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Pinguinsterben in der Antarktis geht vor allem auf Vogelcholera zurück
Auf zwei antarktischen Inseln lagen 2024 Tausende tote Adéliepinguine, zunächst schien die Vogelgrippe die naheliegende Ursache. Doch Untersuchungen von 49 verendeten Vögeln weisen überwiegend auf Vogelcholera hin. Die von einem Bakterium ausgelöste Krankheit könnte für die Tierwelt des Südozeans eine größere Bedrohung sein als bisher angenommen.
Davis (U.S.A.). Wenn in dicht besiedelten Pinguinkolonien viele Tiere gleichzeitig sterben, kommen verschiedene Krankheitserreger als Ursache infrage. Seit das hochpathogene Vogelgrippevirus H5N1 die Antarktis erreicht hat, steht es bei solchen Funden besonders im Blickpunkt.
Auf den Danger Islands, einer Inselgruppe vor der Antarktischen Halbinsel, richtete sich der Verdacht deshalb zunächst ebenfalls auf die Vogelgrippe. Dort brüten mehr als 1,2 Millionen Paare von Adéliepinguinen. Im März 2024 entdeckte eine internationale Expedition zwischen den Brutkolonien Tausende tote Pinguine und weitere verendete Seevögel.
Um die Todesursache zu klären, haben Forscher Abstriche und Gewebeproben von 49 Tierkadavern gesammelt und auf Infektionserreger untersucht. Von neun Tieren werteten sie zusätzlich Gewebeschnitte mikroskopisch aus. Damit konnten sie nicht nur nach Erregern suchen, sondern auch krankhafte Veränderungen im Gewebe beurteilen.
Die Laboranalysen ergaben einen deutlichen Unterschied zwischen den beiden vermuteten Krankheiten. Bei 46 der 49 beprobten Tiere wies das Team Erbgut des Bakteriums Pasteurella multocida nach, das die Vogelcholera auslöst. Das Vogelgrippevirus H5N1 fanden die Forscher hingegen nur bei wenigen Tieren.
Zusammen mit den Gewebebefunden führte dies zur Diagnose, dass Vogelcholera für den Tod der meisten untersuchten Tiere verantwortlich war. Die 46 positiven Nachweise beziehen sich allerdings auf die Stichprobe aus verschiedenen Vogelarten und nicht auf alle Tausenden verendeten Adéliepinguine.
„Allerdings erinnert dieser Fall daran, dass andere Krankheitserreger weiterhin in diesen Populationen zirkulieren und Todesfälle verursachen“, erklärt Dr. Ralph Vanstreels von der University of California, Davis (UC Davis).
Das internationale Team untersuchte auch das Erbgut der gefundenen Cholera-Bakterien. Die genetischen Vergleiche ergaben eine enge Verwandtschaft zu Bakterienstämmen aus anderen Gebieten des Südozeans, darunter Varianten, die schon vor mehr als 20 Jahren bei antarktischen Seevögeln nachgewiesen worden waren.
Dies spricht dafür, dass Vogelcholera kein erst kürzlich aufgetretenes Problem in dieser Region ist. Die Ähnlichkeit der Bakterien belegt jedoch nicht, auf welchem Weg der Erreger zwischen weit auseinanderliegenden Kolonien gelangt ist oder wann es zu einzelnen Übertragungen kam.
„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Vogelcholera als Ursache für das Seevogelsterben in der Antarktis weiter verbreitet und stärker unterschätzt sein könnte als bisher angenommen“, sagt Matteo Iervolino vom Erasmus University Medical Center (Erasmus MC).