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Menschen aus Ost und West mischten sich lange vor der Seidenstraße
Verborgene Brücke zwischen den Welten: Im Osten des Tianshan-Gebirges lebten schon in der Bronzezeit Menschen mit Vorfahren aus Nordchina und aus nordasiatischen Steppengruppen. Genomanalysen von 135 Bestatteten zeigen, dass sich diese Linien lange vor der historischen Seidenstraße mischten und die Region auch später ein Knotenpunkt wiederholter Zuwanderung blieb.
Changchun (China). Der Osten des Tianshan-Gebirges war schon lange vor den Karawanen der historischen Seidenstraße eine Kontaktzone. Zwischen dem Hexi-Korridor im Osten, der Steppe im Norden und Zentralasien im Westen trafen hier Verkehrswege, Wirtschaftsformen und kulturelle Traditionen aufeinander. Unklar war jedoch, ob sich mit Getreide, Keramik und neuen Bräuchen auch größere Menschengruppen durch diese Landschaft bewegten.
Archäologische Funde sprechen seit Langem für weitreichende Verbindungen. Hirse aus Nordchina gelangte nach Westen, während Weizen und Gerste aus Südwestasien den entgegengesetzten Weg nahmen. Die neue genetische Analyse zeigt nun, dass dieser Austausch schon in der Bronzezeit deutlich in der Bevölkerung selbst sichtbar war.
Forscher der Jilin University (JLU) um Prof. Yinqiu Cui haben dafür Genomdaten von 135 Menschen aus elf archäologischen Fundorten im östlichen Tianshan untersucht. Die Bestatteten lebten zwischen etwa 3.580 und 1.546 Jahren vor heute. Damit decken die Proben nahezu zwei Jahrtausende vom Bronzezeitalter bis in die Eisenzeit ab.
Die Wissenschaftler verglichen die Erbgutprofile mit bereits bekannten alten und heutigen Populationen. So konnten sie abschätzen, welche früheren Gruppen besonders gut zu den einzelnen Abstammungskomponenten passen und wie sich deren Anteile im Lauf der Zeit verändert haben.
Das auffälligste Muster zeigte sich bei der bronzezeitlichen Hauptbevölkerung, unter anderem am Gräberfeld Tianshanbeilu. Rund die Hälfte ihrer Abstammung lässt sich am besten mit neolithischen Hirsebauern aus dem mittleren und oberen Gelben-Fluss-Gebiet in Verbindung bringen. Der andere große Anteil ähnelt Menschen der Chemurchek-Kultur aus dem Altai- und Dschungarei-Raum im Norden.
Diese Kombination war für Xinjiang bislang nicht nachgewiesen. Nach Ansicht des Teams spricht sie dafür, dass sich mit dem westwärts wandernden Hirseanbau auch Menschen bewegten. Die Verbreitung von Landwirtschaft und damit verbundenen kulturellen Elementen war demnach zumindest im östlichen Tianshan nicht nur ein Ideentransfer zwischen bereits ansässigen Gruppen.
Zugleich blieb die bronzezeitliche Bevölkerung nicht vollständig abgeschottet. Einzelne Bestattete tragen zusätzliche genetische Spuren aus der Mongolei, aus dem östlichen Kasachstan oder aus dem südlichen Zentralasien. Die Region war damit schon damals in mehrere Richtungen verbunden.
Bemerkenswert ist ein Gegenbefund: Obwohl sich mittel- und spätbronzezeitliche Steppenhirten weit nach Osten ausbreiteten, hinterließen sie in der Hauptbevölkerung des östlichen Tianshan nur geringe genetische Beiträge. Die lokale Geschichte lässt sich daher nicht als einfache Folge großer Wanderungswellen erklären, bei denen eine Bevölkerung die vorherige ersetzt.
In der Eisenzeit wurde das Bild vielfältiger. Viele Gruppen behielten einen großen Teil der bronzezeitlichen Grundmischung, nahmen aber zusätzlich Abstammungsanteile aus Nordchina, der Mongolei, der eurasischen Steppe und dem südlichen Zentralasien auf. Die Daten sprechen damit eher für wiederholte Kontakte auf einer fortbestehenden lokalen Grundlage.