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Fische aus kälteren Arktis-Seen enthalten mehr Quecksilber
Gift im hohen Norden: Arktische Saiblinge aus tiefen, kalten Seen enthalten deutlich mehr Quecksilber als ihre Artgenossen in benachbarten flachen Gewässern. Das zeigt der Vergleich von vier Seen auf einer kanadischen Arktisinsel. Die Ergebnisse deuten an, dass die Erwärmung die Schadstoffanreicherung verändern könnte, doch die Ursachen sind noch nicht geklärt.
Innsbruck (Österreich). Die kanadische Hocharktis liegt weit entfernt von den großen Industriezentren. Dennoch gelangen Schadstoffe mit der Luft bis in ihre Seen und können sich dort in der Nahrungskette anreichern. Besonders problematisch ist Quecksilber: Ein Teil davon wird in Gewässern zu Methylquecksilber umgewandelt, das sich in den Geweben von Tieren ansammelt.
Über kleine Bodentiere gelangt das giftige Methylquecksilber in Fische. Wie stark sie belastet werden, hängt jedoch nicht nur von den Schadstoffmengen im Wasser ab. Auch ihre Nahrung, ihr Wachstum und die Bedingungen im jeweiligen See spielen eine Rolle. Warum selbst nahe beieinanderliegende Gewässer so unterschiedliche Belastungen aufweisen, war bisher nicht ausreichend geklärt.
Forscher der University of Windsor (UWindsor) um Karista Elizabeth Hudelson haben deshalb untersucht, warum Arktische Saiblinge in benachbarten Seen auf Cornwallis Island unterschiedlich viel Quecksilber im Muskelfleisch tragen. Das Team verglich dazu vier Seen nahe Resolute Bay, die sich vor allem in ihrer Tiefe, Wassertemperatur und Produktivität unterscheiden.
Meretta Lake und Small Lake sind relativ flach und im Sommer wärmer als die beiden tieferen Gewässer Char Lake und Resolute Lake. Die Wissenschaftler analysierten See- und Porenwasser, Sedimente sowie Zuckmücken und ihre Larven. Dabei bestimmten sie unter anderem die Konzentration von Methylquecksilber. Bei den Saiblingen untersuchten sie dagegen den gesamten Quecksilbergehalt im Muskelfleisch und berücksichtigten statistisch die Körperlänge der Tiere.
Die Analysen enthüllten: Im kälteren Char Lake lag der längenkorrigierte Quecksilbergehalt der Saiblinge bei durchschnittlich 0,50 Mikrogramm pro Gramm Trockengewicht. In den beiden flacheren Seen Meretta und Small erreichte er dagegen jeweils nur 0,11 Mikrogramm pro Gramm. Damit war das Fischfleisch aus dem Char Lake rund viereinhalbmal so stark belastet.
Doch nicht jeder tiefe See wies solche Werte auf. Im ebenfalls kühlen Resolute Lake betrug der entsprechende Gehalt lediglich 0,15 Mikrogramm pro Gramm Trockengewicht. Die Wassertemperatur allein erklärt die Unterschiede daher nicht. Im Sommer wurden für die beiden flachen Seen durchschnittlich 3,2 bis 3,4 Grad Celsius gemessen, in den tieferen Gewässern 1,1 bis 2,0 Grad Celsius.
Besonders auffällig war ein gegensätzlicher Befund im Wasser: Ausgerechnet der wärmere Meretta Lake enthielt mehr Methylquecksilber als der wesentlich stärker mit Quecksilber belastete Char Lake. Die Menge des Stoffes im Wasser lässt demnach nicht unmittelbar erkennen, wie viel davon schließlich in den Fischen landet. Entscheidend ist offenbar auch, was auf dem Weg durch die Nahrungskette geschieht.
Dafür betrachteten die Forscher die Zuckmücken genauer. Ihre Larven leben am Gewässerboden und gehören zu den Beutetieren der Saiblinge. Im Verhältnis zu den Quecksilbergehalten der Larven fielen die Werte im Fischfleisch der tieferen Seen im Mittel höher aus. Das deutet auf eine stärkere Anreicherung entlang der Nahrungskette hin, wobei sich auch die beiden tiefen Seen deutlich unterschieden.
Dagegen konnten die Wissenschaftler keinen entsprechenden Zusammenhang mit der Fähigkeit der Sedimente feststellen, anorganisches Quecksilber in Methylquecksilber umzuwandeln. Statistische Zusammenhänge zeigten sich vielmehr beim organischen Kohlenstoff im Seewasser sowie beim gesamten Quecksilbergehalt des See- und Porenwassers. Das legt nahe, dass die Prozesse in der Wassersäule für den Transport des Schadstoffs besonders wichtig sein könnten.