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GPS-Störsignale über Europa beeinträchtigen auch Satelliten im Weltraum
Funkstörungen der Satellitennavigation treffen in Europa nicht nur Flugzeuge und Schiffe. Aus öffentlich verfügbaren Messdaten von Erdbeobachtungssatelliten lässt sich erkennen, dass auch in mehreren hundert Kilometern Höhe der Empfang von Navigationssignalen beeinträchtigt ist. Eine neue Karte dokumentiert die räumlichen Muster, kann die Störquellen aber nicht eindeutig identifizieren.
Kongens Lyngby (Dänemark). Auch Satelliten benötigen Navigationssignale, um ihre Position im Orbit möglichst genau bestimmen zu können. Dafür empfangen viele Erdbeobachtungssatelliten die Funksignale des amerikanischen GPS und des europäischen Galileo-Systems, die aus deutlich höheren Umlaufbahnen zur Erde gesendet werden. Doch diese Signale sind schwach und können auch weit oberhalb der Erdoberfläche gestört werden.
Störungen des satellitengestützten Navigationssystems sind in Europa bisher vor allem durch ihre Folgen für Flugzeuge und Schiffe bekannt. Die europäische Luftfahrtbehörde berichtet seit 2022 über eine deutliche Zunahme solcher Ereignisse, insbesondere in der Umgebung von Konfliktgebieten. Die neue Untersuchung richtet den Blick stattdessen auf die Empfänger an Bord von Satelliten in niedrigen Erdumlaufbahnen.
Forscher der Technical University of Denmark (DTU) um Kian Bostani Nezhad haben dafür frei zugängliche Navigationsdaten der europäischen Sentinel-Satelliten ausgewertet. Bostani Nezhad stellte die Arbeit unter dem Titel „Characterization of GNSS Interference in LEO over Europe“ auf der Raumfahrtkonferenz AMOS 2026 vor. Zugleich entwickelte er die öffentlich zugängliche Karte SAT-JAM, auf der sich die gemessenen Empfangsstörungen verfolgen lassen.
Für die Auswertung werden die Empfangsdaten der Satelliten mit ihren jeweiligen Bahnpositionen verknüpft. Die Software markiert Messungen, deren Verhältnis von Trägersignal zu Rauschen um mehr als eine Standardabweichung unter dem weltweiten Mittel liegt. Anschließend berechnet sie für ungefähr 300 Kilometer große Kartenfelder, wie groß der Anteil der auffälligen Beobachtungen ist. Die Darstellung fasst jeweils einen Zeitraum von ungefähr sechs Wochen zusammen.
Besonders häufig treten die Hinweise auf beeinträchtigten Empfang über Osteuropa auf, aber auch weitere Teile des Kontinents sind betroffen. Nach Angaben der Forscher reichen die ausgewerteten Fälle mindestens bis 2021 zurück, wobei sich die Situation 2024 besonders deutlich verschärft habe. Vergleichbare Störungsmuster sind in der Karte außerdem über Teilen Südostasiens zu erkennen.
„Mit diesem Onlinewerkzeug kann jetzt jeder Interessierte sehen, wo Störsignale Satelliten im Weltraum beeinträchtigen“, sagt Kian Bostani Nezhad.
Die Auswertung betrifft Satelliten in einigen hundert Kilometern Höhe, die ihre Position mithilfe globaler Navigationssatellitensysteme bestimmen. Das Problem entsteht, weil deren reguläre Signale am Empfänger relativ schwach ankommen. Stärkere Funkemissionen vom Boden können den Empfang überlagern, während auf dem Weg vom Boden zum Satelliten kaum Hindernisse liegen.
Das räumliche Muster ist nach Einschätzung des Teams mit einer bodengebundenen Störquelle im Westen Russlands nahe der ukrainischen Grenze vereinbar. Ein eindeutiger Nachweis für den Standort oder den Betreiber ergibt sich daraus jedoch nicht. Die Karte zeigt schließlich die Position des betroffenen Satelliten über der Erdoberfläche und nicht die Lage eines möglichen Störsenders.
SAT-JAM erkennt vor allem ungewöhnlich schwache Navigationssignale. Solche Einbrüche können zu absichtlichem Jamming passen, doch auch unbeabsichtigte Funkstörungen oder Einflüsse der Ionosphäre kommen grundsätzlich infrage. Zudem erzeugt das statistische Auswahlverfahren selbst ohne echte Störung einen kleinen Anteil auffälliger Messwerte. Gezieltes Aussenden falscher Positionssignale, das sogenannte Spoofing, lässt sich mit dieser Methode nicht zuverlässig erkennen.