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Pinguinkot verstärkt die Schneeschmelze in der Antarktis verstärken
Schneealgen färben Teile der antarktischen Küste grün oder rot und lassen die Oberfläche mehr Sonnenlicht aufnehmen. Eine Untersuchung von 111 Schneeproben zeigt nun einen Zusammenhang zwischen dem Nährstoffeintrag durch Pinguine und andere Seevögel, hohen Phosphatwerten und grünen Algenblüten. Dies könnte die Schneeschmelze in betroffenen Küstengebieten zusätzlich verstärken.
Washington (U.S.A.). Weißer Schnee reflektiert einen großen Teil des Sonnenlichts und schützt dadurch die darunterliegende Oberfläche vor Erwärmung. Wachsen darauf Algen, färbt sich der Schnee grün oder rot und nimmt mehr Sonnenenergie auf. Schon länger ist bekannt, dass solche Blüten die Schneeschmelze an den Küsten der Antarktischen Halbinsel verstärken können.
Weniger klar war bisher, warum die Algen an manchen Standorten besonders intensiv wachsen und welche Rolle die Tierwelt dabei spielt. Pinguine und andere Seevögel fressen Meerestiere und tragen deren Nährstoffe über ihre Ausscheidungen an Land. Ob dieser Eintrag mit der grünen oder roten Färbung der Schneealgen zusammenhängt, haben Forscher nun genauer untersucht.
Ein Team der University of Colorado Boulder (CU Boulder) um Dr. Alia L. Khan hat dafür 111 Schneeproben von neun Küstenstandorten der Westantarktischen Halbinsel analysiert. Die Proben stammen aus dem antarktischen Sommer 2025 und umfassten grün und rot gefärbten sowie sichtbar ungefärbten Schnee. Im Labor bestimmten die Wissenschaftler die Phosphatkonzentration, die Zahl der Algenzellen und die Zusammensetzung ihrer Farbstoffe.
Die Messungen ergaben besonders große Unterschiede beim Phosphat, einem für das Algenwachstum wichtigen Nährstoff. In grünem Schnee lag der mittlere Wert, gemessen als Median, bei rund 114 Mikromol pro Liter Schmelzwasser. Roter Schnee enthielt im Median 11,4 Mikromol pro Liter, sichtbar ungefärbter Schnee nur 1,54 Mikromol pro Liter.
Damit war die Phosphatkonzentration im grünen Schnee etwa zehnmal so hoch wie im roten und rund 70-mal so hoch wie im ungefärbten. Zudem stiegen die Phosphatwerte mit dem anhand von Standortmerkmalen abgeschätzten Einfluss von Pinguinen und anderen Seevögeln. Dies spricht dafür, dass die Tiere Phosphorverbindungen aus dem marinen Nahrungsnetz auf die Schneeflächen transportieren.
„Dieser Befund verbindet das marine Nahrungsnetz mit der Ökologie des Schnees“, erklärt Dr. Alia L. Khan.
Die Vögel geben Phosphat unter anderem mit ihrem Kot, dem sogenannten Guano, ab und können es beim Umherlaufen verteilen. Allerdings beruht die Untersuchung auf Beobachtungen an natürlichen Standorten und nicht auf einem Düngungsversuch. Sie zeigt deshalb einen Zusammenhang, aber noch keinen experimentellen Beweis für die Ursache des verstärkten Algenwachstums.
Der Nährstoffreichtum ging mit Unterschieden in der Färbung der Algen einher. Grüner Schnee enthielt erheblich mehr Chlorophyll, den grünen Farbstoff der Fotosynthese. Die mittlere Chlorophyll-a-Konzentration betrug dort rund 3.511 Mikrogramm pro Liter, gegenüber 510 Mikrogramm pro Liter im roten Schnee.
Die Zahl der Algenzellen unterschied sich dagegen zwischen roten und grünen Proben statistisch nicht eindeutig. Auffällig war vielmehr die andere Zusammensetzung ihrer Pigmente. Rote Algenblüten besitzen einen höheren relativen Anteil schützender rötlicher Farbstoffe, die ihnen helfen, starke Sonneneinstrahlung und weitere Umweltbelastungen zu überstehen.