// SCINEXX — SPAZIO & SCIENZA
Marsrover Perseverance hat neuen Distanzrekord außerhalb der Erde aufgestellt
Auf dem Mars hat ein fahrender Roboter den bisherigen Entfernungsrekord für Fahrzeuge außerhalb der Erde überboten. Mit 45,22 Kilometern Gesamtstrecke überholte der NASA-Rover Perseverance am 11. Oktober 2026 seinen Vorgänger Opportunity. Möglich sind solche Distanzen vor allem durch ein Navigationssystem, das Hindernisse selbstständig erkennt und geeignete Wege berechnet.
Pasadena (U.S.A.). Fahrten über die Marsoberfläche sind langsam und aufwendig. Der Untergrund ist stellenweise felsig oder sandig, und ein Rover kann bei Hindernissen nicht auf eine sofortige Entscheidung von der Erde warten. Lange Strecken zu bewältigen ist deshalb nicht nur eine Frage der Ausdauer, sondern auch der Fähigkeit, den eigenen Weg sicher zu finden.
Der im Februar 2021 im Jezero-Krater gelandete Marsrover Perseverance hat nun einen neuen Höchstwert erreicht. Am 11. Oktober 2026, seinem 2.006. Marstag, zeigte der Kilometerzähler nach einer Fahrt von 91,31 Metern insgesamt 45,22 Kilometer an. Damit liegt der Rover vor Opportunity, der bis zum Ende seines Einsatzes 45,16 Kilometer auf dem Mars zurückgelegt hatte.
Der bisherige Langstreckenrekord von Opportunity stand für fast 15 Jahre Marserkundung zwischen 2004 und 2018. Perseverance hat die Strecke dagegen in rund fünfeinhalb Jahren bewältigt. Der neue Bestwert gilt nicht nur für Marsrover, sondern für sämtliche Fahrzeuge auf anderen Himmelskörpern. Auch die Fahrstrecken der bemannten Mondfahrzeuge und der sowjetischen Mondrover lagen darunter.
Eine wesentliche Voraussetzung ist die autonome Navigation. Das System AutoNav verarbeitet während der Fahrt Kamerabilder, erstellt ein räumliches Bild der Umgebung und erkennt Hindernisse. Die Teams auf der Erde geben weiterhin Wegpunkte vor, doch den sicheren Verlauf zwischen diesen Zielen kann der Rover weitgehend selbst bestimmen.
Forscher des Jet Propulsion Laboratory (JPL) um Masahiro Ono haben die Technik in einer wissenschaftlichen Untersuchung zur verbesserten autonomen Navigation näher analysiert. Das System wägt mögliche Wege ab und berücksichtigt dabei sowohl die Fahrzeit als auch Sicherheitsabstände zu Felsen und das Risiko, auf lockerem Untergrund ins Rutschen zu geraten. Die Studie beschreibt die Navigationstechnik, nicht den erst 2026 erreichten Gesamtstreckenrekord.
Nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde National Aeronautics and Space Administration (NASA) hat Perseverance mehr als 90 Prozent seiner bisherigen Fahrstrecke mit Hilfe von AutoNav zurückgelegt. Beim älteren Rover Opportunity lag dieser Anteil bei ungefähr fünf Prozent. An einem einzelnen Marstag schaffte Perseverance bereits 411,7 Meter. Das ist ein eigener Tagesrekord und nicht mit der jetzt erreichten Gesamtstrecke zu verwechseln.
Seit Februar 2026 kann sich Perseverance zudem genauer selbst verorten. Die Funktion Mars Global Localization vergleicht Aufnahmen seiner Navigationskameras mit Karten aus der Umlaufbahn. Damit kann der Rover seine Position ohne neue Rückmeldung von der Erde bestimmen, was längere selbstständige Fahrten erleichtert. Die NASA berichtet von einer Genauigkeit von etwa 25 Zentimetern.
„Die nächste Grenze ist das Sonnenlicht selbst“, erklärt Mark Maimone, stellvertretender Leiter des Roboterbetriebs für Perseverance am JPL.
Gemeint sind Blendungen der Navigationskameras, die das Erkennen des Geländes beeinträchtigen können. Bei Fahrten in Richtung Sonne endet der Betrieb deshalb bislang häufig am frühen Nachmittag. Künftige Verbesserungen sollen die nutzbare Fahrzeit verlängern, ohne dass dabei die Sicherheit der Navigation leidet.