// EUROGAMER.DE — GAMING
Hitster-Killer Play im Test – The Music Party Game fordert den Platzhirschen heraus
Ein Innovationspreis ist nicht drin, doch Kosmos behebt konsequent die Schwachstellen des Kultspiels. Ob das Brettspiel den König stürzt, klärt das Review
Als Jumbo vor rund vier Jahren das Musikspiel Hitster aus der Taufe hob, haben vermutlich nicht mal die Verantwortlichen selbst damit gerechnet, dass das Teil wie eine Bombe einschlagen sollte. Der Weg von der ersten Edition bis hin zur RTL-Vorabendshow ist eine einzige Erfolgsgeschichte. Umso verwunderlicher, dass sich die Nachahmer bislang ziemlich in Grenzen hielten. Ein paar Musikspiele hier und da, aber keines davon konnte ernsthaft am Thron von Hitster rütteln. Jetzt schickt sich mit Kosmos ein großer Verlag an, dem Genre-Primus wirklich Konkurrenz zu machen. Play: The Music Party Game möchte alles beibehalten, was Hitster so beliebt gemacht hat, und die Schwachstellen beheben.
Manch einer mag sich fragen, wo die erwähnten Schwachstellen bei Hitster überhaupt liegen sollen. Das Ding ist doch eigentlich rundum perfekt, oder? Wer Musik mag, liebt Hitster. Stimmt … zumindest beinahe. In einigen Punkten verfolgt Play einen etwas anderen Ansatz und zeigt sich vor allem deutlich flexibler und variantenreicher als die Jumbo-Konkurrenz. Als Spotify-Premium-User ist es euch vielleicht nicht weiter sauer aufgestoßen, aber Abonnenten anderer Dienste dürfen sich nun freuen. Play unterstützt zusätzlich auch Apple Music und YouTube Music, womit nun wirklich ein Großteil der Audio-Streaming-User abgedeckt sein dürfte.
Ganz ohne Abo funktioniert es ebenfalls, allerdings könnt ihr euch die Songs dann nicht bis zum Schluss anhören, sondern müsst mit kürzeren Soundschnipseln leben. Beim Blick ins Innere der Verpackung fällt außerdem direkt auf: Das Material ist viel spartanischer als bei Hitster. Während ihr beim „Original“ mit Karten überschüttet werdet, liegen der Kosmos-Variante nur 110 Karten bei und selbst die sind nicht einmal vollumfänglich für Songs reserviert. Ist Play also eine Mogelpackung?
Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Mit dem beigelegten Material und der Play-App lassen sich mehr als 4.000 Lieder ins Spiel einbinden. Auch die zeitliche Spannbreite der Auswahl kann sich sehen lassen. Die Play-Frühwerke gab es bereits 1957 zu hören, während die aktuellsten Songs bis in den laufenden Jahrgang reichen. Wenn ihr das Teil mit in den Sommerurlaub schleppen wollt, müsst ihr euch dazu nicht mehr eine dicke Extratasche packen, um auf das ganze Material zugreifen zu können.
Ach, ihr mochtet den Charme der Spezialeditionen von Hitster? Nur Schlager oder Summerhits? Kein Problem, ihr könnt die Auswahl vor Beginn der Partie einschränken, indem ihr bestimmte Kategorien auswählt. Die Wahlmöglichkeiten sind immens: Rocksongs, Rap, Metal, Reggae oder die Tophits aus bestimmten Ländern? Die gibt es ebenso wie Playlists von einzelnen Künstlern. Klickt euch einfach alles zu einem einzigartigen Mix zusammen, der euch am besten gefällt. Ein kleiner Wermutstropfen: Einige Karten müssen – je nach Zusammenstellung der Playlist – vor der Partie aussortiert werden oder sie funktionieren nicht. Rock-Klassiker aus dem Jahr 2026, die gibt’s eben logischerweise nicht. Abseits dieser kleinen Verwaltungsarbeit klappt aber alles ziemlich reibungslos.
Das war’s mit der Vielfalt von Play aber immer noch nicht ganz. In der App lassen sich vier unterschiedliche Modi wählen. Bei „Walk The Timeline“ tretet ihr in zwei Teams gegeneinander an. Beide Seiten versuchen ihre Handkarten loszuwerden, indem sie ihre Handkarten korrekt im gemeinsamen Zeitstrahl ablegen. Zum verteilten Material gehören möglicherweise auch einige Länderkarten. Hier ist nicht das Erscheinungsjahr relevant, sondern die Herkunft des Künstlers. Für Musikexperten ist das sicherlich gut machbar, während Gelegenheitshörer wohl häufiger ins Straucheln geraten könnten. Wenn es euch nicht gefällt: Lasst die Länderkarten ganz weg.
Oder ihr verwendet einfach den zweiten Modus „Sooner Or Later“, bei dem nur die Jahreskarten zum Einsatz kom