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Wasserschweine teilen Flussufer mit Krokodilen, doch der Frieden trügt
Wasserschweine gelten als ungewöhnlich gelassen, selbst wenn gefährliche Tiere in ihrer Nähe sind. Eine Untersuchung in zwei südamerikanischen Feuchtgebieten zeigt jedoch, dass ihre Reaktionen auf Fressfeinde differenzierter ausfallen. Wo Jaguare und Pumas vorkommen, bleiben die Nagetiere näher am Wasser und reagieren gezielt auf Warnsignale, ohne dauerhaft wachsamer zu sein.
Río Cuarto (Argentinien). Wasserschweine sind die größten lebenden Nagetiere und halten sich bevorzugt in Feuchtgebieten auf. Dort teilen sie ihren Lebensraum mit Kaimanen, Jaguaren und anderen potenziellen Fressfeinden. Dass sie manchmal scheinbar unbeeindruckt neben einem Kaiman ruhen, bedeutet aber nicht, dass die Begegnung ungefährlich oder Ausdruck einer besonderen Freundschaft ist.
Ob und wie Wasserschweine ihr Verhalten langfristig auf Räuberdruck einstellen, lässt sich besonders gut an Populationen aus verschiedenen Lebensräumen untersuchen. Im brasilianischen Pantanal leben sie mit großen Raubkatzen zusammen. In den argentinischen Iberá-Sümpfen waren Jaguare dagegen jahrzehntelang verschwunden, während ihre Wiederansiedlung vorbereitet wurde.
Forscher der Universidad Nacional de Río Cuarto (UNRC) um Ana Belén Avila haben das Verhalten der Wasserschweine in beiden Regionen verglichen. Das Team beobachtete insgesamt 21 Gruppen und untersuchte neben Gruppengröße und Verhalten auch Stresshormone im Kot. Zusätzlich spielte es Rufe von Jaguaren und als Kontrollreiz Laute von Aras ab, um kurzfristige Reaktionen zu testen.
Die Wasserschweine im Pantanal lebten in Gruppen von durchschnittlich acht Tieren, während es in Iberá im Mittel 15 waren. Gleichzeitig hielten sich die Tiere im Pantanal beim Fressen durchschnittlich sechs Meter vom Wasser entfernt auf. In Iberá betrug diese Entfernung rund zwölf Meter.
Noch auffälliger war die Aufteilung ihrer Zeit. Trotz der Anwesenheit großer Räuber verbrachten die Wasserschweine im Pantanal ungefähr 60 Prozent der beobachteten Zeit mit Fressen. In Iberá waren es nur rund 40 Prozent. Die Forscher vermuten, dass die Tiere im gefährlicheren Lebensraum sichere Orte und günstige Zeitfenster zum Fressen nutzen.
Die allgemeine Wachsamkeit unterschied sich hingegen kaum. Im Pantanal beobachtete das Team durchschnittlich 13 Prozent der Zeit aufmerksames Sichern der Umgebung, in Iberá waren es 14 Prozent. Die Erwartung, dass regelmäßiger Kontakt mit Raubtieren grundsätzlich mehr Wachsamkeit erfordert, bestätigte sich somit nicht.
Auch bei den untersuchten Stresshormonen gab es keinen statistisch eindeutig abgesicherten Unterschied zwischen beiden Populationen. Zwar lagen die Messwerte in Iberá im Mittel höher. Dieser Befund reicht nach den Ergebnissen aber nicht aus, um einen sicheren Unterschied im langfristigen Stressniveau zu behaupten.
Bei der Wiedergabe von Jaguar-Rufen änderte sich das Verhalten kurzfristig. Wasserschweine im Pantanal wurden wachsamer und unterschieden deutlich zwischen den Lauten eines Raubtiers und dem Kontrollreiz. In Iberá reagierten die Tiere dagegen auf beide Geräuscharten ähnlich stark.
Dies deutet darauf hin, dass Wasserschweine nach mehreren Generationen ohne große Raubkatzen zwar auf ungewöhnliche Geräusche reagieren, ein spezifisches Gefahrensignal aber weniger eindeutig erkennen. Die Ergebnisse sind auch für die Wiederansiedlung von Jaguaren relevant, weil Beutetiere dort möglicherweise erst wieder einen wirksamen Umgang mit diesen Räubern entwickeln müssen.