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Selbstständige erhalten keinen Mutterschutz
Für selbstständige Frauen gilt der Mutterschutz nicht. Viele können sich eine Pause rund um die Geburt deshalb kaum leisten. Ein Bündnis fordert eine gesetzliche Absicherung und hat konkrete Finanzierungsvorschläge.
Etwa 30 Frauen haben sich vor dem Reichstagsgebäude versammelt und halten rosafarbene und hellblaue Plakate in den Händen. Darauf Sätze wie: "Warum ich keine Kinder habe? Hätte ich Insolvenz riskieren sollen?" oder: "Schwangerschaft darf nicht über den Hof entscheiden."
Das Bündnis Mutterschutz für Selbstständige macht sichtbar, was vielen Menschen hierzulande gar nicht bewusst ist: Selbstständige Frauen oder Frauen, die ein kleines oder mittleres Unternehmen haben, fallen nicht unter das Mutterschutzgesetz. Sie können rund um die Geburt ihrer Kinder oft nicht pausieren, weil sie kein Mutterschaftsgeld bekommen.
Das ist für die meisten von ihnen eine Bedrohung ihrer Existenz. Und das trifft auf alle Branchen zu: Eine Ärztin hat auf Kinder verzichtet, eine Bäuerin sorgt sich um den Fortbestand ihres Hofes, eine Schauspielerin muss lange auf Rollen verzichten.
Johanna Röh, Tischlermeisterin aus der Gegend von Osnabrück, konnte es sich weder vor der Geburt ihrer Tochter noch danach leisten, längere Zeit frei zu nehmen. "Ich stand hochschwanger auf der Baustelle, um meine Werkstatt nicht zu verlieren", berichtet sie.
Dabei ging es nicht nur darum, dass sie auf ihr persönliches Einkommen verzichten musste, sondern auch darum, ihre Angestellten zu sichern, die ja auch Ausfälle zu verkraften gehabt hätten, wenn sie wegen der laufenden Kosten und ohne Einkommen den Betrieb hätte einschränken müssen.
Röh empfand das als sehr belastend. Auch, dass sie Tätigkeiten ausführen musste, die bei abhängig beschäftigten Schwangeren oder bei Frauen, die frisch entbunden haben, nach Mutterschaftsgesetz ein Beschäftigungsverbot bedeuten. Denn auch das gilt für Selbstständige dann letztlich nicht.
Schätzungen zufolge werden jährlich 27.000 selbstständig arbeitende Frauen schwanger. Für sie gilt der Mutterschutz nicht.
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Das erlebte auch Katja Worbis-Ise aus Berlin. Sie ist Fitnesstrainerin und Coach - unter anderem für Schwangere und Frauen nach der Entbindung. Sie weiß also, wie es den Müttern geht nach der anstrengenden Geburt. Wie froh die meisten sind, erst einmal ein paar Wochen Zeit für ihr Neugeborenes und die Erholung ihres Körpers zu haben - und das materiell abgesichert durch den gesetzlich verankerten Mutterschutz und das Mutterschaftsgeld.
Katja Worbis-Ise selbst aber hat gleich nach der Geburt ihres Kindes weitergearbeitet. In einem Gespräch mit dem rbb erinnert sie sich, wie belastend diese Wochen waren: "Tatsächlich war mein größtes Problem immer diese Existenzangst und das Gefühl, kann ich jetzt genug Zeit mit meinem Baby verbringen, das ja gerade erst geboren wurde. Oder muss ich jetzt wieder arbeiten?"