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Chicxulub: „Dino-Killer-Asteroid“ hat jahrzehntelange Nachbeben ausgelöst
Unruhe nach der Katastrophe: Der Asteroideneinschlag vor 66 Millionen Jahren könnte die Erde noch über Jahrzehnte hinweg erschüttert haben. Dafür sprechen ungewöhnliche Ton- und Trümmerschichten an der US-Ostküste, die offenbar wiederholt umgelagert wurden. Ob tatsächlich zahlreiche späte Nachbeben und Tsunamis dahinterstecken, ist allerdings noch nicht bewiesen.
Piscataway (U.S.A.). Der Einschlag eines gewaltigen Asteroiden auf der heutigen Halbinsel Yucatán beendete vor rund 66 Millionen Jahren die Kreidezeit. Gewaltige Erdstöße, Flutwellen und ein Regen aus ausgeworfenem Gestein erschütterten die Welt. Danach folgten Dunkelheit und ein globales Massenaussterben, dem auch die nicht flugfähigen Dinosaurier zum Opfer fielen.
Wie sich die ersten Stunden nach dem Einschlag abspielten, lässt sich aus Gesteinsschichten inzwischen relativ gut rekonstruieren. Doch die Frage, wie lange der Meeresboden danach noch aufgewühlt wurde, ist weit weniger klar. Ablagerungen an der Atlantikküste Nordamerikas könnten nun eine wesentlich längere Nachwirkung dokumentieren.
Forscher der Rutgers University um Prof. Kenneth G. Miller haben dazu Bohrkerne und aufgeschlossene Sedimentschichten in New Jersey neu verglichen. Die Fundorte liegen rund 2.500 Kilometer vom Chicxulub-Krater entfernt und befanden sich zur Kreidezeit in unterschiedlich tiefem Meerwasser. Das Team untersuchte unter anderem die Korngrößen, die mineralische Zusammensetzung und auffällige Verformungen der Ablagerungen.
An der Bohrstelle Bass River, die damals unter etwa 100 Metern Wasser lag, blieb eine rund sechs Zentimeter mächtige Schicht winziger Kügelchen weitgehend ungestört. Diese sogenannten Sphärulen entstanden aus Gesteinsmaterial, das beim Einschlag in die Atmosphäre geschleudert wurde und noch am selben Tag auf den Meeresboden sank. Hier blieb dieser frühe Niederschlag trotz der nachfolgenden Flutwellen erhalten.
Im flacheren Meer verlief die Entwicklung anders. Bei Ancora, einst rund 70 Meter unter der Wasseroberfläche, wurden vergleichbare Kügelchen bereits umgelagert. Die Verteilung passt zu starken Strömungen, wie sie ein Tsunami auslösen kann.
Besonders auffällig ist eine 30 bis 60 Zentimeter mächtige Sedimentfolge bei Campo Pit und einer benachbarten Bohrstelle. Auf rötlichen Ton folgt grünlicher Ton, durchsetzt mit Gesteinsbruchstücken und erneut verteilten Einschlagskügelchen. Unterschiedliche Korngrößen und kissenartige Verformungen im ehemals weichen Sediment deuten darauf hin, dass das Material mehrfach in Bewegung geriet.
In der grünen Lage fanden die Geologen außerdem eine auffällige Anreicherung von Iridium. Dieses auf der Erdoberfläche seltene Element ist ein wichtiger Hinweis auf Material aus dem Asteroideneinschlag. Nach dem Vergleich mit Modellen könnte der feine Einschlagsstaub erst etwa zehn bis zwanzig Jahre später dort abgelagert worden sein. Die Zeitangabe ist allerdings aus Berechnungen zur Verweildauer von Staub in der Atmosphäre abgeleitet und nicht direkt aus dem Ton datiert.
Oberhalb dieser Zone liegen etwa fünf bis zehn hauchdünne, helle Tonschichten mit dem Mineral Kaolinit. Die Forscher vermuten, dass sie einzelne spätere Umlagerungen dokumentieren. Wiederkehrende Tsunamis nach schweren Nachbeben wären dafür eine mögliche Erklärung.
Für die Hypothese spricht auch, dass Teile des roten und grünen Tons verformt sind, obwohl sie schon abgelagert gewesen sein müssen. Solche Spuren könnten auf ein späteres starkes Beben zurückgehen. Als möglicher Auslöser kämen Veränderungen der Spannungen in der Erdkruste nach dem gewaltigen Einschlag infrage.