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Gewöhnlicher Bluttest kann das spätere Demenzrisiko zeigen
Ein alltäglich gemessener Blutwert könnte Hinweise auf das spätere Demenzrisiko geben. In einer koreanischen Langzeitstudie erhielten Menschen mit besonders niedrigen Hämoglobinwerten häufiger eine Demenzdiagnose. Bei sehr hohen Werten war der Zusammenhang schwächer. Besonders deutlich fiel er bei Frauen aus. Eine zuverlässige Vorhersage für einzelne Menschen ermöglicht der Blutwert bisher nicht.
Busan (Südkorea). Eine Demenz entsteht nicht allein durch Veränderungen im Gehirn. Auch die Gesundheit von Blutgefäßen und Stoffwechsel könnte mitbestimmen, wie sich das Risiko im Alter entwickelt. Schon frühere Studien haben einen Zusammenhang zwischen auffälligen Hämoglobinwerten und Demenz beobachtet, doch die Bedeutung dieses Blutwerts ist weiterhin umstritten.
Hämoglobin ist der rote Blutfarbstoff, der in den roten Blutkörperchen Sauerstoff transportiert. Niedrige Werte können auf eine Blutarmut hindeuten. Ein ungewöhnlich hoher Wert wiederum kann beispielsweise bei Flüssigkeitsmangel oder bestimmten Herz- und Lungenerkrankungen auftreten. Ob solche Abweichungen auch mit einer späteren Demenz zusammenhängen, lässt sich anhand langfristiger Gesundheitsdaten untersuchen.
Forscher der Dong-A University (DAU) um Dr. Hyun Soo Kim haben dafür Daten von 316.542 Erwachsenen aus Südkorea ausgewertet. Alle Teilnehmer waren bei einer Gesundheitsuntersuchung in den Jahren 2004 oder 2005 mindestens 40 Jahre alt. Anhand ihrer Krankenversicherungsdaten ermittelten die Wissenschaftler bis Ende 2019, bei wem später eine Demenz diagnostiziert wurde.
Das Team teilte Männer und Frauen jeweils nach ihrem Hämoglobinwert in fünf gleich große Gruppen ein. Die Demenzfälle identifizierten die Forscher anhand von Diagnosecodes in Verbindung mit Verordnungen entsprechender Medikamente. In der statistischen Analyse berücksichtigten sie unter anderem Alter, soziale und wirtschaftliche Merkmale, Lebensgewohnheiten und Vorerkrankungen.
Der deutlichste Zusammenhang zeigte sich bei den 20 Prozent mit den niedrigsten Hämoglobinwerten. Ihr statistisches Risiko für eine Demenz lag um 16 Prozent über dem der Vergleichsgruppe im vierten Fünftel der Verteilung, in dem die wenigsten Erkrankungen auftraten. Im obersten Fünftel war das relative Risiko um sieben Prozent erhöht. Es handelt sich dabei um relative Unterschiede, nicht um die Wahrscheinlichkeit, selbst an Demenz zu erkranken.
Je nach Demenzform unterschieden sich die Ergebnisse. Für Alzheimer-Demenz zeigte sich vor allem bei niedrigen Hämoglobinwerten ein erhöhtes Risiko, in der untersten Gruppe um 14 Prozent. Bei der gefäßbedingten, sogenannten vaskulären Demenz war es am unteren und oberen Ende erhöht, um 19 beziehungsweise 18 Prozent. Besonders deutlich und beständig waren die Zusammenhänge bei Frauen, bei Männern blieben sie weniger klar.
„Die Ergebnisse zeigen nicht, dass Hämoglobin selbst eine Demenz verursacht, sondern deuten darauf hin, dass abweichende Hämoglobinwerte ein sichtbarer Hinweis auf eine umfassendere körperliche Anfälligkeit sein könnten, die für die Gesundheit des Gehirns relevant ist“, erklärt Dr. Hyun Soo Kim.
Das Ergebnis macht den Blutwert als möglichen Risikomarker interessant, denn Hämoglobin wird bereits bei gewöhnlichen Blutuntersuchungen gemessen. Ein eigener Test oder eine auf den Einzelnen zugeschnittene Demenzprognose lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Die Analyse zeigt lediglich einen statistischen Zusammenhang, nicht die Ursachen der späteren Erkrankungen.
„Demenz ist eine der am schnellsten wachsenden gesundheitlichen Herausforderungen alternder Gesellschaften, und es gibt nicht viele Behandlungen und keine Heilung. Einfache, leicht zugängliche Marker für ein künftiges Risiko zu identifizieren, könnte Forschern und Ärzten helfen, besser zu verstehen, wie die Gesundheit des gesamten Körpers im Laufe der Zeit mit der Gesundheit des Gehirns zusammenhängt“, erklärt Dr. Hyun Soo Kim.