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2.200 Jahre alte Fingerabdrücke enthüllen die Erbauer der Terrakotta-Armee
Spuren im Ton: Wer die Soldatenfiguren im Grabmal des ersten chinesischen Kaisers fertigte, war bisher nur lückenhaft bekannt. Jetzt legen 79 erhaltene Fingerabdrücke nahe, dass neben erwachsenen Männern auch Frauen und Jugendliche an der Herstellung beteiligt waren. Die errechneten Anteile beschreiben allerdings Fingerabdrücke und nicht die Zusammensetzung der damaligen Belegschaft.
Jinan (China). Seit ihrer Entdeckung im Jahr 1974 gehören die lebensgroßen Terrakotta-Krieger des ersten chinesischen Kaisers Qin Shihuang zu den bekanntesten archäologischen Funden. Tausende Figuren wurden für sein Mausoleum geschaffen, mit unterschiedlichen Gesichtern, Frisuren und Rüstungen. Doch wer die Figuren damals formte und zusammensetzte, ist weit weniger gut bekannt als das Ergebnis ihrer Arbeit.
Bislang wurde häufig angenommen, dass vor allem erwachsene Männer für die Herstellung verantwortlich waren. Historische Aufzeichnungen belegen zwar, dass in den staatlich beaufsichtigten Werkstätten der Qin-Zeit auch Frauen und junge Menschen arbeiteten. Ob dies ebenso für die Terrakotta-Armee galt, ließ sich daraus jedoch nicht eindeutig ableiten.
Forscher der Shandong University (SDU) um Prof. Jingyi Shen haben nun biologische Spuren der antiken Handwerker ausgewertet. Ihre Untersuchung umfasst 79 gut erhaltene Fingerabdrücke auf Tonkriegern aus der Einheit T23 in Grube 1 des Mausoleums. Damit wollen die Archäologen nicht nur rekonstruieren, wie die Figuren entstanden, sondern auch Hinweise auf die Menschen hinter ihrer Herstellung gewinnen.
Die Abdrücke entstanden, als Handwerker den noch feuchten Ton bearbeiteten, Einzelteile zusammenfügten oder Verzierungen anbrachten. Sichtbar blieben dabei die feinen Hautleisten der Finger. Deren mittlerer Abstand verändert sich im Laufe des Wachstums und unterscheidet sich bei Erwachsenen auch statistisch zwischen Männern und Frauen.
Allerdings überlappen sich die Messbereiche erheblich. So kann der Abdruck eines heranwachsenden Jungen ähnliche Leistenabstände aufweisen wie der einer erwachsenen Frau. Aus einer einzelnen Spur lässt sich daher weder das Alter noch das Geschlecht zuverlässig bestimmen. Die Forscher nutzten deshalb ein sogenanntes Bayes’sches Mischungsmodell, das die wahrscheinlichen Anteile verschiedener Gruppen aus der gesamten Messwertverteilung berechnet.
Die Modellrechnung ergab ein anderes Bild als die verbreitete Vorstellung einer ausschließlich männlichen Handwerkerschaft: 45,0 Prozent der untersuchten Fingerabdrücke wurden erwachsenen Männern zugeordnet. Weitere 32,7 Prozent entfallen demnach auf erwachsene Frauen und 22,3 Prozent auf junge Menschen unter 15 Jahren. Die Altersgrenze orientiert sich an historischen Rechtsquellen aus der Qin-Zeit.
Damit liefern die Spuren Hinweise darauf, dass auch Frauen und Jugendliche bei der Fertigung der Terrakotta-Krieger mitwirkten. Denkbar ist beispielsweise, dass jüngere Lehrlinge einfachere Arbeiten ausführten, während erfahrene Handwerker anspruchsvollere Teile formten. Welche Aufgaben tatsächlich auf welche Gruppe entfielen, lässt sich aus den Fingerabdrücken allein jedoch nicht ablesen.
Der Befund ergänzt damit schriftliche Zeugnisse über die Organisation antiker Werkstätten. Er zeigt zugleich, weshalb Materialspuren neue Fragen beantworten können: Während Inschriften eher Verwaltung, Werkstätten und Verantwortlichkeiten dokumentieren, bewahren die feuchten Tonoberflächen unmittelbare Spuren einzelner Arbeitsschritte.
Die Prozentzahlen dürfen allerdings nicht als Anteile der damaligen Beschäftigten verstanden werden. Ein Handwerker konnte mehrere Fingerabdrücke hinterlassen, während andere womöglich kaum erkennbare Spuren erzeugten. Auch Unterschiede in Arbeitsweise und Erfahrung beeinflussen, wie häufig ein Abdruck im Ton zurückbleibt. Die Stichprobe stammt zudem nur aus einem begrenzten Abschnitt des riesigen Fundorts.