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Mann ist nach „Gemüse-Überdosis“ fast gestorben
Rote Bete enthält Nitrat, das im Körper verschiedene Wirkungen entfaltet. Ein Fallbericht beschreibt einen 82-jährigen Herzpatienten, bei dem nach dem Verzehr von fast drei Kilogramm gekochter Roter Bete pro Woche eine lebensgefährliche Blutstörung auftrat. Die Ärzte vermuten ein Zusammenwirken mit einem gefäßerweiternden Medikament. Über das Risiko bei gewöhnlichen Mengen sagt der Einzelfall wenig aus.
Los Angeles (U.S.A.). Gemüse ist eine wichtige Quelle für Nitrat. Der Körper kann einen Teil davon in Nitrit umwandeln, das unter bestimmten Bedingungen den roten Blutfarbstoff Hämoglobin chemisch verändert. Dann entsteht Methämoglobin, das keinen Sauerstoff mehr binden kann und so die Versorgung der Organe beeinträchtigt.
Normalerweise hält ein körpereigenes Enzymsystem den Anteil dieses veränderten Blutfarbstoffs niedrig. Wird diese Rückumwandlung überfordert, können Schwindel, eine blaugraue Verfärbung der Haut und im Extremfall Bewusstlosigkeit auftreten. Solche durch nitratreiche Nahrung begünstigten Fälle sind bislang vor allem von Säuglingen bekannt.
Forscher der University of California, Los Angeles (UCLA) um Dr. Chase E. Richard haben nun den Fall eines 82-jährigen Mannes beschrieben, der wegen einer gefährlichen Methämoglobinämie in die Notaufnahme kam. Die Ärzte suchten nach dem Auslöser der ungewöhnlichen Blutveränderung.
Der Mann litt an einer schweren koronaren Herzkrankheit und war nach einer dreifachen Bypassoperation erst zwei Monate zuvor erneut mit einem Stent behandelt worden. Nach dem Abendessen hatte er plötzlich Schwäche und Benommenheit verspürt und das Bewusstsein verloren. Bei der Einlieferung war sein Blutdruck stark erniedrigt, seine Haut schiefergrau.
Obwohl der Patient zusätzlichen Sauerstoff erhielt, zeigte das Messgerät am Finger nur 88 Prozent Sättigung an. Gleichzeitig ergab die arterielle Blutgasanalyse einen ungewöhnlich hohen Sauerstoffpartialdruck von 434 Millimeter Quecksilbersäule. Dieser auffällige Gegensatz veranlasste die Ärzte, nach einer Störung des Hämoglobins zu suchen.
Bei der Befragung berichtete der Patient, er habe zuletzt bis zu sechs Pfund oder rund 2,7 Kilogramm gekochte Rote Bete pro Woche gegessen und außerdem das Kochwasser getrunken. Daneben nahm er wegen seiner Herzerkrankung Isosorbid-Mononitrat, ein gefäßerweiterndes Arzneimittel aus der Gruppe der organischen Nitrate, ein.
Die spezielle Blutuntersuchung ergab einen Methämoglobinanteil von 20,9 Prozent. Weil dieser veränderte Blutfarbstoff selbst keinen Sauerstoff transportiert und die Sauerstoffabgabe des übrigen Hämoglobins beeinträchtigen kann, droht trotz eines hohen Sauerstoffpartialdrucks im Blut eine Unterversorgung der Gewebe. Besonders problematisch ist das bei bereits geschädigtem Herzmuskel.
Als wahrscheinliche Ursache vermuten die Autoren das Zusammentreffen großer Mengen pflanzlichen Nitrats mit dem Nitratmedikament. Beide könnten die körpereigenen Schutzmechanismen gegen die Oxidation des Blutfarbstoffs überlastet haben. Der Fallbericht erlaubt allerdings keinen sicheren Nachweis, welcher Anteil auf Ernährung, Arzneimittel oder weitere individuelle Faktoren entfiel.
Nach einer intravenösen Gabe des Gegenmittels Methylenblau in einer Dosierung von einem Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht besserte sich der Zustand rasch. Der Methämoglobinanteil normalisierte sich, und ohne zusätzlichen Sauerstoff zeigte das Fingergerät schließlich 99 Prozent an. Nach einer Änderung seiner Ernährung konnte der Patient ohne weiteren invasiven Eingriff entlassen werden.