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Expedition untersucht Langzeitschäden durch den Tiefseebergbau
Die Gewinnung metallreicher Manganknollen kann den Lebensraum am Tiefseeboden schwer beschädigen. Nun kehren Forscher in ein Testgebiet im Pazifik zurück, um fünfeinhalb Jahre nach einem Abbauversuch die verbliebenen Folgen zu untersuchen. Sie wollen klären, ob sich die Tierwelt erholt und wie lange aufgewirbelte Sedimente nachwirken. Neue Messergebnisse stehen noch aus.
Kiel (Deutschland). In der Clarion-Clipperton-Zone zwischen Hawaii und Mexiko liegen große Mengen metallreicher Manganknollen auf dem Meeresboden. Sie enthalten unter anderem Mangan, Nickel und Kobalt und sind deshalb für einen möglichen Tiefseebergbau interessant. Zugleich bilden die Knollen in mehr als 4.000 Metern Tiefe einen festen Untergrund für Tiere, die im weichen Sediment sonst kaum Halt finden.
Die Knollen wachsen äußerst langsam. In einer Million Jahren wachsen sie nur um rund ein bis zwei Millimeter, wie die beteiligten Meeresforscher erklären. Werden sie abgeräumt, geht ein Lebensraum verloren, der sich nicht innerhalb menschlicher Zeiträume neu bilden kann. Offen ist vor allem, wie sich die übrige Lebensgemeinschaft von der Störung erholt.
Um das zu prüfen, sind Forscher des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel um Dr. Matthias Haeckel am 17. Oktober 2026 mit dem Forschungsschiff SONNE zur Expedition SO322 aufgebrochen. Bis zum 9. Dezember sollen Messungen in denselben Knollenfeldern und an ungestörten Vergleichsflächen stattfinden. Die Fahrt gehört zum europäischen Forschungsverbund MiningImpact.
Im Frühjahr 2021 hatte das belgische Unternehmen Global Sea Mineral Resources einen ferngesteuerten Sammler in mehr als 4.000 Metern Tiefe erprobt. Das Fahrzeug war 74 Stunden im Einsatz, legte etwa 32 Kilometer zurück und sammelte auf rund 54.000 Quadratmetern Manganknollen ein. Der Eingriff entfernte Knollen samt darauf siedelnden Lebewesen und griff in die oberste Sedimentschicht ein.
Wie weit die aufgewirbelten Sedimente verteilt wurden, ließ sich bereits bei der damaligen wissenschaftlichen Begleitmessung erfassen. Eine 2025 veröffentlichte Fachstudie dokumentierte eine bodennahe Sedimentwolke noch in 4,5 Kilometern Entfernung und Ablagerungen von etwa drei Zentimetern Dicke neben den Fahrspuren. Diese Messungen zeigen die Folgen während und kurz nach dem Test, aber noch nicht den Zustand nach fünfeinhalb Jahren.
Eine rasche Rückkehr der an Manganknollen gebundenen Tiere hält Expeditionsleiter Haeckel angesichts des verlorenen festen Untergrunds für unwahrscheinlich. Das ist bislang eine Prognose und kein Ergebnis der neuen Forschungsfahrt.
„Wir werden keine Wiederbesiedlung sehen.“ Das erwartet Dr. Matthias Haeckel.
Auch jenseits der Sammelspuren können Folgen zurückbleiben. Feine Partikel sinken wieder auf den Meeresboden und bedecken dabei Organismen, die sich nicht fortbewegen können. Einige filtern ihre Nahrung aus dem Wasser und könnten durch zusätzlichen Sedimenteintrag beeinträchtigt werden. Wie lange diese Wirkungen anhalten, soll erst die erneute Untersuchung zeigen.
„Einige Organismen können sich reinigen, andere nicht. Diejenigen, die ihre Nahrung aus dem Wasser filtern, werden sehr wahrscheinlich auch beeinträchtigt.“ So erläutert Haeckel mögliche Folgen der Sedimentwolken.