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Können Abnehmspritzen zu Nagelablösungen führen?
Bei Anwendern von GLP-1-Medikamenten gegen Diabetes oder starkes Übergewicht wurden Nagelablösungen deutlich häufiger gemeldet als bei vergleichbaren Nichtanwendern. In einer internationalen Befragung waren es rund 39 Prozent gegenüber neun Prozent. Allerdings hatten viele Betroffene bereits vor der Behandlung Nagelprobleme, sodass die vorläufigen Ergebnisse keine Nebenwirkung beweisen.
Lavaur (Frankreich). GLP-1-Rezeptoragonisten ahmen ein Darmhormon nach, das den Appetit und den Blutzuckerspiegel beeinflusst. Wirkstoffe wie Semaglutid werden deshalb bei Typ-2-Diabetes und Adipositas eingesetzt. Während Verdauungsbeschwerden als mögliche Nebenwirkung bereits bekannt sind, wurden Veränderungen an Nägeln bislang kaum systematisch untersucht.
Von einer Onycholyse sprechen Mediziner, wenn sich die Nagelplatte teilweise vom Nagelbett abhebt und dadurch oft weißlich erscheint. Dafür kommen unter anderem Verletzungen, Infektionen und Hauterkrankungen infrage. Die neuen Berichte bedeuten nicht, dass den Betroffenen ganze Nägel ausgefallen sind. Außerdem ist bislang nicht geklärt, ob die gemeldeten Veränderungen Finger- oder Fußnägel betrafen.
Forscher der Università di Bologna um Professorin Bianca Maria Piraccini haben nun Daten einer internationalen Erhebung zu diesem Problem ausgewertet. Die Ergebnisse wurden beim Kongress 2026 der European Academy of Dermatology and Venereology (EADV) in Wien präsentiert. Eine fachbegutachtete Veröffentlichung lag zum Zeitpunkt dieser Recherche noch nicht vor.
Für den entscheidenden Vergleich befragte das Team 575 Menschen unter einer GLP-1-Therapie sowie 1.329 Personen mit Adipositas oder Typ-2-Diabetes, die solche Medikamente noch nie verwendet hatten. Die Teilnehmer stammten aus Frankreich, den USA, Brasilien und Mexiko. Weitere 3.900 Menschen ohne diese Stoffwechselerkrankungen gehörten zur größeren SCOP-GLP1-Erhebung, nicht aber zur hier maßgeblichen Vergleichsgruppe.
39,3 Prozent der behandelten Personen berichteten über eine Ablösung der Nagelplatte, gegenüber 8,7 Prozent in der Vergleichsgruppe. Verfärbungen nannten 45,6 gegenüber 17 Prozent, und mindestens eine Nagelauffälligkeit meldeten 66,3 gegenüber rund 53 Prozent. Die Angaben wurden in Fragebögen erhoben, nicht durch standardisierte ärztliche Untersuchungen bestätigt.
„Bislang waren Nagelveränderungen unter GLP-1-Therapien im Wesentlichen nur durch Einzelfallberichte bekannt“, erklärt Studienautor Dr. Charles Taïeb.
Der auffällige Unterschied beschreibt die Häufigkeit selbst gemeldeter Beschwerden in diesen Gruppen. Er zeigt weder, wie schwer sich einzelne Nägel ablösten, noch beziffert er das Risiko, nach dem Beginn einer Behandlung erstmals solche Probleme zu entwickeln.
Etwa die Hälfte der Anwender hatte laut den Forschern schon vor der GLP-1-Therapie Nagelprobleme. Berücksichtigten sie Hauterkrankungen und berichtete Nährstoffmängel, wurden mehrere Zusammenhänge schwächer. Nagelablösungen und Verfärbungen blieben nach dieser statistischen Anpassung zwar ungefähr zwei- bis dreimal häufiger, eine Ursache lässt sich daraus aber nicht ableiten.
Besonders wichtig ist der zeitliche Verlauf. Gegenüber dem Gesundheitsportal Healthline erläuterte Mitautor Charles Taïeb, dass der Zusammenhang mit Nagelablösungen nahezu verschwand, wenn nur neu nach Behandlungsbeginn aufgetretene Veränderungen gezählt wurden. Der Gesundheitszustand der Teilnehmer könnte somit einen erheblichen Teil des beobachteten Unterschieds erklären.