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Messbojen könnten Sturmprognosen im Mittelmeer verbessern
Über dem Mittelmeer fehlen vielerorts Messwerte, die Wettermodelle für die Vorhersage heftiger Stürme benötigen. Beim zerstörerischen Sturm Harry im Januar 2026 haben treibende Messbojen nach einer neuen Studie geholfen, bestimmte Prognosefehler zu verringern und kleinräumige Tiefdruckgebiete genauer abzubilden. Ob dadurch auch Regen- und Sturmwarnungen verlässlicher werden, muss weiter untersucht werden.
Lecce (Italien). Die Vorhersage von Unwettern über dem Mittelmeer ist schwierig, wenn kleine Tiefdruckgebiete rasch entstehen und ihre Position verändern. Gerade im Ionischen Meer und im zentralen Mittelmeer liefern nur wenige Messstationen direkte Luftdruckdaten von der Meeresoberfläche. Satelliten erfassen zwar große Teile des Wettergeschehens, ersetzen diese Messungen aber nicht vollständig.
Wie folgenschwer solche Stürme sein können, zeigte Harry vom 18. bis 21. Januar 2026. In Süditalien fielen innerhalb von drei Tagen an 23 Stationen mehr als 300 Millimeter Regen, an acht Stationen sogar über 400 Millimeter. Im Osten Siziliens wurden maximal 482,5 Millimeter gemessen. Die großräumige Wetterlage und die heftigen Niederschläge in Süditalien waren bereits etwa eine Woche zuvor vergleichsweise gut vorhergesagt worden, während die Prognosen für Nordafrika deutlich unsicherer blieben.
Forscher des European Centre for Medium-Range Weather Forecasts (ECMWF) um Dr. David A. Lavers haben nun untersucht, welchen Beitrag zusätzliche Messbojen während Harry leisteten. Dabei verglichen sie Beobachtungsdaten und Modellrechnungen aus dem Mediterranean Extreme Events Experiment (M3E), das Messlücken im Mittelmeer schließen soll.
Seit September 2025 wurden im Rahmen des Projekts insgesamt 20 driftende Bojen ausgesetzt, die mit den Meeresströmungen treiben. Sie messen den Luftdruck und die Temperatur an der Wasseroberfläche und senden ihre Werte stündlich per Satellit an die Wetterdienste. Im für die Untersuchung verwendeten Vorhersagesystem gingen die Luftdruckdaten direkt in die Berechnungen ein.
Solche Messungen sind vor allem dort wichtig, wo sich kleinere Tiefdruckgebiete entwickeln und die großräumige Wetterlage allein für verlässliche lokale Vorhersagen nicht ausreicht. Gerade diese kurzlebigen Systeme erschwerten im Januar die Prognosen für die nordafrikanische Mittelmeerküste.
„Diese Systeme verdeutlichen, wie wichtig es ist, Beobachtungen direkt auf See zu sammeln. Im Ionischen Meer und im zentralen Mittelmeer gab es historisch nur wenige atmosphärische Messungen vor Ort, obwohl dort heftige Stürme und langlebige Zyklone entstehen können“, erklärt Emanuela Clementi von der CMCC Foundation – Euro-Mediterranean Center on Climate Change (CMCC).
Die Forscher prüften zunächst mit einer statistischen Auswertung, wie einzelne Luftdruckmessungen die Güte der Vorhersagen nach 24 Stunden beeinflussten. Bei einer Boje im Ionischen Meer zeigten die Werte am 19. Januar einen besonders günstigen Einfluss auf die Prognose. Sie erfasste eine starke Druckänderung, als Harry über die Region zog.
Über den gesamten untersuchten Winter war der durchschnittliche Nutzen der neuen Bojen allerdings gering, und einzelne Messstationen lieferten zeitweise auch ungünstige Beiträge. Die Analyse deutet damit auf einen besonders hohen Wert zusätzlicher Daten bei bestimmten Wetterlagen hin, nicht auf eine gleichmäßige Verbesserung jeder Vorhersage.
Ein zweiter Modelltest sollte den Einfluss der Bojen unabhängig davon sichtbar machen. Dazu berechnete das Team den Verlauf von Harry für den 19. und 20. Januar zweimal, einmal mit sämtlichen verfügbaren Beobachtungen und einmal ohne die Daten der treibenden Bojen im Mittelmeer. Die Modellauflösung betrug rund neun Kilometer.