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KI als Datenkrake: Gemini und Co. leiten Daten an die Werbeindustrie weiter
von André Westphal
17. Okt. 2026 |
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Mit einem Chatbot über dies und das zu plaudern oder sich zu diversen Themen Informationen zu holen, hat Hochkonjunktur und ist im Alltag vieler Menschen bereits verankert. Dabei solltet ihr allerdings nicht zu leichtfertig bei der Preisgabe sensibler Informationen sein. Denn eine neue Studie zeigt, dass sechs von neun untersuchten KI-Chatbots diverse Gesprächsinformationen an Tracking- und Werbedienste übermitteln.
So reichen die untersuchten Chatbots je nach Anbieter z. B. Titel und Links von Chats, wörtliche Eingaben und sogar teilweise Screenshots weiter. Das zeigen Untersuchungen des Forschungsinstituts IMDEA Networks aus Madrid (via Netzpolitik). Geprüft hat man konkret ChatGPT, Claude, Perplexity, Grok, Gemini, Mistral AI, Meta AI, DeepSeek und Microsofts Copilot. Das Ergebnis ist, dass 6 von 9 Webversionen und 3 von 9 Android-Apps Informationen aus den Gesprächen auch mit Tracking- und Werbediensten geteilt haben. An wen flossen die Daten? Nun, unter anderem auch an Google, Meta oder TikTok.
Pikant ist, dass schon die Titel der Chats oft sensible Informationen preisgeben. Wer sich etwa über Geschlechtskrankheiten belesen will, könnte in Kauf nehmen müssen, dass der KI-Chatbot der Wahl einen Titel wie "Geschlechtskrankheiten nach One-Night-Stands in der Ehe" weitertratscht. Laut der Studie geben nämlich Gemini, Grok und Mistral derartige Chat-Titel an Dritte weiter.
Heikler wird es, wenn zusätzlich auch noch E-Mail-Adressen weitergegeben werden. Das war bei den Chatbots von Anthropic, Mistral und Perplexity AI der Fall. Wiederum wurden Nutzer-IDs bei ChatGPT, Claude, Le Chat und Perplexity schön weitergereicht. Das bedeutet, dass Dritte, wie Werbefirmen, oft Verknüpfungen mit bereits vorhandenen Daten herstellen können.
In der Studie konnte man auch herausfinden, dass Links, welche die Chatbots automatisch für Chats erstellen, um sie leichter auffindbar zu machen, ebenfalls an Dritte gingen. Das war bei ChatGPT, Claude, Grok, Mistral und Perplexity der Fall. Immerhin: Bei ChatGPT, Claude und Mistral sind die verlinkten Gespräche nur für die jeweiligen Ersteller zugänglich. Problematisch ist, dass die Chat-Links hingegen bei Perplexity auch von Dritten geöffnet werden können.
Besonders hart geht die Studie mit Grok ins Gericht. Der Chat-Bot von xAI überträgt laut der Studie nämlich bei Gesprächen im Browser nicht nur den Chat-Titel, sondern frei Haus auch den Chat-Link an Drittanbieter wie Meta, TikTok, Google und Twitter Analytics. Das betrifft sowohl die kostenlose als auch die kostenpflichtige Version von Grok. Generell fand man heraus, dass kostenpflichtige Varianten von KI-Chatbots beim Datenschutz bzw. der Weitergabe von Daten größtenteils keine Unterschiede zu den kostenlosen Versionen aufwiesen.
Einschränken könnt ihr das Tracking manuell kaum. Die Forscher lehnten etwa zum Test alle nicht notwendigen Cookies ab. Dennoch blieben 80,8 % der beobachteten Drittanbieter-Tracker aktiv. Die Ergebnisse teilte das Forschungsteam bereits im April 2026 mit europäischen Datenschutzbehörden. Getan hat sich seitdem aber offenbar wenig.
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