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Gesundheitsgefahren: Was droht der Menschheit bis 2100?
Zukunft unter Druck: Eine internationale Kommission hat 17 große Gefahren für die Gesundheit der Menschheit bis zum Jahr 2100 analysiert. Den größten Unterschied zwischen günstigen und ungünstigen Szenarien ermitteln die Forscher bei hohem Körpergewicht, ungesunder Ernährung und Bewegungsmangel. Atomkrieg und der Missbrauch künstlicher Intelligenz könnten dagegen sogar die menschliche Existenz bedrohen.
Seattle (U.S.A.). Wenn die Zukunft der Menschheit zur Debatte steht, dominieren oft Atomkrieg und künstliche Intelligenz die Diskussion. Doch zu den großen Gesundheitsgefahren zählen auch schleichende Entwicklungen, die bereits heute Millionen Menschen betreffen und sich über Jahrzehnte weiter verschärfen könnten.
Dazu gehören chronische Krankheiten, schädliche Umweltbelastungen und gesellschaftliche Unterschiede. Ihre Folgen zeigen sich nicht allein in vorzeitigen Todesfällen. Auch die Jahre, die Menschen durch Krankheit oder Behinderung bei eingeschränkter Gesundheit verbringen, spielen für die Bewertung eine Rolle.
Forscher der University of Washington (UW) um Prof. Christopher J. L. Murray haben mit einer internationalen Kommission mehrere Hundert mögliche Gesundheitsgefahren bewertet. Auf Grundlage historischer Daten, Modellrechnungen und ergänzender Expertenschätzungen untersuchte das Team Entwicklungen von 2025 bis 2100 in 204 Ländern und Gebieten. Schließlich wählte es 17 besonders schwerwiegende und grundsätzlich beeinflussbare Bedrohungen aus.
Um die Gefahren vergleichen zu können, ermittelten die Forscher für jede Bedrohung den Unterschied zwischen einem plausiblen günstigen und einem plausiblen ungünstigen Zukunftsverlauf. Die Kennzahl DALY bezeichnet dabei ein durch vorzeitigen Tod oder gesundheitliche Einschränkungen verlorenes gesundes Lebensjahr. Der Abstand zwischen den Szenarien beschreibt die modellierte, potenziell beeinflussbare Gesundheitslast, nicht die sicher zu erwartenden Schäden.
Am größten fällt dieser Abstand bei der Kombination aus hohem Körpergewicht, ungesunder Ernährung und Bewegungsmangel aus: Die Modelle ergeben bis 2100 rund 23,1 Milliarden gesunde Lebensjahre Unterschied zwischen beiden Szenarien. Die geschätzte Unsicherheit reicht von 19,5 bis 26,9 Milliarden. Betroffen sind vor allem Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Leiden und Krebs.
Auch gesellschaftliche Verhältnisse haben enorme Bedeutung. Für einen geringeren Bildungsrückstand berechnen die Autoren eine Differenz von 16,1 Milliarden gesunden Lebensjahren, für geringere Einkommensungleichheit 13,8 Milliarden. Bei der Bildung fließen allerdings auch Auswirkungen niedrigerer Geburtenraten auf die zukünftige Bevölkerungszahl in die Berechnung ein.
„Die auffällige Erkenntnis ist nicht nur das Ausmaß dieser Bedrohungen, sondern auch, dass die Menschheit weiterhin handeln kann. Bei allen 17 katastrophalen Gefahren werden die Entscheidungen, die Verantwortliche heute treffen, die Gesundheit und das Wohlergehen der nächsten Generation prägen. Wer Maßnahmen aufschiebt, verschiebt und erhöht damit nur die Kosten in der Zukunft“, erklärt Prof. Christopher J. L. Murray.
Zwei der 17 Gefahren besitzen nach Einschätzung der Kommission sogar das Potenzial, die Menschheit auszulöschen: ein Atomkrieg mit anschließender weltweiter Hungersnot sowie der böswillige Einsatz künstlicher Intelligenz, etwa zur Entwicklung biologischer Waffen. Für diese Szenarien gibt es keine belastbaren historischen Daten, aus denen sich das Risiko wie bei bekannten Krankheiten statistisch ableiten ließe.
Stattdessen stützte sich das Team auf strukturierte Urteile von Fachleuten und erfahrenen Prognostikern. Daraus ergibt sich für KI-Missbrauch eine geschätzte beeinflussbare Last von 10,4 Milliarden gesunden Lebensjahren und für Atomkrieg von 9,35 Milliarden. Die Unsicherheitsbereiche reichen bei beiden Gefahren bis null. Diese Zahlen sind daher wesentlich weniger belastbar als die Ergebnisse zu weitverbreiteten Gesundheitsrisiken.