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Riesige Phantomqualle bietet Jungfischen in der Tiefsee Schutz
Vor der Küste Patagoniens begleiteten rund 19 Jungfische eine etwa sechs Meter lange Riesen-Phantomqualle in rund 250 Metern Tiefe. Filmaufnahmen zeigen, wie sich die kleinen Tiere unter ihrem Schirm und an den Mundarmen aufhalten. Die Begegnung legt nahe, dass die Fische dort Schutz und möglicherweise Nahrung finden. Ob auch die Qualle davon profitiert, bleibt offen.
Buenos Aires (Argentinien). In der Wassersäule unterhalb der lichtdurchfluteten Meeresoberfläche sind Begegnungen zwischen verschiedenen Tierarten nur schwer zu beobachten. Aus Fängen lässt sich zwar ableiten, welche Arten im selben Gebiet vorkommen. Wie sie sich im natürlichen Lebensraum zueinander verhalten, zeigt sich aber erst auf Unterwasserbildern. Das gilt besonders für große Quallen, die viele Meter lange Körperfortsätze besitzen und dennoch nur selten gefilmt werden.
Die Riesen-Phantomqualle Stygiomedusa gigantea zählt zu diesen schwer zu erforschenden Tiefseebewohnern. Anders als manche anderen Quallen besitzt sie keine langen Fangtentakel mit Nesselzellen, sondern vier ausgedehnte Mundarme zum Beutefang. Ob kleinere Fische die Arme und den großen Schirm als Unterschlupf nutzen, lässt sich aus vereinzelten Funden nicht sicher ableiten.
Forscher der Universidad de Buenos Aires (UBA) um Dr. María Emilia Bravo haben nun Videoaufnahmen einer Expedition entlang des argentinischen Kontinentalrandes ausgewertet. Das ferngesteuerte Unterwasserfahrzeug SuBastian filmte die Tiere während der Forschungsfahrt „Vida en los Extremos“ zwischen Dezember 2025 und Januar 2026. Die Aufnahmen dokumentieren eine bisher nicht direkt beobachtete Kombination zweier Arten.
Das Tauchgerät entdeckte die Phantomqualle vor Patagonien in 250 bis 257 Metern Wassertiefe über einem untermeerischen Canyon. Von der Oberseite des Schirms bis zu den Enden ihrer Mundarme maß das Tier ungefähr sechs Meter. Der Schirm hatte einen Durchmesser von etwa einem Meter, die herabhängenden Arme waren rund fünf Meter lang.
In ihrer unmittelbaren Nähe schwammen etwa 19 junge Schwarzfische der Art Centrolophus niger. Sie hielten sich hauptsächlich an der Unterseite des Quallenschirms und dicht an den Mundarmen auf. Diese Anordnung passt zu der Vermutung, dass der riesige Körper den Jungfischen als beweglicher Schutzraum dienen könnte.
Ein tatsächlicher Schutz vor Fressfeinden wurde allerdings nicht beobachtet. Die Forscher können deshalb nicht feststellen, ob die Fische dort seltener angegriffen werden als im freien Wasser. Die Unterwasserbilder belegen zunächst, dass sich der gesamte Schwarm eng an dieser einen Qualle aufhielt.
Die Aufnahmen zeigen noch eine weitere Verhaltensweise. Einer der Jungfische fraß direkt an der Oberfläche eines Quallenarms. Was er dort aufnahm, war jedoch nicht zu erkennen. Infrage kommen beispielsweise kleine Organismen oder Parasiten auf der Qualle, zuvor gefangene Beutetiere oder Gewebe der Qualle selbst.
Damit bleibt auch die ökologische Bedeutung der Verbindung offen. Für die Jungfische sind Schutz und zusätzliche Nahrung denkbare Vorteile. Ob die Phantomqualle davon profitiert, etwa weil Fische Parasiten entfernen, ließ sich bei der Begegnung nicht nachweisen. Ebenso wenig steht fest, ob die Fische ihrem großen Begleiter unter Umständen schaden.
Eine Verbindung zwischen Schwarzfischen und Riesen-Phantomquallen wurde bereits 1973 vermutet. Damals stammten die Hinweise von Tieren, die gemeinsam in Schleppnetzen gefangen worden waren. Direkte Beobachtungen gab es hingegen von erwachsenen Fischen einer anderen Art, die einzelne Phantomquallen in Gewässern der Nordhalbkugel begleiteten.