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Nach Dekaden dummer Gegner: Sony will NPCs endlich das Lernen beibringen
Seit Jahrzehnten sprechen Entwickler und Spieler von Gegner-KI. Besonders intelligent verhalten sich viele computergesteuerte Charaktere allerdings nicht: Sie folgen vorgegebenen Routinen, laufen immer wieder in dieselben Fallen und lernen aus ihren Irrtümern nichts. Sony möchte das ändern – zumindest auf dem Papier.
Sony Interactive Entertainment hat am 1. Oktober 2026 eine Patentanmeldung (US 2026/0295429 A1) veröffentlicht, die genau dieses Thematik angeht. Unter dem Titel „AI-adapted non-player character for video game system“ wird ein Verfahren beschrieben, mit dem sich computergesteuerte Figuren an den Spielstil ihres menschlichen Pendants anpassen sollen. Eingereicht wurde der Antrag bereits am 31. März 2025, veröffentlicht wurde er erst jetzt, eine gängige Praxis bei US-Patenten.
Dafür sollen Begegnungen zwischen Spielern und NPCs aufgezeichnet und analysiert werden. Welche Bewaffnung wird eingesetzt? Wie oft gelingt eine Parade? Wie häufig wird ausgewichen und welche Attacken führen zum Erfolg? Auch die Reaktionszeiten oder die Zahl der benötigten Durchgänge können in die Bewertung einfließen.
Diese Angaben werden anschließend von einem Machine-Learning-Modell verarbeitet, das daraus veränderte Attribute und Verhaltensmuster für die NPCs erzeugen kann. Das muss sich nicht einmal auf den Kampf beschränken: Auch das Erscheinungsbild, die Wortwechsel und die Aufgabe einer Figur innerhalb der Spielwelt könnten sich verändern. Die Anpassungen sollen sowohl während des Spielens als auch nachträglich möglich sein.
Gerade bei Soulslikes wie Elden Ring oder Dark Souls könnte das weitreichende Konsequenzen haben. Dort gehört das Einprägen gegnerischer Angriffsmuster zum Spielprinzip. Wer nach zehn gescheiterten Durchgängen endlich weiß, wie ein Boss zu besiegen ist, könnte beim elften Anlauf eine böse Überraschung erleben. Der Widersacher hätte schließlich ebenfalls zehn Versuche Zeit gehabt, um die Strategie des Spielers kennenzulernen.
Allzu intelligent dürfen die Kontrahenten allerdings auch nicht werden: Ein Boss, der jeden Angriff durchschaut und seine Defizite selbstständig beseitigt, könnte das Spiel schnell unfair und frustrierend machen. Bislang ist das ohnehin Zukunftsmusik: Sony beschreibt mit der Anmeldung lediglich eine mögliche technische Umsetzung. Weder ein konkretes Spiel noch ein Veröffentlichungsdatum sind bekannt.
So neu, wie Sonys Patentanmeldung zunächst klingt, ist das Konzept lernender Spielfiguren zudem nicht. Bereits vor 25 Jahren demonstrierte Peter Molyneux mit Black & White, was schon damals machbar war. Die Kreatur des Spielers konnte durch Beobachten, Belohnung und Bestrafung lernen und das Gelernte anschließend selbstständig anwenden. Der KI-Entwickler Richard Evans hatte dafür einen Mechanismus entwickelt, der unter anderem auf verstärkendem Lernen basierte. Die Kreatur war zwar kein klassischer Widersacher, aber ein bemerkenswertes Beispiel für frühe, lernfähige Spiel-KI.
2015 ließ auch Metal Gear Solid V: The Phantom Pain seine Gegner auf den Spielstil reagieren. Wer bevorzugt Kopfschüsse verteilte, bekam es zunehmend mit Truppen zu tun, die Schutzhelme trugen. Bei häufigen Nachtmissionen griffen die Widersacher zu Nachtsichtgeräten. Das System setzte allerdings auf vorgefertigte Anpassungen, die durch das Verhalten des Spielers ausgelöst wurden und brachte keine richtigen Verhaltensänderungen der NPCs.
Ein Jahr zuvor führte Mittelerde: Mordors Schatten das Nemesis-System ein. Orks konnten sich frühere Aufeinandertreffen mit dem Spieler merken, in der Rangordnung aufsteigen und neue Fähigkeiten entwickeln. Warner Bros. ließ sich die zugrunde liegende Technologie später ebenfalls patentieren.
Sony will mit seiner Anmeldung keine lernenden Gegner an sich schützen lassen, sondern eine bestimmte Methode, bei dem ein Machine-Learning-Modell anhand gesammelter Spielinformationen neue NPC-Inhalte erzeugt. Ob die US-Patentbehörde die Anmeldung bewilligt, ist noch offen.