spricht für den Wirtschaftsstandort Ostdeutschland." Die Immobilienpreise seien relativ niedrig. Es gebe eine gute Anbindung Richtung Osteuropa. Polen etwa sei ein stark wachsendes Land, einige andere Staaten auch. "Das sind interessante Märkte, die man von Ostdeutschland aus gut bedienen kann", so Kemper.
Der bürokratische Aufwand steigt, je größer das Unternehmen ist.
mehr
Für den Wirtschaftsstandort Ostdeutschland spricht auch, dass es dort im Vergleich zu vielen westlichen Bundesländern noch viel freie und bereits erschlossene Flächen für Industrieansiedlungen gibt. Hohe Subventionszahlungen locken. Und was die Energieversorgung betrifft: Der Wandel hin zur Nutzung Erneuerbarer Energien ist in einigen Regionen schon ziemlich weit fortgeschritten.
"Die ostdeutsche Volkswirtschaft hat in den vergangenen Jahren sehr gut aufgeholt", sagt daher Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle gegenüber der ARD-Finanzredaktion. "Die Ost-West-Brille taugt immer weniger zur Erklärung von Unterschieden."
Analyse
05.09.2026
Die Wirtschaftslage ist bei der Wahl in Sachsen-Anhalt ein wichtiges Thema.
mehr
Große, internationale Technologiekonzerne, aber auch Automobilhersteller und Unternehmer aus der Halbleiterbranche investieren Milliarden in die Region. So wurde im März 2022 die Tesla-Gigafactory im brandenburgischen Grünheide eröffnet. Es ist der erste Tesla-Produktionsstandort des US-Herstellers in Europa. Dort werden nicht nur Elektrofahrzeuge, sondern auch Antriebseinheiten und Komponenten gebaut.
Im Dresdner Norden wird eine hochmoderne Halbleiterfabrik hochgezogen. Hauptakteur ist die Taiwan Semiconductor Manufactoring Company, kurz TSMC. Gesamtinvestitionen: über zehn Milliarden Euro. Und auch der Chiphersteller Infineon will seine Produktionskapazität in Dresden verdoppeln und nahm im Juli ein neues Werk in Betrieb.
Dass aus dem geplanten Intel-Werk in Magdeburg nichts geworden ist, hat nichts mit dem Wirtschaftsstandort Ostdeutschland zu tun, sondern mit dem Unternehmen selbst. Der US-Konzern schrieb über mehrere Quartale hinweg tiefrote Zahlen. Daraufhin wurden teure Großprojekte wie die in Magdeburg gestrichen.