// TAGESSCHAU INLAND — CRONACA
Die Affäre Hanning: BND vor einem Scherbenhaufen
Über Jahre sollen geheime Dokumente aus dem BND abgeflossen sein. Nun muss Nachrichtendienst-Chef Jäger erklären, wie das möglich war - und ob Partnerdienste dem BND noch vertrauen können.
Wer am Montag die Anhörung der Chefs der Nachrichtendienste im Deutschen Bundestag verfolgte, hatte den Eindruck, dass der Bundesnachrichtendienst (BND) eine gute Figur macht. Einmal im Jahr fühlen die Mitglieder des parlamentarischen Gremiums, das für die Kontrolle der Nachrichtendienste zuständig ist, den Chefs von BND, Bundesamt für Verfassungsschutz und Militärischem Abschirmdienst in einer öffentlichen Sitzung auf den Zahn.
Bei ihrer jährlichen Anhörung warnten die Nachrichtendienste erneut vor einem Anschlagsrisiko durch Russland.
mehr
Zwar hatte BND-Chef Martin Jäger keine guten Nachrichten für sie im Gepäck, aber er wusste sie auf den Punkt zu bringen. "Deutschland ist in Gefahr, in einen gewaltsamen Konflikt mit Russland zu geraten", erklärte er, und sprach von einem "Schattenkrieg", der bereits Realität sei und in dem die Nachrichtendienste "die erste Verteidigungslinie" seien. Gleichzeitig vermittelte er den Eindruck, dass der BND unter seiner Führung dieser Herausforderung gewachsen sei. Jäger beherrschte anschließend die Schlagzeilen mit seinen pointierten Äußerungen. Läuft für den BND-Chef, der erst seit September im Amt ist. Dachte man. Aber nur einen Tag lang.
Ermittler haben Ex-BND-Präsident August Hanning festgenommen.
mehr
Dienstag sah die Welt des BND dann anders aus. August Hanning, von 1998 bis 2005 selbst Präsident des BND, wurde in seinem Wohnhaus in Nordrhein-Westfalen festgenommen. Der Generalbundesanwalt ermittelt wegen Spionageverdachts. Seit heute sitzt Hanning, 80 Jahre alt, in Untersuchungshaft. Mindestens so schmerzhaft für den BND ist aber die Festnahme eines weiteren Beschuldigten, Manfred D., der bis März beim BND beschäftigt war und seitdem im Ruhestand ist.
D. war enger Mitarbeiter von Hanning, bis dieser 2009 aus dem Staatsdienst ausschied. Danach hatte D. mehreren BND-Chefs als Büroleiter gedient, saß im Leitungsstab des BND mit Zugriff auf zahlreiche geheime Vorgänge. Für jemanden, der wissen will, was der BND weiß, ein Hauptgewinn.
Interview
07.10.2026
Die Spionage-Vorwürfe gegen Ex-BND-Chef Hanning haben "an den Grundfesten gerüttelt", so der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums, Henrichmann, im tagesthemen-Interview.
mehr
Nach Überzeugung der Ermittler lieferte D. seinem ehemaligen Chef zwischen 2010 und 2022, also über einen Zeitraum von zwölf Jahren, insgesamt an die 2.000 Dokumente, darunter offenbar zahlreiche Verschlusssachen. Es soll sich dabei um Dokumente gehandelt haben, die der Vorbereitung der BND-Leitung für die sogenannte Nachrichtendienstliche Lage dienten, in der einmal wöchentlich in geheimer Sitzung die herausragenden Erkenntnisse zur Sicherheitslage präsentiert werden.