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Anhänger von Verschwörungstheorien überschätzen die Zustimmung anderer
Eine Serie von sechs Studien mit insgesamt 2.906 Teilnehmern zeigt, dass Menschen, die Verschwörungstheorien für plausibel halten, die Zustimmung anderer häufig überschätzen. In Experimenten verstärkte das Lesen einer verschwörerischen Darstellung die vermutete Zustimmung anderer. Konkrete Vergleichsdaten konnten den eigenen Glauben an solche Behauptungen dagegen abschwächen.
Maastricht (Niederlande). Ob eine Behauptung glaubhaft erscheint, hängt nicht nur von ihrem Inhalt ab, denn bei unsicheren Einschätzungen orientieren sich Menschen auch daran, was andere für richtig halten. In sozialen Netzwerken können besonders auffällige Beiträge deshalb einen falschen Eindruck davon vermitteln, wie verbreitet eine Meinung tatsächlich ist.
Auch Verschwörungserzählungen profitieren möglicherweise von diesem Effekt, weil eine vermeintlich breite Zustimmung die eigene Position zu bestätigen scheint. Doch bislang war nicht ausreichend geklärt, wie solche Einschätzungen durch das Lesen einer Verschwörungstheorie entstehen und ob eine Korrektur des Eindrucks den eigenen Glauben verändert.
Forscher der Vrije Universiteit Amsterdam (VU) um Prof. Jan-Willem van Prooijen haben dazu sechs vorab registrierte Online-Untersuchungen mit insgesamt 2.906 Teilnehmern aus den USA und Großbritannien durchgeführt. Sie verglichen eigene Urteile über Verschwörungsbehauptungen mit Schätzungen darüber, wie überzeugend andere Testpersonen dieselben Aussagen fanden, und setzten in vier der Untersuchungen experimentelle Bedingungen ein.
In den ersten beiden Studien bewerteten 300 Menschen aus den USA und 299 aus Großbritannien die Plausibilität von zehn Verschwörungsbehauptungen auf einer Skala von null bis 100 und schätzten anschließend, welche durchschnittliche Bewertung andere Teilnehmer abgegeben hatten. Während die tatsächlichen Mittelwerte bei 33,09 beziehungsweise 34,16 lagen, schätzten die Befragten im Mittel 39,85 beziehungsweise 42,30.
Je eher jemand selbst an die Behauptungen glaubte, desto höher schätzte er auch die Zustimmung anderer ein, wobei beide Merkmale deutlich korrelierten. Besonders überzeugte Teilnehmer lagen mit ihren Schätzungen zudem weiter vom gemessenen Durchschnitt entfernt. Daraus folgt allerdings nicht, dass die vermeintliche Mehrheit ihren Glauben verursacht hat.
In zwei weiteren Experimenten lasen insgesamt rund 1.000 Teilnehmer entweder einen Blogbeitrag, der Pharmakonzernen das absichtliche Zurückhalten von Heilmitteln unterstellte, oder einen Text, der diese Behauptung zurückwies. Anschließend bewerteten sie sowohl ihre eigene Zustimmung zu vier verwandten Vorwürfen als auch die vermutete Zustimmung anderer Teilnehmer.
Unter den US-Teilnehmern lag die eigene Plausibilitätsbewertung nach dem verschwörerischen Beitrag im Mittel bei 61,78 Punkten, nach dem Gegenbeitrag bei 49,46, während sie die Zustimmung anderer mit 62,64 beziehungsweise 51,00 Punkten bewerteten. Bei den britischen Teilnehmern zeigte sich ein vergleichbares Muster.
Die Experimente zeigen, dass die Darstellung die Wahrnehmung der vermeintlichen Gruppenmeinung beeinflussen kann. Ob diese veränderte Wahrnehmung wiederum den eigenen Glauben verstärkte oder umgekehrt, ließ sich aus der statistischen Auswertung nicht eindeutig ableiten.
In einem fünften Versuch erhielten 501 US-Teilnehmer nur die vage Information, viele oder wenige andere Menschen hielten sechs Verschwörungstheorien für plausibel, doch ihre eigenen Bewertungen unterschieden sich anschließend nicht statistisch signifikant. Offen blieb, ob diese Formulierungen zu ungenau waren oder solche Hinweise grundsätzlich nicht wirkten.