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Russischer Satellit nähert sich ungebührlich westlichem Radarsatelliten
Ein russischer Satellit ist sehr nahe zu einem Radarsatelliten geflogen, den das ukrainische Militär nutzt. Der Zweck des Manövers ist noch unklar.
Künstlerische Darstellung eines Radarsatelliten von Iceye im Orbit: erster ASAT-Angriffs im Orbit?
Russland greift möglicherweise gerade einen Satelliten im Weltall an: Mehrere vom Militär gestartete Satelliten verfolgen seit einigen Monaten einen zivilen westlichen Satelliten. Dieser Tage sind sich die Satelliten bedenklich nahegekommen.
Am Sonntagmorgen scheint der russische Satellit Kosmos 2612 dem Satelliten Iceye-X36 „auf wenige hundert Meter oder möglicherweise (viel) näher gekommen zu sein“, schreibt der niederländische Astronom und Satellitenbeobachter Marco Langbroek in seinem Blog Sat Track Cam Leiden. „Ich frage mich deshalb besorgt, ob wir hier vielleicht Zeugen eines ersten tatsächlichen ASAT-Angriffs im Orbit werden...“ Die Abkürzung ASAT seht für Anti-Satellite Activities. Sat Track Cam Leiden ist nicht der einzigen Satelliten-Tracker, der die extreme Annäherung dokumentiert hat.
Iceye-X36 ist ein Satellit des finnischen Radarsatellitenherstellers Iceye. Die Finanzierung kam zum Teil durch Spenden aus der Ukraine zustande. Er ist in den USA registriert und wird von der Ukraine zu militärischen Zwecken genutzt.
Kosmos 2612 wurde im April zusammen mit drei weiteren Satelliten gestartet, die sich an die Verfolgung von Iceye-X36 machten und sich ihm bereits im Mai bis auf 2,5 Kilometer näherten. Iceye bewegte daraufhin seinen Satelliten auf eine andere Position. Die vier russischen Satelliten folgten.
Ab Ende September manövrierte Kosmos 2612 bis auf fast die Höhe und die Bahnebene von Iceye-X36. Der russische Satellit habe damit eine Position eingenommen, von der aus er mit wenig Energieaufwand dem Iceye-Satelliten sehr nahe kommen könne, sagte Clayton Swope vom US-Thinktank Center for Strategic and International Studies (CSIS) in einem auf dem Kurznachrichtendienst X veröffentlichten Video.
Es sei nicht klar, was Russland damit beabsichtige, sagt Swope. Die Annäherung könnte Zufall sein und der russische Satellit könnte zu einem anderen Orbit weiterfliegen. Der russische Satellit könnte aber auch versuchen, Iceye-X36 zu behindern, indem er etwa mit einem Jammer dessen Signale stört. Oder er könnte gegen den Satelliten vorgehen: Vielleicht habe er einen Laser an Bord, mit dem er den anderen Satelliten oder zumindest dessen Ausrüstung beschädigen könne, oder eine kinetische Waffe, um den anderen Satelliten zu zerstören.
Russland habe schon früher verdächtige Manöver nahe von US-Satelliten durchgeführt und eine Waffe im Weltall sei noch nicht zum Einsatz gekommen, führte Swope aus. Aber angesichts der jüngsten Aktionen Russlands auf der Erde – von Cyberangriffen und Störungen von GPS-Signalen bis hin zu einer mutmaßlichen Drohnenattacke in Deutschland – sollten wir besorgt sein: „Es gibt vieles, mit dem die Russen hier auf der Erde die Grenzen austesten. Es sollte uns nicht überraschen, wenn sie es gerade jetzt auch im Weltraum versuchten.“
Russische Satelliten sind nicht die einzigen, die sich verdächtig gegenüber westlichen Satelliten verhalten: Ein mutmaßlicher chinesischer Spionagesatellit näherte sich kürzlich einem Kommunikationssatelliten von Inmarsat – möglicherweise, um diesen abzuhören. Über das Netz des britischen Satelliten-Telekommunikationsunternehmens kommuniziert unter anderem auch die Bundeswehr.